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Wie arbeiten Chip-Hersteller wie Intel und TSMC künftig in Ostdeutschland zusammen? Das war eines der wichtigen Themen beim Ostdeutschen Wirtschaftsforum. Bildrechte: MDR/ Sebastian Mantei

Intel und TSMCEuropas größtes Halbleiternetzwerk in Ostdeutschland wächst weiter

13. Juni 2024, 10:49 Uhr

Ostdeutschland ist durch seine Halbleiterindustrie im Silicon Saxony schon jetzt das größte Halbleiterzentrum Europas. Durch die Ansiedlungen von Intel und TSMC wird Mitteldeutschland weiter seinen ersten Platz unter den Chipproduzenten in der EU behaupten. Wie die Unternehmen hier kooperieren und was die Vorteile und Probleme der Region sind, hat das Ostdeutsche Wirtschaftsforum diskutiert.

Halbleiter gelten als Zukunftstechnologie und boomen deshalb gerade. Davon kann auch Mitteldeutschland weiter erheblich profitieren. Mit Ansiedlungen von Großinvestoren wie Intel und TSMC stärkt der Osten seine Position als wichtigstes Halbleiterzentrum Europas. Darüber diskutierten Experten auf dem Ostdeutschen Wirtschaftsforum in Bad Saarow.

Halbleiter als großes Thema beim Ostdeutschen Wirtschaftsforum

Das Ostdeutsche Wirtschaftsforum ist das Treffen für die Netzwerke im Osten. Der Kurort am Scharmützelsee in der Nähe von Berlin bietet familiäre Atmosphäre für Unternehmen in den neuen Ländern und Gelegenheit zum Austausch über die Herausforderungen der Zukunft. Ein wichtiger Schwerpunkt in diesem Jahr ist die Entwicklung der Halbleiterindustrie im Osten.

Die Erfolgsgeschichte von Ansiedlungen im sogenannten Silicon Saxony, wie sich der Chipstandort Dresden mit seinen Partnern in der Region nennt, soll weitergeschrieben werden, auch mit Partnern aus Sachsen-Anhalt. Künftig siedeln sich mit Intel und TSMC zwei der größten Chiphersteller der Welt in Mitteldeutschland an.

Chip-Hersteller in Ostdeutschland: Rivalen müssen kooperieren

Die Rivalen auf dem Weltmarkt müssen und wollen in Ostdeutschland zusammenrücken, um Fachkräfte zur fördern und sich gegenseitig in Forschung und Entwicklung zu unterstützen. Das bekennen alle Wettbewerber auf dem Ostdeutschen Wirtschaftsforum. Das große Ziel ist laut dem "EU Chips Act", dass im Jahr 2030 Europa 20 Prozent der weltweiten Chipproduktion stellt. Derzeit sind es gerade einmal acht Prozent.

Für bereits im Osten arbeitende Chipunternehmen wie GlobalFoundries ist die Ansiedlung von Halbleiterschwergewichten wie Intel und TSMC keine Konkurrenz. Der Vice President des Unternehmens aus Dresden, Matthias Bonkaß, sagte: "Wir haben erstmal ein gutes Gefühl. Erstmal sind es dann ähnliche Wettbewerbsbedingungen, denn beide sind in Deutschland und das ist schon mal was Positives."

Laut Matthias Bonkaß vom Unternehmen GlobalFoundries aus Dresden wird es sich positiv auswirken, dass die Chiphersteller in Deutschland unter ähnlichen Bedingungen arbeiten. Bildrechte: MDR/ Sebastian Mantei

Wenn es um ihre Produkte geht, sind Intel und TSMC Konkurrenten, bei ihren Ansiedlungen sind sie aber aufeinander angewiesen, um mit den bereits bestehenden Halbleiterfirmen im Osten die Herausforderungen zu bewältigen. Dazu gehören laut Matthias Bonkaß von GlobalFoundries der Arbeits- und Wohnungsmarkt und der gemeinsame Aufbau von sicheren Lieferketten in Europa, um unabhängiger von Importen aus Asien zu werden. Da müsse man zusammenarbeiten, auch mit der Politik, so der Manager. Die Ansiedlung von Intel und TSMC werde aber dem Standort helfen, größer zu werden und zum wichtigsten Halbleitercluster innerhalb der EU zu wachsen.

