Musterfeststellungsklage Verbraucherschützer nehmen Daimler ins Visier

Der Bundesverband Verbraucherzentralen hatte VW 2020 per Musterfeststellungsklage zum Einlenken im Skandal um manipulierte Dieselmotoren bewegt. Nun gehen sie ähnlich gegen den Autobauer Daimler vor. Sie haben Klage beim Oberlandesgericht Stuttgart eingereicht, wo das Unternehmen seinen Hauptsitz hat.

Auspuff und Motorhaube mit Text DAIMLER
Mehr als 250.000 Mercedes-Modelle waren in der Vergangenheit von Rückrufen im Zusammenhang mit Abschalteinrichtungen betroffen. Bildrechte: imago/Sven Simon

Verbraucherschützer wollen Schadenersatz für die vom Diesel-Skandal betroffenen Mercedes-Fahrer erstreiten. Der Verbraucherzentrale Bundesverband erklärte am Mittwoch, er habe vor dem Oberlandesgericht Stuttgart eine Musterfeststellungsklage gegen den Autobauer Daimler eingereicht.

Gut 50.000 Fahrzeugbesitzer betroffen

Der Verband wirft Daimler eine bewusste Manipulation der Abgaswerte bei bestimmten Fahrzeugen vor. Das Gericht solle mit einem Urteil den Verbrauchern nun Rechtsklarheit geben. In ihrer Musterklage beziehen sich die Verbraucherschützer auf einen bestimmten Motortyp (OM651). Rein theoretisch könnten sich die Besitzer von nahezu 50.000 Geländewagen-Modellen der Serien GLC und GLK der Klage anschließen.

Daimler hatte die Fahrzeuge 2018 auf Geheiß des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) für ein Software-Update in die Werkstätten zurückgerufen. Ohne das Update droht die Stilllegung der Fahrzeuge. Insgesamt sind mehr als 250.000 Mercedes-Modelle von Rückrufen im Zusammenhang mit Abschalteinrichtungen betroffen.

Zum Jahresende droht Verjährung

Die Musterfeststellungsklage soll laut Verbraucherschützer vor allem den Weg zum Schadenersatz erleichtern. Da die Autos bereits 2018 zurückgerufen worden waren, droht den Fällen Ende des Jahres die Verjährung. Das könnten Daimler-Kunden verhindern, wenn sie sich der Klage anschließen.

Ein Daimler-Sprecher wies die Schadenersatz-Forderungen von Kunden wiederholt zurück. Der Stuttgarter Autobauer halte die Ansprüche aus Dieselklagen für unbegründet und werde sich dagegen zur Wehr setzen.

Verbraucherschützer waren mit Klage bei VW

Eine ähnliche Musterfeststellungsklage hatte der Bundesverband Verbraucherzentrale 2018 gegen Volkswagen eingereicht – und war dabei erfolgreich. Anfang 2020 einigten sich die Verbraucherschützer mit den Wolfsburgern auf einen Vergleich, den rund 245.000 Kunden akzeptierten. VW zahlte ihnen je nach Alter und Typ des Fahrzeugs zwischen 1.350 Euro und 6.250 Euro.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 07. Juli 2021 | 12:00 Uhr

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