Regierung im Homeoffice Wo arbeiten die Regierungs-Mitarbeiter?

Wegen der Corona-Pademie arbeiten auch mehr Mitarbeiter der Ministerien in Mitteldeutschland mobil. Das Arbeiten im Homeoffice ist in den Ministerien weiter verbreitet als gemeinhin angenommen wird. Das ergeben aktuelle Auskünfte der Landesregierungen von Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen auf Anfrage von MDR Aktuell.

Computer-Nutzer 2012 in einer Wohnung, Internetverbindung über W-Lan-Router
Bildrechte: imago/Jochen Tack

Bundeskanzlerin Merkel hatte in den letzten Wochen immer wieder an Arbeitgeber appelliert, großzügige Homeoffice-Möglichkeiten zu schaffen. Die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten hatten sich ähnlich geäußert. Auch Bundesarbeitsminister Heil hatte erst gestern wiederholt auf die Notwendigkeit des Homeoffice zur Eindämmung der Pandemie hingewiesen.

Doch gerade den Regierungsverwaltungen wird in diesem Bereich immer wieder großer Nachholbedarf vorgeworfen. Gerade jetzt in Pandemiezeiten. Erst in dieser Woche hatte auch der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln mehr Engagement von der Ministerialbürokratie gefordert. Demgegenüber ergibt sich zwar ein uneinheitliches, aber auch ein überraschendes Bild. Einige Häuser gehen gar recht fortschrittlich mit dem Thema Homeoffice um.

Die Staatskanzleien

Sachsen

Michael Kretschmer mit Maske in einem Labor.
Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU). Bildrechte: dpa

In der sächsischen Staatskanzlei von Ministerpräsident Kretschmer arbeitet der überwiegende Teil der Mitarbeiter regelmäßig von zu Hause. In wechselnder Besetzung sind es durchschnittlich rund 60 Prozent der Bediensteten. Ähnlich wie im April letzten Jahres. Damals waren es ca. 64 Prozent oder 152 Bedienstete.

Der Personalbestand vor Ort soll aktuell noch weiter auf eine Mindestbesetzung reduziert und Homeoffice vorrangig genutzt werden. Davon ausgenommen seien die Bereiche, die für die Bewältigung der Corona-Pandemie unmittelbare Verantwortung tragen und deren Arbeitsfähigkeit vor Ort deshalb sichergestellt sein müsse.

Sachsen-Anhalt

Reiner Haseloff (CDU), kommt in der Staatskanzlei zu einer Pressekonferenz.
Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU). Bildrechte: dpa

Auch in der Staatskanzlei von Ministerpräsident Haseloff in Sachsen-Anhalt hat die reibungslose Aufgabenerledigung in der aktuellen COVID-19-Lage Vorrang. Daher schwanke die zahlenmäßige Inanspruchnahme von Homeoffice. Der Chef der Staatskanzlei, Rainer Robra, hat festgelegt, dass in der aktuellen Pandemielage bis zu 100 Prozent der wöchentlichen Arbeitszeit in "Teleheimarbeit", wo immer dies möglich sei, gearbeitet werden solle. Der Präsenzbetrieb in den Dienstgebäuden sei "auf das zwingend notwendige Maß zu reduzieren". Eine Vielzahl der Bediensteten mache von dieser Möglichkeit Gebrauch.

Thüringen

Bodo Ramelow mit Mundschutz
Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Die Linke). Bildrechte: dpa

In der thüringischen Regierungszentrale von Ministerpräsident Ramelow in Erfurt arbeiten von 267 Beschäftigten 92 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dauerhaft oder in einem festen Wechselmodell im Homeoffice. Darüber hinaus nehmen ca. 70 weitere in unregelmäßigen Abständen die Möglichkeiten des Homeoffice wahr.

Zu Beginn der Pandemie, im April 2020, befanden sich 125 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Homeoffice. Damals arbeiteten 87 Bedienstete die ganze Woche außerhalb des Büros, 38 in einem Wechselmodell.

Die Ministerien

Der genaue Blick auf den Umgang mit Homeoffice in den Ministerien der drei Bundesländer fördert ebenfalls teils Überraschendes zu Tage. Die Nutzung des Homeoffice weist insgesamt eine sehr große Spannbreite auf. Diese reicht von 25 bis über 80 Prozent der Mitarbeiter. In einigen Häusern wird in Wechselmodellen, Homeoffice und Präsenz, teils im wöchentlichen Rhythmus gearbeitet. Der dienstliche Datenzugriff sei in der Regel kein Problem. Durchaus kreativ gehen einige Ministerien mit der Entscheidungsfindung zum Homeoffice während des aktuellen Pandemiegeschehens um. So nutzen Häuser das Ampelmodell, das bei Rot Homeoffice vorschreibt.

