Leuna wird Bio Grundsteinlegung für Raffinerie auf Holzbasis

MDR-Wirtschaftsjournalist Ralf Geißler
Bildrechte: Ralf Geißler

Im Chemiepark in Leuna wird der Grundstein für eine Bio-Raffinerie gelegt. Über Jahrzehnte gewann man chemische Grundstoffe dort aus Kohle oder Erdöl. Nun soll auch Buchenholz zum Einsatz kommen. Die finnische UPM-Gruppe investiert in die Raffinerie mehr als eine halbe Milliarde Euro. Was sie aus dem Holz alles machen will und wie es zu dieser Investition kam:

Die Idee zu dieser Investition entstand, weil die Leute immer weniger Zeitschriften lesen. Das ist schlecht für die finnische UPM-Gruppe. Denn sie ist Europas größter Papierproduzent. So stellten sich die Manager vor ein paar Jahren die Frage, was man aus Holz eigentlich noch machen kann außer Papier. Und so entstand die Idee für eine Bioraffinerie.

Zeitalter der grünen Chemie in Leuna

Vorne kommt Holz rein, hinten Chemie wieder raus. Michael Duetsch, Leiter des Bereichs Biochemical Business bei UPM, soll die Anlage in Leuna mit aufbauen: "Wir setzen das Laubholz um in verschiedene Produkte." Duetsch zufolge ist eins davon Monoethylenglycol, ein Rohstoff für die Kunststoffindustrie. Daraus könne man beispielsweise Polyester-Textilien herstellen oder Kunststoffflaschen für Getränke. Ein anderer Stoff sei ein Füllstoff, der Industrieruß ersetzte. Industrieruße würden heute für Gummiprodukte eingesetzt, etwa um Reifen schwarz zu färben, erklärt Duetsch.

Die Raffinerie soll die Chemikalien unter Einsatz von Hitze, Wasser und Druck aus dem Holz holen. Mit dem Bau beginnt in Leuna das Zeitalter der grünen Chemie. Seit Jahren tüfteln Forscher, wie man aus Biomasse nicht nur Diesel und Alkohol, sondern auch andere Chemikalien gewinnen kann.

In Leuna wird nun ein großer Schritt gemacht, sagt Gerd Unkelbach, Leiter des Fraunhofer Zentrums für Chemisch-Biotechnologische Prozesse. Vereinzelt gebe es Bio-Raffinerien. Jedoch seien diese sehr auf eine Chemikalie spezialisiert: "Das komplette Zerlegen von einem Rohstoff wie Holz in mehrere Zwischenprodukte und daraus dann noch mehrere Endprodukte zu machen, das gibt es in diesem Umfang noch nicht. Es ist die erste voll integrierte Bio-Raffinerie auf Basis von Holz weltweit."

Raffinerie soll in zwei Jahren stehen

Ein Mann lächelt in die Kamera. Er steht draußen vor einem Baum an einem Hauseingang.
Christof Günther von Infraleuna. Bildrechte: MDR/Ralf Geißler

Für den Bau nimmt nicht nur UPM sehr viel Geld in die Hand. Auch der Chemieparkbetreiber Infraleuna investiert noch einmal mehr als 100 Millionen Euro, um die Raffinerie zu ermöglichen. Manager Christof Günther zeigt das auf einer kleinen Chemiepark-Tour. Derzeit wird der Baugrund für die eigenen Baustellen vorbereitet. Es würde einiges an Infrastruktur gebaut werden, etwa eine neue Deionat-Anlage, neue Drucklufterzeugung, neue Kühlwerke, Schaltanlagen oder Dampfleitungen. "Im Moment passiert hier am Standort so viel wie seit der Restrukturierung nicht mehr", sagt Günther.

Deionat Deinoat ist demineralisiertes Wasser. Das heißt, das Wasser enthält nicht mehr die Salze, die in Quell- oder Leitungswasser vorkommen. In der Chemie und Biologie wird es als Lösungs- oder Reinigungsmittel eingesetzt.

In zwei Jahren soll alles fertig sein. Jährlich soll die Bio-Raffinerie dann bis zu 220.000 Tonnen Chemikalien produzieren. Diese sollen die gleiche Qualität haben wie die Produkte aus Erdöl. Als Abnehmer kommen Firmen in ganz Europa infrage.

Buchenholz aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern

Als Rohstoff will UPM vor allem Buchenholz einsetzen, das heißt Abfälle aus Sägewerken, aber auch Bäume aus dem Wald. Michael Duetsch zufolge stammt das verwendete Holz aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern. Da gebe es etablierte Zertifizierungssysteme: "Das heißt, es wird beispielsweise nie mehr Holz aus dem Wald herausgenommen als nachwächst. Es wird dafür gesorgt, dass eine Biodiversität aufrecht erhalten wird."

UPM baut zudem darauf, dass sich die deutschen Wälder wegen des Klimawandels verändern. Aus den Monokulturen mit Fichten dürften über die Jahre Mischwälder werden. Und in denen dürfte vermehrt Buchenholz anfallen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 07. Oktober 2020 | 05:38 Uhr

18 Kommentare

Querdenker vor 27 Wochen

@Eulenspiegel

Das ist grundsätzlich richtig was Sie schreiben. Mir ging es darum, dass es nicht in den Himmel gelobt wird. Solange der Kunststoff am Ende in der Müllverbrennung landet und die Klimagase in die Umwelt gelangen, ist nicht so viel gewonnen.

siehe „dw Müllverbrennung in Deutschland: Entsorgung mit Risiken?“

Zitat: „Wie das Marktforschungsunternehmen Conversio in einer Studie herausstellt, fließen nur rund 16% des im Hausmüll anfallenden Kunststoffes in neue Produkte. Der Rest wird ins Ausland exportiert oder in Deutschland verbrannt und in Wärmeenergie oder Strom umgewandelt.“

Kunststoffmüll sollte weniger exportiert werden dürfen und Müllverbrennungsanlagen sollten Klimagase schrittweise immer mehr recyclen müssen.

Eulenspiegel vor 27 Wochen

Hallo Querdenker
Ich denke hier gibt es nicht den eine große Lösungsansatz. Wir benötigen viele kleine Lösungsansätze und damit auch Veränderungen.
Einer ist ist die Zielsetzung den Einsatz von fossilen Energieträgern auf Null zu setzen um die CO2 Anreicherung in der Luft nicht noch weiter zu erhöhen. Dazu gehört dann auch Plastik aus Holz statt aus Kohle oder Erdöl zu erzeugen. Wenn man dieses Holz aus dem Anbau nimmt das früher zur Papierherstellung benötigt wurde. Ich denke sogenanntes Abfallholz was bei jeder Sägerei anfällt wäre gut geeignet. Dazu gehört dann natürlich auch das man von den Plastik-Einwegverpackungen weg kommt.
Ein weiterer Lösungsansatz wäre das man das Zuviel an CO2 in der Luft einfach als Rohstoff ansieht.
Ich glaube wir können nur auf Kohle, Erdöl und Erdgas verzichten wenn wir überall hinschauen wo es überall Abfallprodukte gibt die wir als Rohstoffe nutzen können. Und da gibt es noch sehr viele Möglichkeiten.

MDR-Team vor 27 Wochen

Lieber DER Beobachter,
Danke für die Anregung. Wir werden an diesem Thema weiterhin dran bleiben und diesen Fragen nachgehen.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr MDR.de-Team

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