Gebraucht statt neu Second-Hand-Klamotten boomen

MDR-Wirtschaftsjournalist Ralf Geißler
Bildrechte: Ralf Geißler

Wer neue Kleidung braucht, kauft sich in der Regel auch etwas Frabrikneues. Doch immer mehr vor allem junge Menschen kaufen auch Second-Hand-Klamotten. Kein anderes Segment in der Textilbranche wächst derzeit so stark wie der Handel mit gebrauchter Kleidung. Zalando mischt in diesem Bereich inzwischen genauso mit wie der kleine Laden um die Ecke.

Kisten mit gebrauchter Kleidung warten in einem Secondhand-Laden in New York darauf, preislich bewertet und sortiert zu werden.
Der Handel mit gebrauchten Klamotten boomt. Bildrechte: imago images/Levine-Roberts

Celina und Isabell Maaß halten die Achtziger-Jahre lebendig. Die Geschwister haben in Leipzig einen Second-Hand-Laden eröffnet. Bei "SisterAct Vintage" gibt es, was Mutti oder Vati vor dreißig Jahren aussortiert haben: lila Blousonjacken, bunte Ohrenwärmer und die Jeans wie früher – kein Stretch-Material, reine Baumwolle, betont Celina Maaß. "Von so einer Hose hat man deutlich länger was, als wenn man sich heute eine kauft."

Zwei Frauen gucken in die Kamera und lächeln.
Celina und Isabell Maaß Bildrechte: MDR/Ralf Geißler

Viele Leute stellen Second Hand mit billig gleich. Aber das ist schon lange nicht mehr so. Vintage-Kleidung wird immer weniger und die Nachfrage immer mehr.

Isabell Maaß

Second Hand wächst schneller als restlicher Modemarkt

Tatsächlich haben die Schwestern einen Nerv getroffen. Der Markt insbesondere für ausgefallene Gebrauchtkleidung wächst viel stärker als der restliche Modehandel. Es gibt immer mehr auf Second Hand spezialisierte Internet-Shops wie "Kleiderkreisel" oder "Ubup". Nach Zahlen des amerikanischen Händlers "Thredup" wurden vergangenes Jahr weltweit sieben Milliarden US-Dollar mit gebrauchter Kleidung umgesetzt.

Inzwischen kauft auch Deutschlands größter Online-Modehändler "Zalando" benutzte Klamotten an und verkauft sie wieder, sagt der dafür zuständige Manager Torben Hansen. "Wir akzeptieren neuwertige Mode von über 3.000 Marken. [...] Aus dem, was die Kunden bei uns eintauschen, entsteht dann ein kuratiertes und qualitätsgeprüftes Sortiment." Für Zalando hat der Klamotten-Ankauf einen praktischen Nebeneffekt. In den zumeist vollgestopften Kleiderschränken der Kunden entsteht wieder Platz für Neues. Wer dem Online-Händler etwas verkauft, erhält dafür Gutscheine – für Zalando.

Eine Generationen-Frage

Es sind vor allem junge Kunden, die Gebrauchtes kaufen, sagt Jochen Strähle, Professor für Fashion Management. "Die älteren Generationen haben noch so eine Trennung zwischen: Neu heißt fabrikneu und alt heißt gebraucht. Für die Jüngeren ist das nicht mehr so klar getrennt: Neu ist etwas, das für mich neu ist – ob das schon mal getragen wurde, ist nicht so ausschlaggebend."

Viele Gebraucht-Kunden, sagt Strähle, wöllten auch etwas für die Umwelt tun, Kleidungsstücken ein zweites Leben geben. Es sei ein bewusster Gegentrend zu "Fast Fashion" – der Mode, die man billig für zwei, drei Mal Anziehen kauft. Wer freitags für den Klimaschutz streikt, shoppt im Second-Hand-Laden mit besserem Gewissen.

Wie viel Potenzial der Markt noch hat, lässt sich laut Strähle schwer beziffern. "Der Markt ist sehr dynamisch. Es gibt kontinuierlich neue Geschäftsmodelle."

Ware wird knapper

Die eigentliche Herausforderung für die Händler ist es, an hochwertige Waren zu kommen. Die Schwestern Celina und Isabell Maaß arbeiten mit einem Großhändler zusammen, durchkämmen aber auch selbst das Internet nach besonderen Stücken. Weil die Kinder der Achtziger vieles längst weggeworfen haben, kann eine gut erhaltene Jacke auch mal 100 Euro kosten. Dafür sieht man darin dann aus wie Disco-Queen C.C. Catch.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 05. Oktober 2020 | 05:11 Uhr

8 Kommentare

Steffen1978 vor 43 Wochen

Super Idee oder Plagiat, denn in Baden-Baden gibt es mehrere luxuriöse Second Hand Fashion neben stylischen Möbelstücken und Wohnaccessoires bieten werden dort auch einzigartig Accessoires gehandelt.

Gerd Mueller vor 43 Wochen

Laien- oder Fachwissen? Bei manchen hängen überall Fäden und die Nähte lösen sich durch Waschmaschine auf wären andere kräftigeres Zwirn und edlere Stoffe verwenden. Doppelnähte und Qualität sowie Modische Schnitte während billiges chemisch belastet ist und "angespuckten" Knöpfe abfallen.

Saxe vor 43 Wochen

Auch die teuren Klamotten werden zum großen Teil in Asien gefertigt. Teilweise in denselben Fabriken, wie die Billigklamotten. Unterschied: Markenklamotten verkaufen sich über das Label. Das benötigt Werbung. Werbung ist teuer. Deshalb sind Markenklamotten teuer.
Billigklamotten verkaufen sich nur über den Preis. Deswegen sind diese billig.

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