Selbstständige in der Krise Corona: Unternehmer fordern Lohn in der Pandemie

Kurzarbeit, Hilfen für Soloselbstständige und für Unternehmen – das alles wurde in den vergangenen Monaten immer aufs neue diskutiert, bewilligt und verlängert. Doch jetzt rückt noch ein anderer Aspekt in den Vordergrund: Was ist eigentlich mit den Unternehmerinnen und Unternehmern, die seit einem Jahr kaum arbeiten dürfen? Ihre Angestellten sind in Kurzarbeit, sie selbst zehren meist von Reserven.

Mit Munschutz schneidet eine Frisörin einem Kunden die Haare.
Frisöre, Reisebüros, Restaurants – Kleinunternehmer haben es in Zeiten der Pandemie nicht leicht. Bildrechte: imago images/Jörg Halisch

Günter Kruspe sitzt in seinem Reisebüro Arcadia in der Leipziger Innenstadt. Trotz Lockdown kommt er jeden Tag – schon allein, um sich die Routine zu bewahren. Seit einem Jahr sind seine Angestellten – mit Ausnahme der Auszubildenden – in Kurzarbeit. Mit Staatshilfen überbrücken er und sein Mitinhaber Monat für Monat.

Leben von Rücklagen trotz Staatshilfen

Für sich selbst und sein eigenes Einkommen bekommt er vom Staat aber nichts: "Als Unternehmer muss man für seine Renten- und Krankenversicherung selber vorsorgen. Einen Teil meiner Rentenversicherung habe ich erstmals beitragsfrei stellen müssen, das sind jetzt konkrete Konsequenzen. Krankenversicherung nicht. Man strukturiert, man speckt ab, man prüft, man stellt hintenan."

Kruspe lebt jetzt von Rücklagen. Beschweren will er sich aber nicht. Für ihn gehört die Unabhängigkeit eben auch zum Unternehmertum. Trotzdem weiß er: Anderen Unternehmerinnen und Unternehmern steht das Wasser inzwischen bis zum Hals. Das erzählt auch Dietrich Enk. Er ist Gastronom, hat mehrere Restaurants und ein Catering-Unternehmen in Leipzig. Zugleich ist er der Präsident des Sächsischen Unternehmerverbandes. Nach einem Jahr Pandemie, sagt er, seien die Reserven bei vielen aufgebraucht.

Diskussion um Unternehmerlöhne

Deshalb sei es an der Zeit, jetzt auch über die Unternehmerlöhne zu sprechen: "Für Unternehmer ist das bisher ein ganz schwieriges Feld, darüber zu diskutieren. Weil, wir organisieren die Kurzarbeit für unsere Mitarbeiter, haben aber selbst keine Möglichkeit, unser Einkommen aufzustocken oder abzusichern. Das ist jetzt einfach aktuell, das muss jetzt diskutiert werden."

Das Land Berlin plant, Kleinstunternehmerinnen und -unternehmern ab Mai mit 1.000 Euro monatlich zur Existenzsicherung unter die Arme zu greifen. Einen Schritt in diese Richtung wünscht sich Dietrich Enk auch für Sachsen. Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig war aus Zeitgründen nicht für ein Statement zu haben. Eine ähnliche Absage kam aus Sachsen-Anhalt.

Thüringen sieht Bund in der Pflicht

Das Thüringer Wirtschaftsministerium teilte MDR AKTUELL mit, in Thüringen werde es keinen landesfinanzierten Unternehmerlohn geben. Den fordere man stattdessen vom Bund, der sich bislang querstelle. Der Leipziger Reisebüroinhaber Günter Kruspe will auch ohne Lohnhilfen vom Staat optimistisch bleiben. Dafür wünscht er sich vor allem eins: sein Unternehmen endlich wieder wachküssen zu dürfen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 18. März 2021 | 06:05 Uhr

10 Kommentare

Guendor vor 26 Wochen

"Manche Leute halten den Unternehmer für einen räudigen Wolf, den man totschlagen müsse. Andere sehen in ihm eine Kuh, die man ununterbrochen melken könne. Nur wenige erkennen in ihm das Pferd, das den Karren zieht." W. Churchill

Ich finde das trifft es! Bei manchen Kommentaren kann man die geforderte und hochgejubelte Solidarität in der Bevölkerung förmlich greifen!

Bautzener vor 26 Wochen

ElBuffo: Wäre ich als Selbstständiger auch dafür. Aber dann bitteschön keine Fantasieabgaben wie zum Beispiel bislang bei den Krankenkassen, sondern nach dem Einkommen. Es kann nicht sein, dass die Begründung zum unverschämten Krankenkassenbeitrag eines Selbstständigen lautet: Einem Selbstständigen geht es grundsätzlich gut, er verdient mindestens so und so viel. Spätestens Corona hat diese Begründung widerlegt. Aber man hält daran fest. Und das ist eine menschenverachtende Politik.

hansfriederleistner vor 26 Wochen

Es stimmt. Ein Unternehmer hat dafür zu sorgen, daß er seinen Unterhalt selbst bestreitet und auch Rücklagen für Krisen schafft. Genauso hat aber der Staat die Pflicht für Verhältnisse zu sorgen, die dem Unternehmer das ermöglichen. Der Staat ist nicht nur da um Steuern einzutreiben, sondern sie auch sinnvoll zuerst im eigenen Lande einzusetzen.

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