Flugreisen Ticket-Erstattungen bleiben weiterhin aus

Viele Flüge wurden im Frühjahr und Sommer abgesagt. Den Kunden und Kundinnen wurden Rückzahlungen für bereits gekaufte Tickets versprochen. Doch die meisten davon wurden noch nicht ausgezahlt. Betroffene warten teils seit Monaten auf ihr Geld. Wie stark ist Mitteldeutschland davon betroffen?

Schwarze Abflugtafel am Flughafen Köln/Bonn mit weißen Text: Verschiedene Flugnummern und Flugziele, einige davon als annuliert.
Abgesagte Flüge auf der Abflugtafel. Ein Sinnbild für 2020 - doch stehen die Rückzahlungen für eben diese Flüge immer noch aus. Bildrechte: imago images/Future Image

Gestrichene Flüge sind zum Sinnbild der Flug- und Reisebranche in der Corona-Pandemie geworden. Damit Flugreisende nicht auf den Kosten der Tickets sitzen bleiben, müssen Airlines die Ticketkosten rückerstatten – doch bislang hinken die meisten Fluggesellschaften mit der Auszahlung hinterher.

Bundesverband für Verbraucherschutz übt starke Kritik

Der Bundesverband der Verbraucherzentralen ist empört über die ausbleibenden Rückerstattungen stornierter Flugtickets. Es könne nicht sein, dass Kunden und Kundinnen seit Monaten auf teils mehrere hundert Euro warteten, sagte Verbandschef Klaus Müller am Mittwoch der "Rheinischen Post".

Das Vorgehen der Fluggesellschaften sei skandalös, vor allem wenn sie wegen der Corona-Krise mit Milliardenhilfen der Steuerzahler und Steuerzahlerinnen unterstützt worden seien, so Müller weiter. Ihm zufolge gab es seit Januar mehr als 80.000 Beschwerden über Flug- und Reiseunternehmen.

Mitteldeutsche Verbraucherschützer melden Anstieg von Beschwerden

Auch die Zahlen aus Mitteldeutschland spiegeln die Unzufriedenheit der Kundinnen und Kunden mit den Fluggesellschaften wider. Nach Angaben der Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt wurden seit März 2020 mehr als 4.500 Anfragen zum Thema Reisen gestellt, das Zehnfache von dem, was im gleichen Zeitraum 2019 eingegangen sei.

Die Verbraucherschutzzentrale Thüringen spürt die Auswirkungen der aktuellen Lage ebenfalls: Insgesamt erreichten die Zentrale rund 2.500 Anfragen, Beschwerden und Beratungen zum Thema Flugreisen sowie Reisen allgemein seit Januar 2020. Das seien zwölf Mal so viele Anfragen wie 2019.

"Die Beratungs- und Anfragezahlen zur Thematik Reisen (Airlines und Pauschalreiseanbieter) liegen bei uns in 2020 im mittleren vierstelligen Bereich und sind damit jetzt schon fünf Mal so hoch wie im Jahr 2019", heißt es aus der Verbrauchschutzzentrale Sachsen. Damit verzeichnet Sachsen auf einem hohen Niveau den geringsten Anstieg.

Kritik an der Vorkassen-Regelung bei Buchungen

Außerdem steht das Vorgehen der Flug- und Reiseunternehmen, sich schon bei der Buchung bezahlen zu lassen, in der Kritik. Verbraucherschutzverbandschef Müller fordert in der "Rheinischen Post" gar eine komplette Abschaffung der bisherigen Vorkasse-Regelung.

In Mitteldeutschland teilt man diese Forderung. Simone Meisel von der Verbraucherschutzzentrale Sachsen-Anhalt hat zudem die Beobachtung gemacht, dass die großen Flug- und Reiseunternehmen mittlerweile eingeführt haben, dass Verbraucherinnen und Verbraucher erst 14 Tage vor ihrem Reiseantritt bezahlen müssen. Die Idee sei aber "aus der Not heraus geboren", sagt Meisel, da in Zeiten der Pandemie Leute trotzdem animiert werden sollen zu verreisen.

Der Chef der Verbraucherschutzzentrale Thüringen, Ralph Walther, sieht in der Vorkassen-Regelung ein hohes finanzielles Risiko für die Verbraucherinnen und Verbraucher: "In der Corona-Krise wurde die Vorkasse-Problematik erst so richtig deutlich. Tausende Verbraucher warten seit Monaten bis heute auf die Rückerstattung ihrer Zahlungen für stornierte Flugreisen."

