Schließung kleiner Filialen Wandel in der Optiker-Branche trifft kleine Läden

Mehr als vierzig Millionen Deutsche tragen eine Brille und besuchen regelmäßig den Optiker. Trotzdem müssen immer mehr kleine Optiker ihre Läden schließen, weil sich große Ketten wie Fielmann und Apollo weiter ausbreiten. Außerdem gibt es immer mehr Online-Händler.

Brille Optiker
Der kleine Optiker um die Ecke hat mittlerweile viel Konkurrenz bekommen. Bildrechte: imago images/Panthermedia

Uta Lindner verhilft Menschen zu einem besseren Durchblick. Unweit der Leipziger Innenstadt führt sie das Geschäft Colibri-Optik. Ein kleiner Laden, benannt nach einem bunten Vogel. Lindner biete vor allem besondere Brillenfassungen an: "Wir verkaufen jede Brillenfassung bei uns in der gegebenen Farbe nur einmal. Das ist ein persönlicher Tick von mir, weil ich auch schon erlebt habe, dass sich zwei, drei Menschen im Gewandhaus getroffen haben, die die gleiche Brillenfassung auf hatten und das ist nicht so schön." Mit dem Konzept will Lindner im Konkurrenzkampf bestehen.

Wandel in der Branche

Die Optiker-Branche sei im Umbruch, sagt Thomas Truckenbrod, Präsident im Zentralverband der Augenoptiker und Optometristen: "Die Anzahl der Fachgeschäfte sinkt etwa um 100 Fachgeschäfte pro Jahr in den letzten drei Jahren und diese Tendenz wird sich wahrscheinlich so fortsetzen."

Ein Versorgungsengpass drohe deshalb nicht, beruhigt Truckenbrod. Aber die Branchenstruktur verändere sich deutlich. Große Ketten wie Apollo oder Fielmann breiteten sich immer weiter aus. Die kleinen Optiker verschwänden. Hinzu kommen noch Online-Händler, die nun ebenfalls Filialen aufbauen.

Optiker-Ketten im Vorteil

Dirk Graber ist gebürtiger Hallenser und Gründer von Mister Spex. Der einst reine Internetversand hat mittlerweile 48 Läden. "90 Prozent kaufen immer noch eine Brille stationär. Da haben wir viele Wachstumsoptionen gesehen und gerade in der älteren Zielgruppe sind die Filialen etwas, das sehr gut angenommen wird. Wir sehen aber auch, dass das Zusammenführen von stationär und online sehr gut funktioniert", erzählt Graber.

Die Optiker-Ketten haben gegenüber den kleinen Handwerksbetrieben einen Vorteil: Sie können aufgrund der schieren Masse bessere Preise bieten. Doch obwohl immer mehr kleine Läden schließen, sieht Branchenpräsident Truckenbrod keinen Grund, einzugreifen: "Ich bin ein purer Verfechter des Wettbewerbs und ich bin der felsenfesten Meinung: Wer sich kümmert, wer sich weiterbildet als Augenoptiker, wer ein gutes Team ist und wer eine Geschäftsidee hat und die verfolgt, der hat auf jeden Fall über einen längeren Zeitraum noch eine Chance."

Neue Angebote von kleinen Optikern

Eine Frau mit Brille schaut lächelnd in die Kamera.
Uta Lindner von Colibri-Optik findet, dass jede Brille etwas besonderes sein sollte. Bildrechte: Ralf Geißler

Was Großen wie Kleinen hilft: Die Deutschen werden immer älter. Die Zahl der Brillenträger nimmt zu und es gibt zu wenig Augenärzte. In diese Lücke stößt auch Optikerin Uta Lindner: "Es ist so, dass viele Kunden ein dreiviertel Jahr auf einen Augenarzttermin warten müssen, wenn es darum geht, zu wissen, wie es um den Augendruck steht oder wie das Auge aussieht im Rahmen der Glaukom-Vorsorge. Da gibt es neue technische Möglichkeiten, die wir einsetzen dürfen auch von unserem Ausbildungsgrad her."

Die Leipziger Optikerin hat sich dafür extra neue Messgeräte gekauft – teurer als ein Kleinwagen. Man müsse sich anstrengen, um den großen Ketten etwas entgegenzusetzen, sagt Lindner. Nichts zu tun, wäre kurzsichtig.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 24. Januar 2022 | 06:55 Uhr

4 Kommentare

nasowasaberauch vor 15 Wochen

Ich bin eher für die individuelle Beratung und mache einen Termin bei meinem Optiker, als bei Apollo z.B. in der Schlange zu warten (habe ich früher erlebt) bis ein Beraterplatz frei ist. Am Ende war der Preis für das Gestell und die nötigen Veredlungen der Gläser bzw. dem Glasmaterial auch über 400€. Das bekomme ich bei meinem gut ausgestatteten Optiker auch bequemer und ohne aufdringliche Gespräche über Brillenversicherungen.

Lok vor 16 Wochen

Es haben doch alle Geschäftsmodelle ihre Kunden.
Wer auf vermeintlich günstige Preise steht und wenig Zeit für seinen Brillenkauf investieren möchte, der ist beim Filialisten doch sehr gut aufgehoben.
Wer eine umfassende, zeitintensive, individuelle Beratung möchte, geht zum klassischen modernen Augenoptiker. Da gibt es auch die ausgefallenen Sachen, welche die Filialisten oft nicht abbilden können.
Für den Online-Brillenerwerb haben die Experten von Anfang an einen nur begrenzten Markt vorausgesagt und damit recht behalten. Funktioniert im Prinzip nur für Einstärken bei bequemen Menschen.

Fakt vor 16 Wochen

@Kritische:

Ich weiß ja nicht, wie es bei anderen Ketten ist, bei Fielmann beispielsweise arbeiten ausschließlich ausgebildete Augenoptiker- und Hörgeräteakustiker. Allein 2020 gab es dort über 4.500 Auszubildende. Die Fielmann-Akademie auf Schloss Plön, die auch externen Augenoptikern offensteht, schult jährlich 7.000 Fachkräfte - sowohl Lehrlingsausbildung als auch Meisterschule.
(Quelle: Fielmann und Wikipedia)
Zumindest dort ist nichts mit "Wochenendschulung.

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