Steuerpflicht Immer mehr hochbetagte Rentner müssen Steuererklärung machen

Auch Rentnerinnen und Rentner müssen Steuererklärungen machen. Bei vielen ist das Alterseinkommen allerdings zu gering, um etwas an den Staat abgeben zu müssen. Doch immer mehr Rentnerinnen und Rentner rutschen in die Steuerpflicht – selbst hochbetagte. Grund dafür ist die Erhöhung der Rente. Deswegen fordert der Sozialverband VdK, dass der steuerliche Grundfreibetrag erhöht wird.

Eine aeltere Frau sitzt am 07.02.2019 in einer Wohnung in Hamburg und macht ihre Steuererklaerung (gestellte Szene).
Immer mehr Rentnerinnen und Rentner müssen sich mit der Steuererklärung rumschlagen. Bildrechte: dpa

Es würden immer mehr Seniorinnen und Senioren, sagt Hans-Jürgen Bunk, Beratungsstellenleiter beim Lohnsteuerhilfeverein in Leipzig. 80-Jährige, 90-Jährige ließen sich von ihm bei der Steuererklärung helfen. Neuerdings berate er sogar eine 100-Jährige, die Steuern zahlt. "Sie ist angeschrieben worden vom Finanzamt vor einigen Jahren, weil sie da reingerutscht ist, und dann ist sie zu mir gekommen. Die Dame ist sehr souverän, die nimmt das gelassen", erzählt Bunk.

Trotzdem: Verstehen kann er das nicht. Für viele Rentnerinnen und Rentner sei eine Steuererklärung eine unüberwindbare Herausforderung, weil ihnen zum Beispiel der Computer fehle. "Man soll doch ab einem bestimmten Alter die Senioren in Ruhe lassen. Man muss doch mit 100 Jahren keine Steuern mehr zahlen", findet Bunk.

Immer mehr Rentner in der Steuerpflicht

6,7 Millionen Rentnerinnen und Rentner in Deutschland zahlten Steuern und müssten daher auch eine Steuererklärung abgeben, teilt das Statistische Bundesamt MDR AKTUELL mit. Die Zahl stammt aus dem Jahr 2017. Sie ist also schon etwas älter, was an der Langwierigkeit von Steuererklärungen liegt, aber sie ist die aktuellste.

Die Statistik zeigt außerdem, dass die Zahl der betroffenen Rentnerinnen und Rentner stark zunimmt. Fünf Jahre zuvor waren es nur 4,9 Millionen. Betroffen sind auch immer mehr Hochbetagte: Mehr als 160.000 Seniorinnen und Senioren über 90 müssen demnach eine Steuererklärung machen. Diese Zahl stieg innerhalb von fünf Jahren um 60 Prozent an.

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Pflegepauschbetrag, Behindertenpauschbetrag, Arztrechnungen - es gibt viele Ausgaben, die Senioren absetzen können. So müssen sie weniger Steuern zahlen.

MDR THÜRINGEN - Das Radio Di 20.04.2021 10:05Uhr 09:53 min

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Mehr Steuerpflichtige durch Rentenerhöhung

Steuern zahlen müssen Rentnerinnen und Rentner dann, wenn sie mit ihrer Rente und anderen Einkommen einen bestimmten Grundfreibetrag überschreiten. Der liegt in diesem Jahr für einen einzelnen Rentner bei 9.744 Euro. Dass immer mehr darüber landen, liege unter anderem an den Rentenerhöhungen, sagt Udo Reus von Finanztip.de: "Allein durch Rentenerhöhungen kann man sagen, dass pro Jahr circa 50.000 Menschen neu in die Steuerpflicht hineinrutschen."

Jedoch, manche Finanzämter kriegten das nicht immer sofort mit und registrierten eine Steuerpflicht erst Jahre später – trieben dann aber trotzdem nachträglich Steuern ein, erklärt Reus. Immer häufiger würden somit Seniorinnen und Senioren mit Nachzahlungen überrascht, die mehrere tausend Euro betragen können.

VdK fordert Anhebung des Grundfreibetrags

Wenn es ärmere Rentnerinnen und Rentner erwischt, die sich keine Hilfe leisten können, wird das zum Problem, findet Samuel Beuttler-Bohn vom Sozialverband VdK: "Es kann nicht sein, dass durch Rentenanpassungen Menschen mit sehr geringen Renten auf einmal Steuern zahlen müssen. Deshalb fordert der VdK, den steuerlichen Grundfreibetrag auf mindestens 12.600 Euro anzuheben."

Ein höherer Grundfreibetrag wäre nach Ansicht des VdK die Lösung, um vor allem ärmeren Rentnerinnen und Rentnern die oftmals mühselige Steuererklärung zu ersparen. Zudem gelte es insgesamt, die Steuererklärung für Rentnerinnen und Rentner stark zu vereinfachen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 20. August 2021 | 06:00 Uhr

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