Ein Problem, das auch schon vor der Pandemie des Öfteren zu Problemen geführt habe, sagt Walther. Auch die vielen Insolvenzen der vergangenen Jahre hätten gezeigt, dass "das gesamte System überholt" sei, kritisiert Claudia Neumerkel von der Verbraucherschutzzentrale Sachsen.

Was tun, wenn die Rückzahlung ausbleibt

Da der Herbst und das Jahresende keine Hauptreisezeiten sind und viele Verbraucherinnen und Verbraucher aufgrund der aktuellen Lage vorsichtiger geworden seien, gehen die mitteldeutschen Verbraucherschutzverbände von keinem großen Anstieg bei Stornierungen in den nächsten Monaten aus. Dennoch: Ein Prognose, wie sich die Lage entwickle, könne nicht gegeben werden.

Sollte dennoch die bereits gebuchte Reise abgesagt werden oder man immer noch auch die Rückerstattung von März oder April wartet, dann gibt es verschiedene Wege, seinen Anspruch geltend zu machen. Die großen Fluggesellschaften haben unter anderem Online-Portale eingerichtet, wo alle Unterlagen zur Stornierung hochgeladen werden können.

Dauert das zu lange, empfiehlt Vebraucherschützerin Meisel, dass man die Unterlagen per Einschreiben an die Fluggesellschaft schickt. Darin sollten Verbraucher und Verbraucherinnen die Airline zur Zahlung auffordern und ihr eine Frist von sieben Tagen zur Zahlung setzen, erklärt die thüringische Zentrale. Wichtig dabei: Die Erstattung in Form eines Reisegutscheins ist nur mit Einverständnis des Fluggastes zulässig.

Letzter Instanz: das Mahnverfahren

Sollte die Fluggesellschaft immer noch nicht reagieren oder gar die Forderung ablehnen, können Verbraucher und Verbraucherinnen sich an eine Schlichtungsstelle wenden, die für sie kostenlos agiert. Bleibt die Schlichtung erfolglos, kann als letzte Instanz ein gerichtliches Verfahren angedroht werden.

Aber egal, ob man postalisch oder gerichtlich gegen die ausbleibenden Rückerstattungen vorgehe, beides sei mit viel Aufwand und starken Nerven verbunden, sagt Meisel. Und auch 2021 werden Stornierungen die mitteldeutschen Verbraucherschutzzentralen beschäftigen, denn "immerhin planen viele Verbraucher bereits zum Jahresbeginn ihren Haupturlaub", merkt die thüringische Zentrale an.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 05. November 2020 | 07:00 Uhr

7 Kommentare

Denkender vor 31 Wochen

"Bis man an der Reihe ist", und das nach inzwischen mehr als 6 Monaten?
Fakt ist, dass manche Airline auf Verzögerung spielt, manch einer gibt verzweifelt auf und akzeptiert vielleicht einen Gutschein. Wie viel der wert ist, zeigt ja die immer noch angespannte Situation bezüglich Reisemöglichkeit.

Denkender vor 31 Wochen

Ich habe unterschiedliche Erfahrungen gemacht, hatte bei verschiedenen Airlines Anspruch auf Erstattung.
Nach meinem Antrag auf Erstattung erhielt ich diese, ohne nochmals nachhaken zu müssen, auch wenn es 4 Monate gedauert hatte.
Die andere Airline reagierte gar nicht auf meinen Antrag, auch mein erneuter Versuch per Einschreiben mit Rückschein blieb ohne jegliche Reaktion.
Selbst das Einschalten eines Anwalts mit einer Klage wollte die Airline noch abweisen.
Das Gericht entschied in meinem Sinne, nach fast 6 Monaten erhielt ich den Erstattungsbetrag.
Die erstgenannte Airline wird oft negativ beurteilt, hat hier aber besser reagiert als die zuletzt genannte.

Matrox5 vor 31 Wochen

Seien Sie froh, dass sie bei Lufthansa gebucht haben und warten Sie, bis Sie an der Reihe sind. Mit viel Geduld habe ich mein Geld nach Monaten vollständig zurück bekommen. Bei anderen Fluggesellschaften gibt das nicht. Eine große afrikanische Fluggesellschaft erklärt beispielsweise Ihren Kunden, dass es keinen „refund“ gibt und vertröstet mit einem „credit“ auf zukünftige Buchungen.

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