Datenhandel Schwedischer Investor will Schufa übernehmen

Wer einen Kredit etwa für ein Haus oder ein Auto aufnehmen will, oder auch nur eine Wohnung mieten möchte, kommt häufig nicht an der "Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung" (Schufa) vorbei. Sie bewertet die Bonität der möglichen Kreditnehmer oder Interessenten. Jetzt will ein schwedischer Finanzinvestor in die Schufa einsteigen. Das sorgt für viel Kritik.

Geldscheine, Münzen, Kugelschreiber auf Schufa-Bonitätsauskunft
Ein schwedischer Investor möchte Anteile der Schufa erwerben. Bildrechte: imago images / Sven Simon

  • Die Schufa ist eine Aktiengesellschaft mit vielen Anteilseignern aus dem Finanzsektor. Eine französische Bank will ihre Anteile an einen schwedischen Investor verkaufen.
  • Die Kampagnen-Organisation Campact sorgt sich um die Sicherheit der Daten, über die die Schufa verfügt.
  • Andere sehen es als Chance, den Datenschutz zu verbessern.

Obwohl man bei ihrer Bedeutung und all ihrem Einfluss annehmen könnte, es handele sich bei der Schufa um eine Behörde, ist sie tatsächlich ein privates Unternehmen. Genauer: eine Aktiengesellschaft, zu deren Eignern unter anderem die Sparkassen und Genossenschaftsbanken, die Deutsche Bank, die Commerzbank und Handelsunternehmen zählen. Auch die französische Bank Société Générale ist dabei. Letztes Jahr hatte sie angekündigt, ihren Anteil von rund zehn Prozent an die schwedische Investorengruppe EQT verkaufen zu wollen. Und nicht nur das: EQT will die Schufa sogar komplett übernehmen.

Wer ist die Schufa?

Die "Schufa Holding AG" ist eine Aktiengesellschaft mit Sitz in Wiesbaden. "Schufa" ist die Kurzbezeichnung für "Vereinigung der deutschen Schutzgemeinschaften für allgemeine Kreditsicherung". Die Schufa verfügt über Daten von fast allen Deutschen über 18 Jahren.

Über wie viele Daten verfügt die Schufa?

Die Schufa hat nach eigenen Angaben bislang über eine Milliarde Datensätze gesammelt – von 68 Millionen Personen und sechs Millionen Unternehmen.

Um welche Daten handelt es sich?

Die Schufa sammelt personenbezogene Daten wie Namen, Geburtsdatum, aktuelle und frühere Anschriften. Weitere Informationen über z.B. Bankkonten, Kreditkarten, Leasingverträge, Mobilfunkverträge, Online-Shopping-Konten, Ratenzahlungen, Kredite oder Bürgschaften erhält die Schufa von ihren Vertragspartnern. Vermerkt werden auch Zahlungsverzüge, Abmahnungen und Kündigungen.

Was passiert mit den Daten?

Die Daten gibt die Schufa auf Wunsch an ihre mehr als 10.000 Vertragspartner weiter. Dazu gehören Banken, Mobilfunkanbieter, Immobilienfirmen oder auch Versicherungen. Nach Angaben der Schufa haben Unternehmen so bislang rund 180 Millionen Auskünfte erhalten. Zudem errechnet die Schufa aus den Daten jeder Person einen sogenannten "Score", der angibt, wie kreditwürdig man ist.

Wie kann ich die über mich gesammelten Daten einsehen?

Über das Online-Portal meineschufa.de können Sie die Einsicht in Ihre Daten beantragen. Kostenlos bekommen Sie allerdings nur eine Übersicht der über Sie gespeicherten Daten. Für Details oder beispielsweise auch, um zu erfahren, wer wann Ihre Daten abgefragt hat, verlangt die Schufa Geld.

Unsere Daten als Geschäftsmodell

Die Kampagnen-Organisation Campact schlägt deswegen Alarm und hat einen Appell an die Eigentümer der Schufa ins Leben gerufen. Campaignerin Antonia Becher erklärt: "Die aktuellen Eigentümer der Schufa können sich dazu entscheiden, ihr Vorkaufsrecht zu nutzen. Das heißt, wenn sie die freiwerdenden Anteile der Schufa kaufen, platzt der Deal mit dem schwedischen Investor." Und daran sind die Sparkassen und Genossenschaftsbanken auch interessiert. Sie wollen ihren gemeinsamen Anteil an der Schufa auf über 50 Prozent aufstocken. Eine Entscheidung steht aber noch aus. Mit dem Appell will Campact den Druck auf die Geldinstitute erhöhen, sagt Campaignerin Becher.

