Schutzausrüstung für den Notfall Nationale Gesundheitsreserve – mitteldeutsche Standorte wissen von nichts

Engpässe bei der Versorgung mit Masken und medizinischen Schutzausrüstungen soll die "Nationale Gesundheitsreserve" verhindern. Auch in Apfelstädt, im Kabelsketal und in Halle sind Notfall-Lagerstätten geplant.

Es waren dramatische Meldungen, im Frühjahr 2020: Selbst medizinisches Personal und Pfleger und Pflegerinnen konnten nicht mehr mit Masken und Schutzausrüstungen versorgt werden. Die Bundesregierung beschloss als Konsequenz daraus, eine Nationale Gesundheitsreserve aufzubauen. Im November 2020 trat das Gesetz in Kraft.

19 Standorte in Deutschland sollen künftig genug Masken, Medikamente, Schutzausrüstungen und Beatmungsgeräte vorhalten können, damit es keine Engpässe mehr geben kann. Der Vorrat soll für einen Monat reichen. Für weitere fünf Monate solle ausreichend Nachschub gesichert sein, über Verträge mit möglichst einheimischen Herstellern.

Drei mitteldeutsche Standorte: Apfelstädt, Halle und das Kabelsketal

Eine Milliarde Euro will der Bund dafür bereit stellen, um das Projekt umzusetzen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn betonte Ende November: "Diese Pandemie lehrt uns, dass wir mehr vorsorgen müssen." Das Ziel: Bis Ende 2021 sollten die 19 Standorte mit bereits beschafften Material gefüllt werden, später soll es zudem Lieferungen aus der inländischen Produktion geben. "Am Material soll gute Gesundheitsversorgung nicht scheitern", erklärte der Gesundheitsminister zum Auftakt Ende November.

Zu den 19 Standorten, die die "Nationale Gesundheitsreserve" künftig lagern sollen, gehören auch Apfelstädt, Halle/Saale und das Kabelsketal. Mit der Lagerung der Reserven sollen ortsansässige Logistikunternehmen beauftragt werden.

Viele Fragezeichen bei den Stadtvätern

Apfelstädt: "Wir wissen so viel wie Sie"

Wie ist der Zeitplan? Wann werden die Lager der Standorte befüllt? "Wir wissen zur Nationalen Gesundheitsreserve im Wesentlichen genauso viel wie Sie", sagt Christian Jacob (CDU), Bürgermeister von Nesse-Apfelstädt. "Wir wissen, dass wir hier am Erfurter Kreuz ein guter Logistikstandort sind. Wir haben ein renommiertes Logistikunternehmen in Apfelstädt, die Firma Fiege Logistik." Die Firma habe bereits seit Beginn der Pandemie im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums Logistikaufgaben übernommen.

Wir haken bei dem Unternehmen selber nach. Die zentrale Pressestelle teilt auf Anfrage mit: "Das Lager in Apfelstädt wird nicht als Standort zum Aufbau der Nationalen Reserve Gesundheitsschutz genutzt". Dabei wird Apfelstädt auf Nachfrage beim Bundesgesundheitsministeriums ausdrücklich als Standort bestätigt. Als Lager kommt für den Bürgermeister nur eben dieses Logistikunternehmen infrage.

Kabelsketal: "Das Ganze ist sehr spekulativ"

Auch das Kabelsketal in Sachsen-Anhalt ist nach Angaben der Bundesregierung ein Standort der Nationalen Gesundheitsreserve. Dort unterhalten zahlreiche Logistikbetriebe Lager und Umschlagzentren. Einige haben wir stichprobenartig kontaktiert und angefragt. Der Nationalen Gesundheitsreserve vor Ort sind wir so nicht näher gekommen. Auch Steffen Kunnig, Bürgermeister in Kabelsketal, kann nur spekulieren: „Wir haben nicht nur bereits ansässige Unternehmen, sondern auch zwei laufende Vorhaben, die in Frage kommen könnten." Eine Abfrage über die Kommune sei nicht erfolgt, auch sonstige Informationen seien nicht erteilt worden. "Das Ganze ist hier dann doch sehr spekulativ", sagt Kunnig.

Unkenntnis auch in Halle/Saale

Ein ähnliches Bild wie in Kabelsketal und Apfelstädt zeigt sich auch in Halle an der Saale, dem dritten Standort in Mitteldeutschland. Bei der Stadt sei zur Nationalen Gesundheitsreserve nichts bekannt, heißt es auf Nachfrage. Unternehmen zur Umsetzung vor Ort gäbe es genug: Am Stadtrand von Halle haben zahlreiche Logistikfirmen Niederlassungen. Darunter DHL, wo nach  Angaben der Bundesregierung 100 Millionen Schutzmasken lagern. Doch ob diese jetzt Teil der Nationalen Reserve Gesundheitsschutz sind, bleibt unklar.

Bundesgesundheitsministerium: "noch im Aufbau"

Drei Standorte, die nur wissen, dass sie Standorte sein sollen, aber keine Kenntnis davon, wie sie das Projekt mit umsetzen sollen. Vom Bundesgesundheitsministerium heißt es dazu, die Nationale Reserve Gesundheitsschutz sei noch im Aufbau. Unterdessen haben die Bundesländer längst eigene Lager mit Schutzausrüstung aufgebaut – wie das sogenannte Pandemielager in Thüringen, das seit Juli vergangenen Jahres in Betrieb ist.   

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | UMSCHAU | 26. Januar 2021 | 20:15 Uhr

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