Sachsen

In Sachsen arbeiten in diesen Tagen 201 Bedienstete des Staatsministeriums der Finanzen von zu Hause. Dies entspricht 55,7 Prozent aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Mit Stand vom Montag dieser Woche befanden sich ca. 60 Prozent der Bediensteten des sächsischen Innenministeriums im Homeoffice. Die verbleibenden 40 Prozent waren als betriebsnotwendig eingestuft worden und hatten ihren Dienst unter Einhaltung des vorliegenden Hygienekonzeptes in der Dienststelle zu verrichten. Mit Inkrafttreten der aktuellen Fassung der sächsischen Corona-Schutz-Verordnung zum 11. Januar 2021 solle die Zahl weiter gesenkt werden.

Bei roter Ampel zuhause bleiben

Die Zahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Ministeriums für Energie, Klimaschutz, Umwelt und Landwirtschaft im Homeoffice schwankt tagesabhängig zwischen 60 und 80 Prozent. Fast alle von ihnen haben vollen Datenzugriff zu Hause. Hier greift das Ampelmodell. Dies sieht vor, dass in der Rotphase – Inzidenz über 50 – die Beschäftigten nach Möglichkeit vollständig im Homeoffice arbeiten sollen. Zumindest ist die Doppelbelegung von Büroräumen untersagt.

Kultusministerium
Das sächsische Kultusministerium in Dresden. Bildrechte: imago/Becker&Bredel

Die 419 Bediensteten des sächsischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr wechseln je nach dienstlicher Notwendigkeit zwischen Homeoffice und Präsenz vor Ort. Aktuell sind rund 91 Prozent von ihnen in der Lage, im Homeoffice zu arbeiten.

Im Staatsministerium für Wissenschaft, Kultur und Tourismus sind derzeit ca. 160 Bedienstete, etwa 75 Prozent, im Homeoffice mit vollem Datenzugriff tätig. Alle Bediensteten haben den vollen Datenzugriff. Auch hier gibt es das Ampelmodell. Nur das Personal, das betriebsnotwendig vor Ort sein muss, arbeitet in Präsenz.

Von den derzeit 242 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Staatsministeriums für Justiz arbeiten zeitweise rund 50 Prozent von zu Hause. Es gibt jedoch Bereiche, die nicht oder nur sehr eingeschränkt im Homeoffice bearbeitet werden können. Die Arbeit mit sensiblen Personalakten gehört zum Beispiel dazu.

Im Staatsministerium für Regionalentwicklung arbeiten derzeit 171 der Bediensteten im Homeoffice, das sind rund 86 Prozent. Hier ist aktuell sogar grundsätzlich für alle Beschäftigten Homeoffice angeordnet. Ausnahmen, die für einen ordnungsgemäßen Dienstbetrieb erforderlich sind, sind genehmigungspflichtig.

Sachsen-Anhalt

Bis heute wurde 248 Bediensteten des Ministeriums der Finanzen in Sachsen-Anhalt "Wohnraumarbeit" bewilligt. Das entspreche etwa 45 Prozent der Beschäftigten. Allerdings könne nicht alles von zu Hause gemacht werden. Das würde etwa für so sensible Bereiche wie die Landeskasse oder die Bezügestelle gelten. Generell wird für die Dauer des Corona-Lockdowns bis zu 100 Prozent der Beschäftigten Homeoffice gewährt.

Blick auf den Dienstsitz des Ministeriums der Justiz des Landes Sachsen-Anhalt in Magdeburg
Ministerium der Justiz des Landes Sachsen-Anhalt in Magdeburg. Bildrechte: dpa

Im Innenministerium liegen für 76 Dienstposten, ca. 28 Prozent aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Genehmigungen für das Arbeiten im Homeoffice vor. Aufgrund der ansteigenden Infektionszahlen ist hier seit dem 11. November 2020 ein sogenanntes Personal-Wechselmodell per Dienstanweisung eingeführt worden. Demnach ist das Personal in zwei verbindliche Gruppen eingeteilt, die sich wechselseitig an geraden und ungeraden Tagen im Homeoffice befinden. Darüber hinaus wird es in Abhängigkeit von dienstlichen Belangen den Bediensteten ermöglicht, auch an weiteren Tagen von Zuhause aus zu arbeiten.

Im Justizministerium sind derzeit 77 Personen in Heim- bzw. Telearbeit. Das entspricht 38 Prozent der bedienstete. Eine geltende Dienstvereinbarung zum Homeoffice ist im Lauf der Corona-Pandemie ausgeweitet worden. Neu aufgenommene Regelungen sind befristet, vorläufig bis Ende Januar. Danach kann das Homeoffice auf die gesamte Arbeitswoche ausgedehnt werden. Bei Bedarf wird Mitarbeitern ein Laptop zur Verfügung gestellt.