Intel plant Zusammenarbeit mit Partnern im künftigen Halbleiterzentrum

Ähnlich sieht es auch Sonja Pierer, Country Managerin für Deutschland von Intel. Man sei Feuer und Flamme und die Planungen laufen. Derzeit werde noch im Bauantragsverfahren geprüft, was womöglich verändert werden müsse. Perspektivisch werde man mit anderen Partnern im neuen Halbleiterzentrum Ostdeutschland zusammenarbeiten, auch mit TSMC aus Taiwan. 

Sonja Pierer von Intel ist optimistisch, was die Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen in der Region betrifft. Bildrechte: MDR/ Sebastian Mantei

Bei Intel begrüße man, dass auch TSMC sich in der Region ansiedelt, sagte Pierer: "Das wird ermöglichen, dass wir eine komplette Ökosystem-Ansiedelung im Halbleiterbereich hier in Deutschland und in der Region haben werden." Das werde das ganze Ökosystem – die Halbleiterindustrie mit ihren Zulieferern und Partnern im Bereich Forschung und Entwicklung – stärken.

Studie: Was Ansiedlungen wie die von Intel für die Region bedeuten

Intel plant in Magdeburg zwei Halbleiterfabriken für rund 33 Milliarden Euro zu errichten. Knapp zehn Milliarden kommen davon als Subvention von der Bundesrepublik. Um zu untersuchen, welche Effekte solche Großinvestitionen haben können, hat die VDI/VDE Innovation + Technik GmbH eine "Studie zur Intelansiedlung in Magdeburg" in Auftrag gegeben.

"Die Investition in den Standort Magdeburg ist [...] eine große Chance für den gesamten Standort."

Marc Ingo Wolter | GWS mbH

Laut Studie kann im Falle von Intel der Staat durch Steuern und Sozialabgaben mit Einnahmen von 250 bis 400 Millionen Euro jährlich rechnen. Mit diesen Einnahmen sollen sich die Subventionen in Höhe von 10 Milliarden Euro über spätestens drei Jahrzehnte refinanzieren. Siedeln sich weitere Unternehmen an, multiplizieren sich demnach die Effekte und die Zeit verkürzt sich beträchtlich. Neben den finanziellen Gewinnen, erwartet die VDI/VDE Studie auch, dass die Region in vielen Bereichen von der Ansiedlung profitiere, so Marc Ingo Wolter von der Gesellschaft für Wirtschaftliche Strukturforschung (GWS) mbH, der an der Studie beteiligt war.

"Die Investition in den Standort Magdeburg ist insofern eine große Chance für den gesamten Standort", sagte Wolter, "Das Bildungssystem passt sich an, wir werden dort wahrscheinlich sehen, dass viele Fachkräfte hinzukommen werden, die weitere Firmen anlocken." Das zu befördern werde in Zukunft Aufgabe der Netzwerke vor Ort sein – "und das ist ein großer Vorteil für die Region Magdeburg und auch für Sachsen-Anhalt."

Halbleiterexperte: Fachkräften Möglichkeiten zum Arbeiten zeigen

Weiter gefasst werde der gesamte Osten von diesen Großprojekten profitieren, meint Frank Bösenberg vom Silicon Saxony. Das gehe aber nur, wenn sich die Region Mitteldeutschland auch international gemeinsam als attraktiver Standort für Fachkräfte und Unternehmen präsentiere. Man müsse den Fachkräften klarmachen, dass es in allen drei Bundesländern, in Sachen-Anhalt, Thüringen und Sachsen, gute Möglichkeiten zum Arbeiten gebe. Diese Botschaft außerhalb der Region, außerhalb Deutschlands und auch außerhalb Europas zu verbreiten, "da haben wir noch den größten Nachholbedarf."

Frank Bösenberg vom Silicon Saxony sieht es als eine der größten Herausforderungen an, internationale Fachkräfte und Unternehmen für die Region zu gewinnen. Bildrechte: MDR/ Sebastian Mantei

Bösenberg verweist auf Fachkräfte, die bereits gekommen sind. Diese reichten aber nicht aus, es würden mehr Fachkräfte benötigt. Deshalb sei es so wichtig, dass Menschen kommen, die eine Qualifikation mitbringen oder zumindest den unbedingten Willen, diese Qualifikationen zu erwerben. Global gesehen gebe es genügend Leute, nur müsse man sie jetzt in unsere Region locken, so der Halbleiterexperte aus dem Silicon Saxony.

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MDR (Sebastian Mantei, Maren Wilczek)

Dieses Thema im Programm:MDR AKTUELL – Das Nachrichtenradio | 08. Juni 2024 | 07:08 Uhr

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