Anlagestau Corona-Krise: Deutsche haben Rekordsumme gespart

Viele Menschen in Deutschland haben die Corona-Krise genutzt, um Geld beiseite zu legen. Laut Statistischem Bundesamt haben die Deutschen in den ersten drei Monaten dieses Jahres so viel von ihrem Einkommen gespart wie noch nie – und schon im vergangenen Jahr war die Sparquote auf einem Rekordhoch. Gleichzeitig hat die Inflation zuletzt kräftig angezogen. Allerdings wird die Konsumbereitschaft in nächster Zeit wieder steigen und immer mehr Deutsche investieren auch in Aktien.

Geld sparen während der Corona-Pandmeie
In der kommenden Zeit werden die Deutschen ihre Ersparnisse wahrscheinlich für Dinge ausgeben, die wegen Corona lange nicht möglich waren. Bildrechte: dpa

Eine Acht mit zwölf Nullen. Acht Billionen Euro werden die privaten Haushalte in Deutschland bald auf der hohen Kante haben. Das prognostiziert die DZ Bank, das Spitzeninstitut für alle Volksbanken und Raiffeisenbanken. Die Corona-Krise habe großen Anteil an dieser Entwicklung, sagt DZ Bank-Ökonom Michael Stappel: "In den fünf Quartalen von Anfang 2020 bis Anfang 2021 haben die Deutschen über 150 Milliarden Euro zusätzlich gespart – also mehr als das, was in der Vergangenheit der Fall war. Ein riesengroßer Betrag."

Mit dem gesparten Geld passiere aber wenig, sagt Stappel. Er spricht von einem Anlagestau. Das sei nichts Neues in Deutschland. Es habe sich während der Pandemie aber verschärft. "Die Menschen legen eigentlich das Geld gar nicht richtig an und es bleibt auf dem Girokonto stehen. Inzwischen sind es 28,5 Prozent des gesamten Geldvermögens, das überhaupt nicht angelegt ist, das also einfach auf dem Girokonto stehen bleibt oder in Bargeld gehalten wird", erklärt Stapel.

Geld verliert durch hohe Inflationsrate an Wert

Das ist für Sparer einerseits sehr sinnvoll. So haben sie immer und sofort Zugriff auf ihr Erspartes. Es hat aber auch erhebliche Nachteile. Welche, das erklärt Heike Teubner von der Verbraucherzentrale Sachsen: "Zum einen ist es nicht so günstig auf viel Geld auf dem Konto zu setzen, weil es auf dem Girokonto beispielsweise so gut wie überhaupt keine Zinsen mehr gibt. Zum anderen gibt es teilweise Banken und Sparkassen, die bereits ab 25.000 Euro einen Negativzins verlangen." Die Sparer bekämen also nicht nur keine Zinsen, sondern zahlten gegebenenfalls sogar noch drauf, sagt Teubner.

Dann sorge außerdem die Inflationsrate von derzeit fast vier Prozent dafür, dass das Geld an Wert verliere. Da sollte man gegensteuern, sagt sie. Beispielsweise durch sinnvolle Geldanlagen an der Börse: "Das können Fonds sein, aktiv gemanagte Fonds. Das können auch ETF-Fonds sein, die lediglich einen Index nachbilden. Allerdings muss hier natürlich immer der Risikohorizont des Verbrauchers beachtete werden und auch die Laufzeit von solchen Anlagen, die aber vergleichsweise noch sehr hohe Renditen abwerfen", erklärt Teubner.

Wirtschaftswachstum durch Konsum erwartet

Inzwischen kämen viele Verbraucher in die Beratung, die sich nach Anlagemöglichkeiten erkundigen, sagt Teubner und das ist auch ein genereller Trend. Die Bereitschaft der Deutschen, in Aktien zu investieren, sei merklich gestiegen, sagt DZ Bank-Ökonom Michael Stappel. Genauso wie ihre Konsumbereitschaft. Er rechne damit, dass die Haushalte einen Teil ihrer Ersparnisse für das aufwenden, was vorher durch Corona lange nicht möglich gewesen sei: Urlaube, Restaurantbesuche, Shopping.

Volkswirtschaftlich sei das von großer Bedeutung: "Jetzt im zweiten Halbjahr schiebt der Konsum das Wirtschaftswachstum an. Wir rechnen mit 2,7 Prozent und im nächsten Jahr dann sogar mit 4,8 Prozent Wirtschaftswachstum", erklärt Stappel.

Genauso wie die Deutsche Bundesbank rechnet auch die DZ Bank damit, dass dann die Sparquote der deutschen Privathaushalte wieder abnehmen wird. Laut Stappel wird aber auch dann noch so viel gespart werden, dass das Vermögen der privaten Haushalte Ende des Jahres auf 7,6 und im Laufe des nächsten Jahres dann auf acht Billionen Euro anwachsen wird.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 04. August 2021 | 06:00 Uhr

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