Richtig sparen Finanz-Experte Tenhagen übers Sparen: "Tagesgeldkonto ist das moderne Sparschwein"

Negativzinsen, Prämiensparen, Festgeldkonto: Wer Geld sparen möchte, ist mit vielen Begriffen konfrontiert. Dazu kommt: Das Sparschwein hat offenbar ausgedient. Im Interview gibt der Finanzexperte Hermann-Josef Tenhagen Tipps, wie Verbraucherinnen und Verbraucher sparen können.

Geldscheine werden gezählt
Wie sparen wir am effektivsten? Der Finanzexperte Hermann-Josef Tenhagen gibt Tipps. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

MDR SACHSEN-ANHALT: Herr Tenhagen, hat das Sparschwein ausgedient?

Hermann-Josef Tenhagen: Nein, das Sparschwein ist wichtig! Ein modernes Sparschwein ist ja das Tagesgeldkonto. Und da gehören zwei bis drei Monatseinkommen drauf, damit man nie wieder einen Dispo braucht und die zehn Prozent Zinsen bei der Bank nicht zahlen muss. Für diese zwei oder drei Monatseinkommen ist das das Sichere.

Was kann man machen, wenn Banken jetzt Negativzinsen fordern – also sozusagen ein Verwahrgeld für das, was ich bei ihnen auf mein Konto lege?

Es gibt ja Menschen, die sowieso ein Schließfach haben bei der Bank, für Schmuck oder Verträge. Da kann ich auch das Bargeld kostenlos mitparken. Und dann spare ich mir diese Verwahrentgelte an der Stelle. Wer mehr als die 10.000 Euro übrig hat, sollte auch über Anlagen nachdenken.

Zum Beispiel: Ich weiß ganz genau, in zwei Jahren soll eine neue Küche her. Und die wird 15.000 Euro kosten. Dann lege ich diese 15.000 Euro auf dem Festgeldkonto an für zwei Jahre und dann kriege ich bei den richtigen Banken aktuell ein Prozent Zinsen dafür. Und dann habe ich vielleicht noch Geld, von dem ich jetzt nicht weiß, ob ich es die nächsten Jahre überhaupt irgendwie brauche. Und da gibt es eigentlich nur zwei Varianten:

  • Die eine Variante ist ein Aktienindexfonds. Der ist aber nicht für 15 Tage, 15 Wochen oder 15 Monate geeignet. Sie müssen auch nicht jeden Abend vor der Tagesschau reingucken und sich fragen: 'Was hat sich denn am Markt wieder schon getan?', sondern, das ist eine Anlage, die Sie sehr langfristig angehen. Auf dem Depot müssen Sie zehn oder 15 Jahre nicht hinschauen.
  • Gleichzeitig können Sie aber jederzeit wieder dran ans Geld. Sie haben ein Extra-Konto dafür, das heißt Depot. Das gibt es bei zahlreichen Banken kostenlos. Lassen Sie sich nicht ein Depot aufschwätzen, das viel Geld kostet. Das machen manche Banken auch gerne. Das Zentrale bei einer solchen Anlage bleibt aber; zehn bis 15 Jahre sollten Sie Zeit haben, denn an der Börse geht es nun mal rauf und runter.

Der Experte: Hermann-Josef Tenhagen

Hermann-Josef Tenhagen ist Chefredakteur des gemeinnützigen Geld-Ratgebers "Finanztip". Zuvor arbeitete er als Chefredakteur der Zeitschrift "Finanztest". Im MDR-Fernsehen beantwortet er regelmäßig Fragen zu Versicherung, Rente oder Sparen.

Hermann-Josef Tenhagen von Finanztip
Hermann-Josef Tenhagen von Finanztip Bildrechte: Finanztip

Gibt es weitere sinnvolle Geldanlagen?

Eine weitere wichtige Investition ist die Modernisierung für Ihr "Kleinhäuschen". Das ist auch etwas, wo Sie Ihr Geld vernünftig anlegen können. Und Sie bekommen jede Menge Förderung: Wenn Sie die Ölheizung rausschmeißen und eine Wärmepumpe einbauen und ein Solardach dazu, gibt's 45 Prozent Förderung; und zwar inklusive der Abrissarbeiten. Das sollte man tun. Und wenn Sie bislang nicht viel für die Altersvorsorge gemacht haben und nicht das eigene Haus haben und noch lange Zeit haben, dann können Sie auch Ihren Aktienindexfonds irgendwann für die Altersvorsorge nutzen, zusätzlich zur gesetzlichen Rente.

