"Rüstungsschmiede Mitteldeutschland" | Teil II Wie die Junkers-Werke den Luftkrieg möglich machten

In unserer Serie "Rüstungsschmiede Mitteldeutschland“ stellen wir Unternehmen vor, die den Zweiten Weltkrieg erst möglich gemacht haben. Die Junkers Flugzeug- und Motorenwerke in Dessau waren einer der größten Rüstungskonzerne des Deutschen Reiches. Hugo Junkers, der Gründer, wurde aber gleich nach der Machtübernahme 1933 von den Nationalsozialisten aus seiner eigenen Firma verbannt. Sein Nachfolger wollte Mitteldeutschland zu einem zweiten Ruhrgebiet ausbauen.

Junkers und der Zweite Weltkrieg - damit verbinden viele Opfer der deutschen Bombenangriffe die StuKas, die Sturzkampfflugzeuge. Der markante Ton der JU 87, wie das Flugzeug offiziell hieß, sorgte für Angst und Panik.

Erfindung der Sturzkampfflugzeuge

Was danach kam, war meist ein sehr treffsicherer und tödlicher Bombeneinschlag. Möglich wurde das, weil der Pilot im Sturzflug das Ziel anflog, wie es der Dresdner Militärhistoriker Jens Wehner schildert. "Man hatte damals eine sehr schlechte Technologie für den Abwurf aus dem Horizontalflug. Deswegen brauchte man den Sturzflug, um die Bombe präzise ans Ziel lenken zu können. Das Flugzeug zielte quasi mit seiner gesamten Flugachse im Sturzflug, um die Bombe treffen lassen zu können."

Erst kurz vorher wurde das Flugzeug hochgerissen und die Bombe flog allein weiter. Und der heulende Ton? Das war eine extra eingebaute Sirene. Sie sollte bedrohlich wirken. Tatsächlich bedrohlich war aber nach Meinung von Experten die Möglichkeit präzise und tödlich zu zielen.

Junkers Werke setzten Zwangsarbeiter ein

Doch das Prinzip der JU 87 sei schnell veraltet gewesen, erklärte Jens Wehner: "Man stellte irgendwann fest, dass es effektiver ist, wenn die Besatzungen in einer stark gepanzerten Maschine tiefer fliegen und weniger aus dem Sturzflug treffen." So wurde die JU 87 unter Lizenz nur noch von anderen Flugzeugbauern produziert. Von 1937 bis kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges entstanden insgesamt über 5.700 Flugzeuge dieses Typs.

Nachfolger in den Junkers-Werken wurde die JU 88, gebaut im heutigen Brandenburg und in Mitteldeutschland. Lutz Budrass von der Universität Bochum ist der Experte für die Junkers-Werke und kennt die Orte genau: "In Dessau, aber auch in sogenannten Lizenzbetrieben, also bei Arado in Potsdam oder bei der ATG in Leipzig; die Siebel-Werke in Halle sind von Beginn des sogenannten JU-88-Programms 1938 bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges ein festes Produktionsstandbein für die Herstellung der JU 88."

Fast 15.000 JU 88 wurden produziert. Das war das größte Rüstungsprogramm im Deutschen Reich. Allein in Dessau arbeiteten bis zu 40.000 Personen. Dabei wurden auch Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge, unter menschenunwürdigen Bedingungen eingesetzt. Firmengründer Hugo Junkers erlebte all das aber nicht mehr mit. "Hugo Junker, sagen wir mal so: Er begrüßt die Machteroberung der Nationalsozialisten nicht. Aber er ist auch nicht dagegen. Er hätte diese Aufrüstungsspirale sicher mitgemacht, wenn er gedurft hätte. Aber es gibt im Reichluftfahrtministerium eine Reihe von Leuten, die alte Rechnungen mit Junkers zu begleichen haben. Deswegen wird er im Oktober 1933 gezwungen, sein Unternehmen erst in treuhändische Verwaltung des Reiches zu geben und schließlich zu verkaufen."

Junkers Nachfolger will "mitteldeutsches Ruhrgebiet"

Zwei Jahre später verstarb er mit 76 Jahren in Bayern, ohne die Junkers-Werke je wieder gesehen zu haben. Sein Nachfolger war Heinrich Koppenberg. Und der habe ein völlig neues Konzept gehabt, sagt Junkers-Experte Lutz Budrass: "Es ist so die Idee eines mitteldeutschen Ruhrgebietes. Dieser Koppenberg will wirklich den Konzern zum größten in Deutschland machen. Das Volkswagenwerk und Opel, Opel Rüsselsheim allerdings, sind zeitweise Tochtergesellschaften von Junkers."

Doch diese Träume kann Heinrich Koppenberg nicht mehr umsetzen. Der Junkers-Konzern wird nach dem Zweiten Weltkrieg von den Alliierten zerschlagen und die Flugzeugproduktion im besiegten Deutschland vollständig untersagt.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 05. Mai 2020 | 07:35 Uhr

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