Lieferdienste Paketboten vor Weihnachten wegen Corona im Dauerstress

Paketzusteller haben vor Weihnachten immer Stress. In diesem Jahr dürfte es aber noch mehr sein, da wegen der 2G-Regel nicht jeder so shoppen darf, wie er mag. Vor allem Ungeimpfte dürften verstärkt auf Online-Shops ausweichen. Und da man wegen der Kontaktbeschränkungen nicht alle Freunde besuchen soll, wird ebenfalls mehr verschickt. Ein Branchenverband rechnet im November und Dezember mit 63 Millionen Paketen. Unser Reporter ist unterwegs mit einem Amazon-Zusteller.

Ein Bote liefert Pakete und Paeckchen für Amazon aus.
Kurz vor Weihnachten arbeiten Paketzusteller am Limit, besonders in diesem Jahr. Bildrechte: dpa

"Hallo, Amazon-Lieferdienst, ich habe ein Paket für Sie." Es ist der Satz, den Bashar Al Kurdi vor jeder Haustür sagt. Seit Juli liefert der junge Mann für den Amazon-eigenen Zustelldienst Pakete aus – manchmal 200 am Tag. "Zeit spielt eine sehr wichtige Rolle. Ich habe die Pakete und ich habe eine bestimmte Zeit dafür, zum Beispiel acht Stunden. Und in diesen acht Stunden muss ich das alles schaffen."

Al Kurdi steigt in seinen Lieferwagen. Das Navi lotst ihn durch Magdeburg. Er klingelt an Türen, steigt Treppen. Nur einer von fünf Empfängern ist tatsächlich zu Hause. "Dann versuche ich, die Nachbarn zu kontaktieren. Und wenn die nicht rangehen, dann muss ich später nochmal, also ich muss bis zu drei Mal zurückfahren. Das kostet auch Zeit."

Kritik wegen mangelnder Reformen

Es ist ein fordernder Job. So sieht es Andreas Schumann, Vorsitzender im Bundesverband der Kurier-Express-Post-Dienste. Schumann sagt, schon das Parken sei in dicht besiedelten Städten ein Problem. Die Lieferwagen dürften zwar in zweiter Reihe halten, der Verkehr müsse aber noch durchkommen – sonst drohten Strafzettel. "Also das ist maximal ungerecht. Letztendlich wird das Problem auf den Fahrer, das letzte und schwächste Glied der Kette ausgelagert. Es gibt schon seit vielen Jahren die Bemühungen, dass wir ein Verkehrsschild für Lieferzonen bekommen, was auch in der STVO hinterlegt ist und wo die Lieferzonen einen verbindlicheren Status bekommen als heute. Das gibt es bisher nicht."

Auch andere Reformen ließen auf sich warten, kritisiert Schumann. Im Grunde würden Pakete heute noch so zugestellt wie vor 30 Jahren. Jeden Tag starteten die fünf großen Zustellunternehmen mit eigenen Fahrern. Und dann bringe jeder je ein Paket für ein und dasselbe Haus. "Das erschließt sich jedem, dass das nicht wirtschaftlich und sinnvoll ist. Wir müssen auch hier über mehr Bündelung nachdenken, dass also nur noch ein Auto kommt, was fünf Pakete bringt. Und ich sehe da in den nächsten Jahren durchaus große Veränderungen."

Unbezahlte Überstunden und kein Urlaub

Veränderungen wünscht sich auch der Deutsche Gewerkschaftsbund. Denn immer häufiger seien die Zusteller bei Subunternehmen angestellt, in denen schlecht bezahlt werde. Benjamin Heinrichs berät in Erfurt für das DGB-Projekt "Faire Integration" Migranten, die in der Zustellbranche angeheuert haben. "Die häufigsten Beschwerden sind, dass Überstunden nicht bezahlt werden. Dass die Leute zum Teil zwölf bis 15 Stunden jetzt zur Weihnachtszeit arbeiten, aber maximal acht Stunden bezahlt bekommen. Dass sie keine Lohnfortzahlungen bekommen, wenn sie krank sind. Dass sie keinen Urlaub bekommen."

Der Amazon-Lieferdienst betont, dass er seinen Subunternehmen so viel Geld bezahle, dass sie den Fahrern einen anständigen Stundenlohn geben könnten. Und auch sonst halte man sich an alle Regeln. Zusteller Bashar Al Kurdi sagt, er persönlich sei mit seinem Job zufrieden. "Wir haben jetzt eine Peak-Zeit, da haben wir Stress. Aber das sind bloß vier Wochen. Die vergehen. Und ansonsten ist es gar nicht stressig." Al Kurdi eilt die Treppe eines Mehrfamilienhauses hinunter. Die Tour durch Magdeburg muss weitergehen. Mehr als 50 Stopps liegen noch vor ihm.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 21. Dezember 2021 | 06:00 Uhr

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