Sondierungsgespräche Mitteldeutsche Unternehmer blicken erwartungsvoll nach Berlin

MDR-Wirtschaftsjournalist Ralf Geißler
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In Berlin laufen die Sondierungsgespräche zwischen den potenziellen Regierungsparteien. Nach wie vor ist alles offen. Von einer Regierungsbildung sind wir noch weit entfernt. Doch wie blickt die Wirtschaft auf die Gespräche in Berlin? Haben Unternehmen in Mitteldeutschland eine Wunschkoalition?

Bundeskanzleramt
Noch ist nicht klar, wer ins Kanzleramt einzieht, und mit welcher Koalition er regieren wird. Auch die Wirtschaft hat ihre Erwartungen an die neue Regierung. Bildrechte: dpa

  • Unternehmer Sperlich aus Sachsen-Anhalt benötigt mehr Arbeitskräfte und fordert von einer neuen Regierung bessere Zuwanderungsregelungen – auch die Bürokratie müsse abgebaut werden.
  • Sein Thüringer Kollege Schmitz wünscht sich eine schnelle Regierungsbildung und zeigt sich angesichts einer Regierungsbeteiligung der Grünen unbesorgt.
  • In Sachsen bereitet das starke Wahlergebnis der AfD Unbehagen – vor allem angesichts des Fachkräftemangels.

Müll rumpelt über ein Förderband – für Jürgen Sperlich ist es ein Rohstoff. Der Unternehmer betreibt in Schkopau eine Recycling-Firma. Er gewinnt aus Abfällen Metalle, die er dann verkauft. Sperlich steht am Förderband. Schutt vermengt mit Aluminiumteilen zieht vorbei.

Forderung nach Arbeitskräften und Bürokratieabbau

Von einer neuen Regierung wünscht sich der Unternehmer eines konkret: "Wir brauchen dringend Arbeitskräfte, nicht nur Fachkräfte – Arbeitskräfte. Sie sehen, wo wir hier stehen. Hier ist viel händische Arbeit dabei. Die finden sich einfach nicht mehr. Also: Zuwanderung klären. Die Rahmenbedingungen festlegen, wer bleiben und wer kommen darf. Und vielleicht nicht auf so hoher Schwelle, dass das alles Akademiker sein müssen oder Computer-Spezialisten."

Sperlich ist nicht nur Abfallverwerter sondern auch Präsident des Unternehmerverbandes Sachsen-Anhalt. Er sagt, er sei froh über das gute Abschneiden der FDP bei der Bundestagswahl. In einer Regierung könnten die Liberalen als Korrektiv für die Wirtschaft wirken. Ob dann Olaf Scholz oder Armin Laschet im Kanzleramt sitzt, sei ihm fast egal. Hauptsache, eines werde angegangen: "Wir müssen von der Bürokratie entlastet werden. Wir schreiben Statistiken ohne Ende. Es ist zu viel."

Unternehmer offen für grüne Regierungsbeteiligung

Auch Friedrich Schmitz lässt nicht erkennen, ob er lieber Scholz oder Laschet im Kanzleramt sähe. Schmitz leitet den Unternehmerverband Thüringen und sagt, Hauptsache, die Entscheidung fällt bald: "Wir appellieren an die Politik, bis Weihnachten sollte eine tragfähige Regierung stehen, die dann auch einen Bundeskanzler wählt. Insbesondere auch im Hinblick auf die G7-Präsidentschaft, die Deutschland ab Januar inne hat – für Deutschland als Exportnation sehr, sehr wichtig. Eine Hängepartie wie bei der letzten Wahl, das geht überhaupt nicht."

Fragt man Schmitz, was sich Unternehmer sonst noch wünschen, kommen bekannte Schlagworte: mehr Geld für Bildung, schnelles Internet. Dass demnächst die Grünen mitregieren könnten, ist für Schmitz kein Problem: "Wir haben das Gefühl, die Grünen wollen mit der Wirtschaft in den Dialog kommen."

Negative Auswirkung des AfD-Ergebnisses auf sächsische Wirtschaft befürchtet

Dagegen trifft eine andere Partei bei so manchem Unternehmer auf Vorbehalte. Bei der Fachkräftekonferenz vom Verein "Wirtschaft für ein Weltoffenes Sachsen" in Dresden sagt Vorstand Robert Czajkowski, dass die AfD in Sachsen so stark abgeschnitten habe, mache ihm große Sorgen. "Wir glauben, dass da ein großer Schatten auf Sachsen fällt, Sachsen noch mehr in dieser Hinsicht in den Fokus rückt und vielleicht über Gebühr abgestraft werden wird. Dass Menschen sich fragen, wieso in einem Land wie Sachsen gegen den bundesdeutschen Trend eine Verstärkung dieser Tendenzen stattfindet."

Beim Werben um Fachkräfte helfe das AfD-Ergebnis jedenfalls nicht, meint Czajkowski. Andererseits gibt es auch Unternehmer, die sich zur AfD bekennen – Fachkräftemangel hin oder her. Der AfD-Fraktionschef im Bundestag, Tino Chrupalla, war schließlich selbst mal hauptberuflich Maler-Unternehmer.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 04. Oktober 2021 | 08:06 Uhr

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