Nachrichten & Themen
Mediathek & TV
Audio & Radio
SachsenSachsen-AnhaltThüringenDeutschlandWeltLeben
Der kleine Optiker um die Ecke hat mittlerweile viel Konkurrenz bekommen. Bildrechte: imago images/Panthermedia

Schließung kleiner FilialenWandel in der Optiker-Branche trifft kleine Läden

von Ralf Geißler, MDR AKTUELL

Stand: 24. Januar 2022, 12:27 Uhr

Mehr als vierzig Millionen Deutsche tragen eine Brille und besuchen regelmäßig den Optiker. Trotzdem müssen immer mehr kleine Optiker ihre Läden schließen, weil sich große Ketten wie Fielmann und Apollo weiter ausbreiten. Außerdem gibt es immer mehr Online-Händler.

Uta Lindner verhilft Menschen zu einem besseren Durchblick. Unweit der Leipziger Innenstadt führt sie das Geschäft Colibri-Optik. Ein kleiner Laden, benannt nach einem bunten Vogel. Lindner biete vor allem besondere Brillenfassungen an: "Wir verkaufen jede Brillenfassung bei uns in der gegebenen Farbe nur einmal. Das ist ein persönlicher Tick von mir, weil ich auch schon erlebt habe, dass sich zwei, drei Menschen im Gewandhaus getroffen haben, die die gleiche Brillenfassung auf hatten und das ist nicht so schön." Mit dem Konzept will Lindner im Konkurrenzkampf bestehen.

Wandel in der Branche

Die Optiker-Branche sei im Umbruch, sagt Thomas Truckenbrod, Präsident im Zentralverband der Augenoptiker und Optometristen: "Die Anzahl der Fachgeschäfte sinkt etwa um 100 Fachgeschäfte pro Jahr in den letzten drei Jahren und diese Tendenz wird sich wahrscheinlich so fortsetzen."

Ein Versorgungsengpass drohe deshalb nicht, beruhigt Truckenbrod. Aber die Branchenstruktur verändere sich deutlich. Große Ketten wie Apollo oder Fielmann breiteten sich immer weiter aus. Die kleinen Optiker verschwänden. Hinzu kommen noch Online-Händler, die nun ebenfalls Filialen aufbauen.

Optiker-Ketten im Vorteil

Dirk Graber ist gebürtiger Hallenser und Gründer von Mister Spex. Der einst reine Internetversand hat mittlerweile 48 Läden. "90 Prozent kaufen immer noch eine Brille stationär. Da haben wir viele Wachstumsoptionen gesehen und gerade in der älteren Zielgruppe sind die Filialen etwas, das sehr gut angenommen wird. Wir sehen aber auch, dass das Zusammenführen von stationär und online sehr gut funktioniert", erzählt Graber.

Die Optiker-Ketten haben gegenüber den kleinen Handwerksbetrieben einen Vorteil: Sie können aufgrund der schieren Masse bessere Preise bieten. Doch obwohl immer mehr kleine Läden schließen, sieht Branchenpräsident Truckenbrod keinen Grund, einzugreifen: "Ich bin ein purer Verfechter des Wettbewerbs und ich bin der felsenfesten Meinung: Wer sich kümmert, wer sich weiterbildet als Augenoptiker, wer ein gutes Team ist und wer eine Geschäftsidee hat und die verfolgt, der hat auf jeden Fall über einen längeren Zeitraum noch eine Chance."

Neue Angebote von kleinen Optikern

Uta Lindner von Colibri-Optik findet, dass jede Brille etwas besonderes sein sollte. Bildrechte: Ralf Geißler

Was Großen wie Kleinen hilft: Die Deutschen werden immer älter. Die Zahl der Brillenträger nimmt zu und es gibt zu wenig Augenärzte. In diese Lücke stößt auch Optikerin Uta Lindner: "Es ist so, dass viele Kunden ein dreiviertel Jahr auf einen Augenarzttermin warten müssen, wenn es darum geht, zu wissen, wie es um den Augendruck steht oder wie das Auge aussieht im Rahmen der Glaukom-Vorsorge. Da gibt es neue technische Möglichkeiten, die wir einsetzen dürfen auch von unserem Ausbildungsgrad her."

Die Leipziger Optikerin hat sich dafür extra neue Messgeräte gekauft – teurer als ein Kleinwagen. Man müsse sich anstrengen, um den großen Ketten etwas entgegenzusetzen, sagt Lindner. Nichts zu tun, wäre kurzsichtig.

Dieses Thema im Programm:MDR AKTUELL RADIO | 24. Januar 2022 | 06:55 Uhr

Kommentare

Laden ...
Alles anzeigen
Alles anzeigen