Corona-Lockdown Kosmetikerin auf dem Weg aus der Krise

MDR-Wirtschaftsjournalist Ralf Geißler
Bildrechte: Ralf Geißler

Ab kommende Woche dürfen die Friseure wieder öffnen. Andere Läden müssen aber noch geschlossen bleiben. So auch der Kosmetiksalon von Beate Hertes aus Leipzig. Sie blickt dennoch nach vorne.

Kosmetikerin Beate Hertes
Die Leipziger Kosmetikerin Beate Hertes wünscht sich eine Perspektive für ihr Geschäft. Bildrechte: MDR/Ralf Geißler

Was bleibt, wenn die Pandemie vorüber ist? Beate Hertes stellt sich oft diese Frage, wenn sie wie heute durch ihr Viertel, die Leipziger Südvorstadt, bummelt. Vorbei an Cafés, die sich nur noch mit Außerhaus-Verkauf über Wasser halten, vorbei an verschlossenen Boutiquen, die auf ihrer Winterkollektion sitzen. Und in Gedanken an die Kollegen ihrer eigenen Branche.

Sie sagt: "Es verkaufen wirklich viele Kosmetikerinnen ihre Ladenausstattung wegen Geschäftsaufgabe. Viele sehen keine Perspektive. Wer jetzt in meinem Alter oder auch ein bisschen älter ist, die sagen dann auch: Ach, Mensch, die letzten Jahre, da bin ich eben arbeitslos."

Ich sage es mal ganz bösartig. Corona wird den Markt deutlich bereinigen.

Beate Hertes Kosmetikerin

Für die 59-Jährige selbst kommt Aufgeben nicht infrage. Sie hat den Kosmetiksalon "Bennissimo" von ihrer Mutter übernommen. Die nächste Generation arbeitet auch schon mit. Der Salon sei ihr Leben, sagt Hertes. Und deswegen kämpft sie.

Interssenvertretung für Kosmetikerinnen

Zusammen mit Kolleginnen hat sie im Dezember die erste Kosmetiker-Innung für die Region Leipzig gegründet: "Die Friseure haben ja schon, ich weiß nicht wie lange, Innungen. Da ist es ganz selbstverständlich, dass man sich in Innungen organisiert. Und man sieht ja, die Sichtbarkeit bringt ihnen den Erfolg, dass sie vor uns öffnen dürfen. Also haben wir gesagt: Wir brauchen auch eine Interessenvertretung für uns Kosmetikerinnen."

Öffnungskonzept entwickeln

Wenn die Friseure am Montag wieder öffnen, darf Beate Hertes zunächst nur Fußpflege anbieten. Gesichter, Hände, Wimpern bleiben coronabedingt tabu. Plausibel findet Beate Hertes das nicht. Mit der Fußpflege allein kann sie ihre fünf Angestellten jedenfalls nicht alle aus der Kurzarbeit holen. Immerhin, im Februar hat sie endlich die November- und Dezemberhilfe erhalten. Bei der Überbrückungshilfe 3 für Januar und Februar hakt es allerdings noch immer.

Und ständig Staatshilfen, das findet Hertes keine Lösung mehr. In der Innung wolle sie sich zusammen mit ihren Kolleginnen darum kümmern, dass gemeinsam mit der Politik ein Konzept entwickelt werde, das es den Kosmetikern ermögliche, auf Dauer aufmachen zu können. "Ein Leben mit der Pandemie, das wäre meine wichtige Perspektive, die ich brauche. Weil ich sehe es nicht so, dass die Pandemie in den nächsten 14 Tagen oder drei Wochen überwunden ist."

Fehlende Informationen zu Corona-Tests

Beate Hertes wirkt nachdenklich. Ihren Elan hat sie aber nicht verloren. Sie dreht Videos für einen eigenen Youtube-Kanal. Ihr Team hat neue Pflegekonzepte erarbeitet. Und wenn es am Montag zumindest mit der Fußpflege wieder losgehen kann, wird sie alle Mitarbeiterinnen auf Corona testen. So schreibt es Sachsen vor. Doch damit beginnen auch schon wieder die Probleme. Denn Detail-Information zu der Vorschrift fehlen.

Sie habe sich zwar angemeldet für Donnerstag zu einer Schulung im Roten Kreuz für Schnelltests, um die Kollegen selber im Geschäft zu testen und damit Zeit und Kosten zu sparen. "Aber wir wissen nicht, ob diese Tests zugelassen sind. Insofern können wir auch noch keine Termine vergeben. Also ich muss die Kunden immer noch vertrösten, obwohl wir nur von einer Woche Abstand reden."

Auch wer die vorgeschriebenen Tests bezahlt, ist noch unklar. Das Versprechen, ab 1. März Gratis-Tests für alle anzubieten, hat die Bundesregierung ja erst einmal wieder einkassiert. Vieles sei schwer zu begreifen, sagt Hertes. Sie steht vor ihrem Salon. Alle paar Minuten winkt ihr eine Passantin freundlich zu. Doch von ihrer Bekanntheit allein kann sie nicht leben. Sie will wieder richtig öffnen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 24. Februar 2021 | 07:53 Uhr

6 Kommentare

grauer wolff vor 16 Wochen

konnte mir schon denken das sie mein kommentar nicht auflegen,ich finde das sehr zweifelhaft wenn die Leute in der Pandemie sich nicht an regeln halten obwohl sie ja in jeder sendung diese AHA regeln kommentieren.....

Uwe G vor 16 Wochen

Pitty, ist Ihnen eigentlich klar was Sie da schreiben. Sie sprechen von 116.400 mit Corona infizieren MENSCHEN. Die Sterblichkeit liegt in Deutschland etwa bei 3 % Das bedeutet das mit höchster Wahrscheinlichkeit von diesen Menschen mehr als 3000 an Corona sterben werden! Sie schreiben "und das Ganze wegen" Denken Sie vor dem schreiben oder sind Sie wirklich so zynisch.?

Critica vor 17 Wochen

Ist schon kurios. Corona ist im Abmarsch und dennoch gibt die Politik nicht auf. Verweifeltes Aufhalten der "angespannten Lage" mit einer verkorksten Impfstrategie.
Und noch etwas, was mich tief bewegt: Jetzt machen alle "Zugeständnisse", damit sie am im Grundrecht verwurzelte sogenannte "öffentliche Leben" wieder "teilhaben" dürfen. Mir sträubt sich das Gefieder.

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