Negativzinsen Verwahrentgelte der Banken auf dem Prüfstand

Immer mehr Banken reichen die Negativzinsen an ihre Kundschaft weiter. So wird Geldanlegen für die Kundinnen und Kunden immer teurer. In dieser Woche könnte es am Landgericht Leipzig dazu ein richtungsweisendes Urteil geben. Die sächsische Verbraucherzentrale ist nämlich der Auffassung, dass Negativzinsen auf Kontoguthaben nicht rechtens seien.

Stempel mit Aufschrift NEGATIVZINSEN
Am Donnerstag wird das Landgericht Leipzig darüber entscheiden, ob Negativzinsen rechtens sind. Bildrechte: imago images/Michael Weber

Immer mehr Menschen müssten in Sachsen Negativzinsen zahlen, stellt Andrea Heyer fest. Sie leitet das Referat Finanzdienstleistungen bei der sächsischen Verbraucherzentrale. Bundesweit hätten inzwischen rund 450 Banken die sogenannten Verwahrentgelte eingeführt. "Und die Freibeträge sinken", sagt Heyer. Die Verbraucherzentrale habe festgestellt, dass es häufig nur noch 25.000 Euro oder weniger Freibeträge sein.

Am Beispiel der zur Deutschen Bank gehörigen Postbank zeigt sich das exemplarisch. Der eingeführte Freibetrag von 100.000 Euro wurde gerade auf 50.000 Euro für Giro- und Anlagekonten und auf 25.000 Euro für Tagesgeldkonten abgesenkt. Die Deutsche Bank schreibt an MDR AKTUELL außerdem, dass in diesem Jahr Verwahrentgelte auch mit der bestehenden Kundschaft vereinbart werden sollten. Verbraucherschützerin Heyer sagt: "Und da sind es oft die etwas älteren Bürger, die eben gerade mit Blick auf den Ruhestand Geld sicher angespart haben oder vielleicht auch gerade einen altersbedingten Hausverkauf realisiert haben. Die sind jetzt davon massiv betroffen."

Unterschiedliche Höhe von Freibeträgen bei den Banken

Wie viele Menschen im Freistaat Negativzinsen zahlen müssen, lässt sich nicht sagen, da die Höhe der Freibeträge von Bank zu Bank unterschiedlich ist und große Institute keine regionalen Daten erheben. Bei der Sparkasse Oberlausitz-Niederschlesien kann man in einer Mitteilung lesen, dass 14 Prozent der Kundinnen und Kunden über ein Guthaben von mehr als 25.000 Euro auf Giro- und Tagesgeldkonten verfügten. Die Sparkasse Leipzig hat Verwahrentgelte erst im April eingeführt und bisher nur für neue Kundschaft. Das könnte sich aber bald ändern, sagt Sprecher Johannes Friedemann: "Denn, wenn Sie sehen, dass allein im letzten Jahr unsere Kundeneinlagen um 11,5 Prozent gestiegen sind, dann ist das eine enorme Zahl, das ist sehr sehr viel. Die Vergleichszahl aus dem Vorjahr liegt bei 5,6 Prozent."

Weniger Konsum und Reisen während der Pandemie könnten ein Grund für den Einlagenanstieg sein – Friedemann sieht noch einen anderen: "Es kann natürlich auch sein, dass andere Institute Verwahrentgelte schon eingeführt haben und sich dann das Geld immer auf den Weg macht dahin, wo es günstiger geparkt werden kann."

Wie kann man Negativzinsen vermeiden?

Für die Sparkasse Leipzig heißen mehr Einlagen mehr Negativzinsen bei der Europäischen Zentralbank. Andrea Heyer von der Verbraucherzentrale rät davon ab, alternativ Bargeld zu Hause oder im Tresor bei der Bank zu horten. Zu unsicher vor Diebstahl einerseits oder zu teuer bei den Gebühren andererseits. Man könne das Geld vielleicht auf mehrere Konten verteilen oder, meint Heyer: "Mit dem Kreditinstitut verhandeln, ob die Freigrenze individuell angepasst werden kann, also vielleicht etwas nach oben gesetzt werden kann."

Oder aber man hofft, dass die sächsische Verbraucherzentrale mit Ihrer Klage vor dem Landgericht Leipzig Recht bekommt. Am Donnerstag wird das Urteil dazu erwartet, ob Verwahrentgelte rechtmäßig sind.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 06. Juli 2021 | 08:13 Uhr

10 Kommentare

ElBuffo vor 14 Wochen

Dass Banken keine karitativen Einrichtungen sind, dürfte Allgemeingut sein. Wenn die für Geld selber 0,5% zahlen sollen, werden sie das natürlich weitergeben. Am ehrlichsten ist es doch dann auch direkt jene zu belasten, die die Gelder einlegen. Das war doch früher bei Positivzinsen auch nicht anders. Da gab es auch keine Zinsen. Es stand nur nicht auf dem Kontoauszug, dass man 3 oder 4% Zinsen nicht bekommen hat. Jetzt steht eben drauf, was man nicht bekommt.

part vor 14 Wochen

Es gibt die reale Wertschöpfung weltweit, die sich ergibt aus den Bruttosozialprodukten der Staaten und es gibt eine Schöpfung der Geldmenge weltweit, auch Giralgeld genannt, die dem Wert der realen Wertschöpfung um mindestens ein Drittel übertrifft. Inflation, Rezession verbunden mit pandemiebedingten Bereinigungen der Märkte, die den Finanzsektor noch bedeutender gemacht haben und Anlagemöglichkeiten, die sich nur kurzfristig als beständig erweisen, erhöhen die baldige Wiederholung des zyklischen Zusammenbruchs des Systems.
Zudem gibt es in Erfurt Finanzinstitute, die bauen systematisch ihre Automaten ab und die Warteschlangen erreichen bedenkliche Ausmaße.

Matthi vor 14 Wochen

Das Problem mit den Negativ Zinsen ist nicht von den Deutschen Banken verursacht sondern von der EZB und Bundesbank die mit den Negativ Zinsen 0,5% den Maroden Südländischen Landesbanken unter die Arme greift. Man könnte auch sagen vereinfacht der Deutsche Sparer kommt für die ausländischen Schulden auf damit der Euro nicht baden geht.

Mehr aus Wirtschaft

Mehr aus Deutschland