Nach fast 250 Jahren in Familienbesitz Sandalenhersteller Birkenstock an Großinvestoren verkauft

Nach fast 250 Jahren im Familienbesitz ist der Sandalenhersteller Birkenstock an französisch-amerikanische Großinvestoren verkauft worden. Das deutsche Unternehmen aus Linz am Rhein hofft auf Wachstum in Asien, will aber weiter in Deutschland produzieren.

Schuhe der Herbst/Winter-Kollektion von Birkenstock
Schuhe der Herbst/Winter-Kollektion von Birkenstock: Die deutsche Kultmarke gehört nun zur Luxusindustrie. Bildrechte: dpa

Der Sandalenhersteller Birkenstock ist verkauft. Wie die Firma aus dem rheinland-pfälzischen Linz am Rhein mitteilte, übernehmen die französisch-amerikanische Beteiligungsgesellschaft L Catterton und der französische Milliardär Bernard Arnault eine Mehrheit an dem vor knapp 250 Jahren gegründeten Familienunternehmen. Über Details sei Stillschweigen vereinbart worden, hieß es.

Angeblicher Wert vier Milliarden Euro

Insidern zufolge wird das für seine Gesundheitssandalen bekannte Traditionsunternehmen mit rund vier Milliarden Euro bewertet. Weder L Catterton noch Birkenstock dementierten diese Summe. Die Brüder Alexander und Christian Birkenstock behalten einen Minderheitsanteil an dem Sandalenhersteller. Der dritte Birkenstock-Bruder war bereits vor einigen Jahren ausgestiegen.

Mehr Wachstum auf asiatischem Markt

Birkenstock-Schuhe
Produktion von Sandalen der Alsa GmbH in Görlitz, einem Tochterunternehmen des Schuhherstellers Birkenstock. Bildrechte: dpa

Die beiden verbliebenen Birkenstock-Erben erklärten, mit dem Schritt solle das globale Wachstum der Marke beschleunigt werden, unter anderem "in Zukunftsmärkten" wie China und Indien. Man verspreche sich von dem neuen Eigentümer vor allem größere Chancen auf dem asiatischen Markt, wo Catterton-Miteigentümer LVMH bereits gute Verbindungen habe.

Birkenstock-Geschäftsführer Oliver Reichert versicherte gegenüber dem "Handelsblatt", die Produktion solle aber in Deutschland bleiben. Eine Verlagerung nach Asien solle es nicht geben.

Seit 1774 in Familienbesitz

Birkenstock war 1774 gegründet worden und befand sich seither dauerhaft und vollständig in Familienbesitz. Die Sandalen der Firma wurden in den vergangenen Jahrzehnten zunächst hauptsächlich im Gesundheitssektor und dann von der Hippie-Bewegung getragen. Inzwischen sind sie zum Lifestyle-Produkt avanciert. Produziert wird fast ausschließlich in Deutschland. 2019 machte das Unternehmen laut "Handelsblatt" rund 720 Millionen Euro Umsatz bei einem Nettogewinn von 130 Millionen Euro.

"Ikonische Marke" der Luxusindustrie

Großinvestor Arnault sagte, Birkenstock habe sich zu "einer der wenigen ikonischen Marken" in der Schuhindustrie entwickelt. Arnault beteiligt sich an Birkenstock über die Familienholding Financière Agache, die den weltweit führenden Luxus-Konzern LVMH (Louis Vuitton, Moet Hennessy) kontrolliert, sowie über die LVMH-Beteiligung an L Catterton.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 26. Februar 2021 | 11:00 Uhr

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