Ostsee-Pipeline Trotz Genehmigungen: Weiterbau von Nord Stream 2 verzögert

1.200 Kilometer durch die Ostsee – über die Gas-Pipeline Nord Stream 2 sollte längst Erdgas von Russland nach Deutschland strömen. Doch der Konflikt um das umstrittene Milliardenprojekt hat die Fertigstellung immer wieder verzögert. Nun bleiben die Arbeiten an der Gas-Pipeline abermals unterbrochen, obwohl die nötigen Behördengenehmigungen vorliegen.

Blick auf eine Küste. Vorne Bagger, im Wassert Bohrinseln.
Die Bauarbeiten an der Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 bleiben vorerst unterbrochen. Bildrechte: Nord Stream AG

Der Weiterbau der umstrittenen Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 verzögert sich weiter. Die Betreibergesellschaft nimmt die für diesen Freitag geplanten Arbeiten zur Fertigstellung der Pipeline vor der dänischen Küste anders als erwartet noch nicht wieder auf. Ein Sprecher der Nord Stream 2 AG sagte dem "Handelsblatt", die notwendigen Genehmigungen der dänischen Behörden lägen zwar vor. Das bedeute aber nicht, "dass wir am Freitag auch die Verlegung von Rohren wieder aufnehmen".

Arbeiten womöglich erst im Februar

Zunächst müsse die technische Ausrüstung geprüft werden. Es lasse sich nicht exakt sagen, wie lange das dauern werde. Ende Januar oder Anfang Februar könne man vermutlich genauer abschätzen, "wann wir beginnen, Rohre zu verlegen", sagte der Sprecher der Zeitung weiter.

Nord Stream 2 darf weitergebaut werden

Derweil hat das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie den sofortigen Weiterbau von Nord Stream 2 in deutschen Gewässern genehmigt. Das teilte die Bundesbehörde am Freitag mit. Die bisherige Genehmigung hätte Arbeiten im deutschen Teil der Ostsee normalerweise erst wieder ab Ende Mai erlaubt. Ein Widerspruch, etwa von Umweltverbänden, könnte den kurzfristigen Weiterbau allerdings noch kippen. Die neuerliche Genehmigung war wegen neuer Sanktionsdrohungen aus den USA notwendig geworden.

USA verhängten Ende 2019 Sanktionen

Die Arbeiten an der Pipeline waren wegen US-Sanktionen vor einem Jahr ausgesetzt worden. US-Präsident Donald Trump hatte diese gegen Unternehmen verhängt, die am Bau der Gasleitung beteiligt waren.

Die USA lehnen den Bau der rund 1.200 Kilometer langen Röhre mit der Begründung ab, Europa werde dadurch noch abhängiger von russischem Erdgas. Pipeline-Befürworter werfen den USA vor, auch selbst ihr Flüssiggas in Europa verkaufen zu wollen.

Nord Stream 2 Karte
Die Gas-Pipeline Nord Stream 2 wird zusätzlich zur bereits bestehenden Leitung Nord Stream 1 gebaut. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Jahrelanger Streit um deutsch-russische Gas-Trasse

Die Unterbrechung der Verlegearbeiten könnten Raum für eine politische Annäherung zwischen den USA und Deutschland schaffen. So schlägt der US-Außenpolitiker Nicholas Burns, der den gewählten Präsidenten Joe Biden im Wahlkampf beraten hat, vor, dass nicht nur der Bau, sondern auch die US-Sanktionen temporär gestoppt werden, um den Konflikt zu entschärfen.

Russlands Botschafter in Berlin, Sergej Netschajew, kritisierte im Gespräch mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland "die Versuche der USA, die Projektrealisierung durch Erpressung, Drohungen und exterritoriale Sanktionen zu verhindern" als "Ausdruck unlauteren Wettbewerbs".

Mecklenburg-Vorpommern in der Kritik

Zuletzt erntete Mecklenburg-Vorpommern Kritik für seine gegründete Umweltstiftung. Diese soll den Weiterbau der Erdgas-Pipeline Nord Stream 2 unterstützen. Die gemeinwohlorientierte Stiftung soll Projekte im Umwelt-, Natur- und Klimaschutz fördern, aber auch gewerblich aktiv werden können. So ist geplant, durch die Stiftung Bauteile und Maschinen zu kaufen, die für die Fertigstellung der Gasleitung unerlässlich sind. Damit sollen angedrohte Sanktionen der USA gegen am Bau der Leitung beteiligte Firmen möglichst umgangen werden. Das Vorhaben war parteiübergreifend kritisiert worden.

Mann läuft an riesigen, übereinander gestapelten Rohren entlang
Der Streit um den Bau der deutsch-russischen Gas-Pipeline Nord Stream 2 nimmt kein Ende. Obwohl die Gas-Trasse kurz vor ihrer Fertigstellung steht, könnte das Projekt immer noch scheitern. Bildrechte: Nord Stream AG

Nach Angaben des russischen Energiekonzerns Gazprom als Hauptinvestor sind 94 Prozent der Pipeline fertiggestellt. Damit liegen mehr als 2.300 Kilometer Rohre des Doppelstrangs auf dem Meeresboden. Es fehlen noch etwa 150 Kilometer, also 75 Kilometer je Strang – davon etwa 120 Kilometer in dänischen und etwa 30 Kilometer in deutschen Gewässern.

An dem fast zehn Milliarden Euro teuren Projekt sind über 670 Unternehmen beteiligt. Zu den weiteren Investoren gehören die deutschen Konzerne Wintershall – eine Tochter der BASF – und Uniper (Abspaltung von Eon) sowie die niederländisch-britische Shell, der französische Versorger Engie und OMV aus Österreich.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 15. Januar 2021 | 10:30 Uhr

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