Sie und ihre Mitstreiter sorgen sich um die Sicherheit der Daten, über die die Schufa verfügt. Solche Befürchtungen will EQT zerstreuen und erklärt, Verbraucher- und Datenschutz-Interessen würden künftig konsequent verfolgt. Das sei aber nur die öffentliche Position der Investorengruppe, sagt Becher: "Es gibt gleichzeitig interne Papiere, die kürzlich Medien zugespielt wurden. Und die machen klar, dass es da hauptsächlich um höhere Rendite geht. EQT bleibt einfach ein Finanzinvestor, der mit diesen hochsensiblen Daten von 70 Millionen Deutschen neue datengetriebene Geschäftsmodelle machen und damit eben richtig dick Profit erwirtschaften will."

Neue Investor könnte Datenschutz verbessern

Profit erwirtschaftet die Schufa bislang auch schon. Und auch jetzt schon sieht sich die Schufa Vorwürfen vieler Kritiker ausgesetzt, sie sei eine Datenkrake, verbraucherunfreundlich und wenig transparent. Einer dieser Kritiker ist der Datenschutzexperte Thilo Weichert. Einen möglichen Einstieg der Schweden sieht er sogar als Chance: "Ich gehe davon aus, dass EQT einigermaßen glaubwürdig ist – als jemand, der sich profiliert, im sozialen und nachhaltigen Bereich besonders aktiv zu sein. Insofern glaube ich schon, dass hier mit EQT möglicherweise sogar eine Verbesserung beim Datenschutz erreicht werden kann." Im Falle eines Einstiegs bleibe die Schufa jedenfalls unabhängig und die rechtlichen Rahmenbedingungen blieben die gleichen, sagt Weichert. Wer Anteilseigner sei, sei aus datenschutzrechtlicher Sicht also unerheblich.

Auch der digitalpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Jens Zimmermann, kann dem möglichen Einstieg des Investors etwas Positives abgewinnen: Er glaube, es sei nicht ausgeschlossen, dass ein neuer Investor bei einem altehrwürdigen Unternehmen auch Innovation bringen könne. "Und ich glaube, man kann dieses Geschäftsmodell so betreiben, dass unsere Daten da sicher sind." Zimmermann gibt aber zu bedenken, dass EQT möglicherweise keine langfristigen Ziele verfolgt und seine Anteile später an den Meistbietenden verkaufen könnte. Wer auch immer das sei.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 07. Februar 2022 | 07:54 Uhr

8 Kommentare

Janes vor 33 Wochen

@MikeS.: Was macht denn die Schufa mit den Daten?! Woher bekommen die ihr Geld? Da werden Verträge geschlossen, mit Banken, Händlern und Dienstleistern, die für die Auskunft über die Daten der"Kunden" der Schufa, bzw deren Analyse, erhalten. Das ist weitläufiger Handel mit den Daten, oder nicht? Ich sehe auch in den Datenbestand ein. Wussten Sie eigentlich, dass es den Score gibt, den sie als einfach Bürger angezeigt bekommen und dann den, den nur Banken sehen können? Der kann auffällig von ihrem abweichen.

Und hier gehts nicht um das Einwohnermeldeamt, sondern die Schufa! Gegen die Gebaren des Einwohnermeldeamt kann man immerhin noch vorgehen.

MikeS vor 33 Wochen

Die SCHUFA handelt mit Daten? Eine sehr gewagte Behauptung die Sie sicher auch beweisen können ...dann schauen Sie mal jeden Tag in Ihren Breifkasten nach Werbepost, dann wissen Sie, wer Daten handelt. Ich hatte mit der SCHUFA noch keine Probleme und man kann den eigenen Datenbestand auch einsehen. Wussten Sie das?

Janes vor 33 Wochen

Für mich gehört die Schufa abgeschafft! Ein privates Unternehmen, was Daten sammeln darf und man kann praktisch nichts dagegen machen. Und mit diesen Daten wird dann munter handel getrieben....und auch davon hat man nichts.
Was würde wohl passieren, wenn ich ein privbates Unternehmen gründe und anfangen würde, die persönlichen Daten der Mitarbeiter zu sammeln?!

Wieso hat eigentlich, wenn es sowas geben muss, nicht eine Behörde (vlt die Steuerbehörde) ein Bonitätsranking der Leute? Das wäre doch viel seriöser und im Zweifel könnte man dageben vorgehen. Deutschland sollte die Schufa kaufen....oder am besten gleich Zwangsenteignen.

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