Trend in der Tourismusbranche Immer mehr Reisebüros verlangen Gebühren für Beratungen

Immer mehr Reisebüros lassen sich ihre Beratung bezahlen und führen sogenannte Service-Entgelte ein. Zuletzt kündigte das der Konzern TUI an, der in Deutschland rund 400 eigene Reisebüros betreibt. Wer dort eine Reise bucht, zahlt in Zukunft ein paar Euro drauf. Ist das die Zukunft in der Branche? Müssen Kundinnen und Kunden in Reisebüros in Deutschland generell mit Gebühren rechnen?

Zwei Frauen unterhalten sich im Reisebüro.
Einige Reisebüros erheben bereits Service-Entgelte – weitere werden Experten zufolge nachziehen. Bildrechte: IMAGO

Angebote vergleichen, Visa-Formulare ausfüllen, Reisewarnungen nachschlagen, Wellnessangebote im Hotel buchen, online für den Flieger einchecken – all das haben viele Reisebüros bislang nebenbei erledigt und es sich nicht bezahlen lassen. Nun deutet sich immer mehr an: Die Branche denkt um. TUI wird ab Mitte Mai für all diese Leistungen Service-Entgelte verlangen. Je nach Reisepreis und Leistungsumfang zwischen 15 und 39 Euro. Andere Konzerne wie DER Touristik oder viele kleinere Reisebüros erheben schon lange Entgelte.

Der Tourismus-Experte und Journalist Matthias Gürtler von der Branchenzeitung "Tourismus aktuell" sieht darin einen Trend, der sich bald in deutschen Reisebüros durchsetzen könnte. "In der Schweiz gibt es kein Reisebüro mehr, das ohne dieses Service-Entgelt arbeitet." Die Verdienstmöglichkeiten im Tourismus seien extrem gering und insofern seien viele Reisebüros gezwungen zu schauen, wie sie sich rentabel hielten. "Und ich denke, es wird insgesamt einen Trend geben."

Reisebüros rechnen nicht mit Verlust von Kundschaft

Service-Entgelte belasten Kundinnen und Kunden zusätzlich. Und dennoch erwarten Experten wie Matthias Gürtler nicht, dass sich die Verbraucher nun in Scharen von den Reisebüros abwenden und online buchen. Das sieht auch Thomas Bösl so. Er ist Chef der Raiffeisen-Tours-Kooperation, dem größten Reisebüro-Bündnis in Deutschland mit 3.500 Mitgliedern, die für einige Zusatzleistungen bereits seit Jahren Entgelte verlangen. "Ich glaube, wichtig ist, dass es transparent und nachvollziehbar für den Kunden ist."

Damit mache man auch in der Raiffeisen-Tours-Gruppe seit drei Jahren positive Erfahrungen und das werde auch von den Kunden honoriert. "Wichtig ist festzustellen, dass grundsätzlich die Reisepreise im Online-Bereich oder in Reisebüros identisch sind." Man müsse aber klar unterscheiden, dass das Reisebüro Zusatzleistungen bringe und dafür sei es legitim, das Entgelt zu berechnen.

Verbraucher sollten bei Service-Entgelten wachsam sein

Der Deutsche Reiseverband DRV teilt mit: Ob Gebühren erhoben werden oder nicht, das sei am Ende eine individuelle Entscheidung jedes einzelnen Reisebüros. Zu kritisieren sei das grundsätzlich nicht, meint Claudia Neumerkel von der Verbraucherzentrale Sachsen: "Vorausgesetzt, die Preise sind deutlich ausgewiesen und den Verbrauchern zur Kenntnis gegeben worden. Das heißt, der Anbieter darf die Preise nicht in irgendwelchen Sternchen-Hinweisen im Text verstecken und auch nicht in den AGB."

Auch die Verbraucherzentrale rechnet damit, dass bald noch mehr Reisebüros nachziehen und ebenfalls Entgelte erheben werden. Dennoch sollten Kundinnen und Kunden wachsam sein, meint Claudia Neumerkel. Denn nicht für jede Tätigkeit dürfen Reisebüros Entgelte erheben. Gerichte haben den Verbrauchern in der Vergangenheit viele Rechte eingeräumt. So müsse zum Beispiel eine gewisse Grundberatung immer kostenfrei bleiben. Und unter anderem auch für das Stornieren einer Reise dürften Reisebüros keine Service-Entgelte verlangen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 28. April 2021 | 06:20 Uhr

3 Kommentare

ElBuffo vor 38 Wochen

Das ist doch Käse, dass die das bisher umsonst gemacht hätten. Die haben doch ihre Mitarbeiter nicht von nichts bezahlt. Das war dann eben bisher im Gesamtpreis enthalten und wenn es eine Mischkalkulation war. Nur hat der Kunde den Anteil nicht ausgewiesen bekommen. Jetzt steht der eben vorher transparent auf dem Preisschild und jeder kann sich dafür oder dagegen entscheiden.

ElBuffo vor 38 Wochen

Das ist doch Käse, dass die das bisher umsonst gemacht hätten. Die haben doch ihre Mitarbeiter nicht von nichts bezahlt. Das war dann eben bisher im Gesamtpreis enthalten und wenn es eine Mischkalkulation war. Nur hat der Kunde den Anteil nicht ausgewiesen bekommen. Jetzt steht der eben vorher transparent auf dem Preisschild und jeder kann sich dafür oder dagegen entscheiden.

Critica vor 38 Wochen

Die Entscheidung ist nur richtig. Wer Geld für Reisen hat, dem wird wohl noch ein Betrag für eine gute Beratung übrig sein.

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