Homeoffice faktisch angeordnet

Um die Arbeitsfähigkeit auch bei möglichen Coronafällen aufrecht erhalten zu können, nutzt auch das Wirtschaftsministerium derzeit das wöchentliche Wechselmodell, vorerst bis zum 5. Februar 2021. Durch A- und B-Gruppen halten sich regelmäßig nur etwa 40 Prozent der Bediensteten im Dienstgebäude auf. Im Rahmen einer Dienstvereinbarung kann auch in regulären Zeiten bis zu 40 Prozent der Arbeitszeit, maximal zwei Wochentage im Homeoffice erledigt werden.

Mit Einführung des Wechselmodells wurde faktisch für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Abwesenheitswochen Homeoffice angeordnet. Im Zuge der Lockdown-Verschärfung wurde den Leitungskräften dringend empfohlen, allen, die nicht im Dienstgebäude anwesend sein müssen, Homeoffice zu ermöglichen.

Aufgrund der aktuellen Entwicklung der Pandemie-Lage variiert die Nutzung des Homeoffice im Sozialministerium täglich. In der Regel sind es derzeit zwischen 25 und 50 Prozent der Beschäftigten, aus arbeitsorganisatorischen Gründen meist kombiniert mit Phasen der Anwesenheit im Büro.

Seit dem Jahr 2009 gibt es eine Dienstvereinbarung zur Regelung der Alternativarbeit. Diese sieht die Nutzung des Homeoffice bis zur Hälfte der individuellen wöchentlichen Arbeitszeit vor. Vor dem Hintergrund der Pandemie und der Lockdowns wurde die zeitliche Einschränkung der Nutzung von Homeoffice aufgehoben. Somit ist aktuell Homeoffice im vollen zeitlichen Umfang der wöchentlichen Arbeitszeit in Abstimmung mit den dienstlichen Vorgesetzten und unter Berücksichtigung dienstlicher Belange möglich.

Thüringen

Wirtschaftsministerium von Thüringen von außen
Das Wirtschaftsministerium von Thüringen. Bildrechte: MDR//Dirk Reinhardt

Aufgrund der aktuellen Lage haben alle Mitarbeitenden im Wirtschaftsministerium die Möglichkeit, Homeoffice bis zum 12. Februar mit Ausnahme von zwei Büro-Tagen in Anspruch zu nehmen. Von den insgesamt 226 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben ca. 89 Prozent die Berechtigung und die technischen Möglichkeiten zum mobilen Arbeiten.

Im Thüringer Finanzministerium ist für 56  Bedienstete die Arbeit in Homeoffice bewilligt. Damit haben seit Beginn dieser Woche ca. 25 Prozent der Bediensteten die Möglichkeit, dauerhaft bzw. temporär von zu Hause aus zu arbeiten.  

"Stay at home" im Bundesarbeitsministerium

Im Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) sind grundsätzlich alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Bürotätigkeit mit mobiler Zugangstechnik ausgestattet, um von zu Hause arbeiten zu können. Auch gibt es im BMAS keine Kernzeiten mehr, so dass die Beschäftigten außerhalb der Stoßzeiten den ÖPNV nutzen können, um ins Büro zu kommen. Ausgenommen sind lediglich wenige Tätigkeiten, bei denen die Aufgabenerledigung zwingend eine Präsenz im Bundesministerium erfordert (Pfortenpersonal, Botendienst etc.). Eine zentrale Erfassung, wie viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter täglich im Homeoffice tätig sind, erfolge grundsätzlich nicht.

Gebäude des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales
Gebäude des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales. Bildrechte: dpa

Vor dem Hintergrund des aktuellen Pandemiegeschehens wurden alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter darüber informiert, dass ortsflexibles Arbeiten in der derzeitigen Situation ohne die normalerweise geltenden Grenzen möglich und erwünscht ist. Die Teams und Führungskräfte seien gehalten, wo immer möglich, dem Grundsatz "stay at home" zu folgen.

Bereits vor der Corona-Pandemie hatte das BMAS mit seinem Personalrat einvernehmlich eine Dienstvereinbarung zum zeit- und ortsflexiblen Arbeiten abgeschlossen. Danach war im Grundsatz für alle Beschäftigten jederzeit nach Absprache im Team die zeitflexible Arbeit auch von zu Hause als Telearbeit bis zur einer 50-Prozent-Grenze möglich. Diese auch im Ministerium erfolgreich gelebte Vereinbarung habe größte Flexibilität und eine Balance geschaffen, ohne der dauerhaften Entfremdung zwischen den Teams Vorschub zu leisten, erklärte das Ministerium.

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Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | MDR AKTUELL RADIO | 12. Januar 2021 | 08:30 Uhr

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