Tausende neue Jobs Ostdeutsche Solar-Branche kommt zurück

Einst war die deutsche Solarindustrie Weltspitze, das Solar Valley in Sachsen-Anhalt führend in der Photovoltaik-Branche. Dann brach alles zusammen – die Produktion wanderte nach China aus. Nun aber wird es für Branche hier wieder heller. In Thalheim, aber auch in Sachsen und Thüringen wird investiert, in neue Fabriken und Arbeitsplätze. Doch ist das diesmal wirklich nachhaltig?

Jochen Fritsche - Leiter der Fertigung bei der Solarfirma Meyer Burger in Thalheim
Jochen Fritsche, Fertigungsleiter bei Meyer Burger in Thalheim Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Maschinen laufen wieder, im Solar Valley in Thalheim, Sachsen-Anhalt. "Hier bekommen die Solarzellen, die Wafer, wie wir sie benennen ihre typische blaue Farbe", sagt Jochen Fritsche, Leiter der Fertigung in den neuen Produktionshallen der Solarfirma Meyer Burger. Und diese Wafer sollen auch der Grund sein, warum die Solarindustrie wieder ein Heimspiel werden soll. Von einer neuen Generation der Solar-Technologie spricht Fritsche:

Diese Maschinen gibt’s nur hier. Diese Maschinen sind ein maßgeblicher Baustein dafür, dass man hocheffiziente Module zu sehr wettbewerbsfähigen Bedingungen herstellen kann.

Jochen Fritsche Meyer Burger in Thalheim

Und das sei erst der Anfang. Aktuell werden 200.000 Siliziumscheiben pro Tag zu Solarzellen verarbeitet. Nächstes Jahr sollen es drei Mal so viel sein. Die Maschinen dazu werden gerade in der noch luftigen Werkhalle eingebaut. Weitere Fabriken sollen in den kommenden Jahren hier entstehen, nicht nur in Thalheim.

Neuigkeiten aus Freiberg

Mitarbeiter der Solarfirma Meyer Burger in Thalheim in der neuen Produktionshalle
Mitarbeiter bei Meyer Burger Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Auch in Freiberg in Sachsen ist kürzlich der Betrieb in einer neuen Fabrik angelaufen. Insgesamt 3.000 Arbeitsplätze sollen in den nächsten Jahren entstehen – und bleiben.

Aus Fehlern habe das Unternehmen gelernt, sagt Moritz Borgmann, einer der Geschäftsführer von Meyer Burger. In der Vergangenheit haben die deutschen Maschinenbauer nach seinen Worten "quasi an jeden die Maschinen und auch die Technologie verkauft", auch Meyer Burger:

Wir haben auch sehr viel Technologie nach China verkauft. Und dieses Geschäftsmodell haben wir beendet. Wir stellen zwar noch Maschinen her, aber nur noch für unseren eigenen Gebrauch.

Moritz Borgmann Geschäftsführer bei Meyer Burger

Die Technologie wird also geschützt. Doch reicht das aus, damit die Solarindustrie sich hält? Jens Schneider ist Professor für vernetzte Energiesysteme an der HTWK in Leipzig. Früher selbst in der Solarbranche wechselte er zurück in die Wissenschaft, als die Solarindustrie in die Krise geriet. Er glaubt an ein Comeback.

Aufbruchstimmung in ganz Mitteldeutschland

Werde die Energiewende ernstgenommen, meint Schneider, sei ganz klar, "dass wir mehr Photovoltaik und Solarenergie brauchen, in Deutschland und in Europa". Da mache es Sinn, "dass wir hier auch wieder die Solarmodule und Solarzellen herstellen", auch wegen der steigenden Kosten etwa beim Transport.

Es sind so große Mengen an Solarmodulen, die wir benötigen in Europa, da macht es auf jeden Fall Sinn, die auch hier herzustellen.

Jens Schneider HTWK Leipzig

Nicht nur im Solar Valley bei Thalheim, in ganz Mitteldeutschland herrscht Aufbruchsstimmung. Die Dresdner Firma Solarwatt hat kürzlich drei neue Fabriken in Betrieb genommen. 100 Millionen Euro will Firmenchef Detlef Neuhaus bis 2023 in die Firma investieren. Im thüringischen Langenwetzendorf hat der Chemnitzer Solarproduzent Heckert Solar seine neue Produktion kürzlich gestartet.

Blaue Platte: Ein sogenannter Wafer - Solarzelle von Meyer Burger in Thalheim
"Die Zukunft der Energiewende": Wafer aus Thalheim in Sachsen-Anhalt Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Und auch Start-Ups zieht es in das Solar Valley nach Bitterfeld-Wolfen wie zum Beispiel NexWafe, eine Firma die Ausgangsmaterialien herstellt.

In der neuen Produktionshalle von Meyer Burger in Thalheim zeigt Leiter Fritsche eine fertige Solarzelle und sagt dazu: "Wir halten die Zukunft der Energiewende in den Händen."

Sie aus der eigenen Region heraus gestalten zu können, daran glauben die Unternehmen in Mitteldeutschland.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 25. Oktober 2021 | 08:11 Uhr

10 Kommentare

wolle010 vor 5 Wochen

Hallo Eulenspiegel, Antwort ist eindeutig nein. Nur es gab und gibt auch kein Gesetz oder Pflicht alles an China zu verhoeckern und sich dadurch von denen total abhaengig zu machen. Trotzdem hat man es gemacht und nichts draus gelernt.

Eulenspiegel vor 5 Wochen

Hallo Uborner
Wo ist da bei ihnen der Denkfehler?
Genau die Planwirtschaft gibt es seit 30 Jahren in Deutschland nicht mehr. Darum können sie Gott und die Welt dafür verantwortlich machen. Aber bei der Frau Merkel wird das schwierig.
Und Moritz Borgmann sagt ja selber: Aus Fehlern habe das Unternehmen gelernt.

Uborner vor 5 Wochen

Sicher hat die gierige Industrie einen gehörigen Anteil am Scheitern der Solarindustrie in Deutschland. Ein nicht minder großes Versagen muss man aber auch der Regierung Merkel anlasten, die durch konsequentes Nichtstun den Export gefördert und den Aufbau einer Zukunftstechnologie im eigenen Land durch Vernachlässigung auf Grund fehlender Visionen und Tätigkeitslust behindert wenn nicht sabotiert hat.
Auffällig ist dabei das die Solarindustrie vor allem in Ostdeutschland stationiert war auch wenn die Eigentümer teils im alten Westen saßen. Das erinnert an die Nachwendezeit als mit großem Fleiß und Hilfe der Treuhand in den neuen Bundesländern möglichst viel an bestehenden Strukturen und Fähigkeiten zerstört wurde. Die Tatsache dass sich diese Branche langsam im Osten freischwimmt freut mich und gibt Hoffnung.

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