Privatkonten 31 Banken in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen mit Negativzinsen

Das Landgericht Leipzig hat entschieden: negative Guthabenzinsen für Neukunden sind zulässig. Eine Auswertung für Mitteldeutschland hat ergeben, dass dort 31 Geldinstitute solche "Verwahrentgelte" erheben.

EC-Karten verschiedener Banken
Auch in Mitteldeutschland gibt es Banken, die sogenannte Verwahrentgelte von Privatkunden fordern. Bildrechte: dpa

In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen haben bislang mindestens 31 Banken und Sparkassen Negativzinsen für Privatkunden eingeführt. Das geht aus einer Auswertung des Vergleichsportals Verivox auf Anfragen von MDR AKTUELL hervor. Demnach liegen zehn der Geldinstitute mit Negativzinsen in Sachsen, acht in Sachsen-Anhalt und 13 in Thüringen. Die Angaben beziehen sich ausschließlich auf Neukunden. Für Bestandskunden kann es andere Regelungen geben.

Nach Angaben des Portals Verivox vom 7. Juli 2021 entspricht das einem Anteil von gut acht Prozent an der Gesamt-Bankenlandschaft, wobei lediglich sechs Prozent aller deutschen Kreditinstitute ihren Sitz in Mitteldeutschland hätten.

Zu viele Sparguthaben

"Unter den Banken mit Negativzinsen sind Kreditinstitute aus Mitteldeutschland also deutlich überrepräsentiert. Allerdings trifft die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank die hier ansässigen Institute auch besonders hart. Viele Banken der Region verwahren deutlich mehr Spargelder, als sie auf der anderen Seite in Form von Krediten an Unternehmen und Verbraucher ausgeben können. Auf einen Teil ihrer überschüssigen Einlagen, die sie bei der Zentralbank parken, müssen die Banken selbst Strafzinsen zahlen", sagt Verivox-Geschäftsführer Oliver Maier.

Geldinstitute gewähren Freibeträge

Die Spanne der Negativzinsen, die in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen auf das Gesparte fällig wird, reicht von minus 0,4 Prozent bis minus 0,6 Prozent. Einige Banken erheben den Minuszins auch nach individueller Vereinbarung. In der Regel räumen die Geldinstitute einen Freibetrag ein. Der niedrigste wurde mit 10.000 Euro angegeben – in diesen Fällen gibt es oft auch noch Freibeträge auf Girokonten – der höchste mit 100.000 Euro.

Nicht alle Banken veröffentlichen Zinshöhe

Insgesamt weisen laut Verivox bundesweit mehr als 367 Banken und Sparkassen Negativzinsen für Private aus. Das Vergleichsportal beobachtet nach eigenen Angaben fortlaufend die ausgewiesenen Konditionen für Tagesgeld-, Giro- und Verrechnungskonten auf den Internetseiten von rund 1.300 Banken und Sparkassen und sprich in diesem Zusammenhang von der größten tagesaktuellen Auswertung in Deutschland.

Da nicht alle Banken ihre Zinsen frei zugänglich auf ihrer Website veröffentlichten, geht das Portal davon aus, dass noch deutlich über 365 Banken Negativzinsen verlangen. Für den Vergleich ausgewertet wurden ausschließlich Konditionen für Privatkunden.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 08. Juli 2021 | 06:00 Uhr

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