Zwei Jungs blicken auf ein pinkes Sparschwein, welches mit einem 5-Euro-Schein gefüttert wird 5 min
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Sollte man auch direkt Geld in Aktien anlegen?

Das Risiko von Einzelaktien ist viel höher. Da muss man wissen, dass es jetzt keine sichere Geldanlage ist, das ist Spekulation. Das machen Leute auch. Bei jungen Leuten gibt es eine interessante Kombination. Da packen manche 100 Euro im Monat in einen ETF- (Aktienindexfonds)-Sparplan – also ganz konservativ –, der jahrelang läuft. Und wenn dann am Ende des Monats, sagen wir, 23 Euro übrig sind, nehmen sie die und kaufen damit irgendeine Einzelaktie, von der sie glauben, dass die morgen durch die Decke gehen wird. Wenn das klappt, ist alles gut. Wenn nicht, dann ist dieses Geld eben weg. Andere Leute geben das gleiche Geld fürs Lotto aus.

Wenn die Alternative ist, Einzelaktien kaufen oder Lotto spielen, ist es deutlich seriöser, Einzelaktien zu kaufen – ebenso bei der Alternative Einzelaktie oder Sportwette/Trabrennbahn. Aber wenn die Alternative ist, Einzelaktien zu kaufen oder Geldanlegen langfristig in ETF, dann ist Einzelaktien kaufen nicht die Lösung.

In Ostdeutschland ist die Zahl der Anleger deutlich geringer als im Westen. Woran liegt das? Ist die Berührungsangst berechtigt?

Das ist eigentlich keine berechtigte Angst. Aber es hat natürlich etwas mit der Frage zu tun, ist das Konto schon so weit gefüllt, dass ich nie wieder einen Dispo brauche. Ich sollte ja nur an der Börse anlegen, wenn ich tatsächlich Geld habe, das ich zehn, fünfzehn Jahre entbehren kann. Zu dieser Analyse muss ich erst mal kommen. Auch im Osten haben viele Leute in den 90er-Jahren durchaus gescheite Dinge gemacht, indem sie diese Prämiensparpläne gemacht haben bei den ostdeutschen Sparkassen. Das war damals eine gescheite Idee.

Da gab es bisschen Zinsen und die Prämie drauf. Das war völlig richtig. Was sich viele aber nicht vorstellen konnten, war, dass die Sparkassen ihre Kunden bei der Zinsberechnung übervorteilen. Sodass der Bundesgerichtshof im Jahr 2004 den Sparkassen erstmals gesagt hat: So könnt Ihr das nicht machen. Und dass wir jetzt im Frühjahr 2021 sind und die haben das immer noch nicht geregelt! Da fühlen sich Leute von ihrer Bank sozusagen hinter die Fichte geführt. Wenn die gleiche Bank dann kommt und sagt, kauft doch mal Aktienfonds, weil das gescheit ist für Dich, dann haben die Kunden kein Vertrauen mehr.

#MDRklärt So sparen Sie Energie und Geld über Herbst und Winter

Die Energiepreise werden diesen Winter wesentlich teurer, so wird es vom Vergleichsportal Verivox prognostiziert. #MDRklärt zeigt, wie Energie im Haus deutlich eingespart werden kann.

So sparen Sie Energie und Geld über Herbst und Winter
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Die Tipps und Beispielrechnungen sind von der WWF und beziehen sich auf einen durchschnittlichen Vierpersonenhaushalt. Den Angaben liegt der Durchschnittspreis von 0,27 Euro pro Kilowattstunde zugrunde.
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Achte beim Kauf von Kühlschränken, Wasch­maschinen und anderen Elektrogeräten auf die Effizienzklassen A bis G.  Gespart: bis zu 74 Euro pro Jahr bei Austausch eines Kühlschranks der Klasse B durch ein Gerät der Klasse A+++
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Kochen mit Deckel und auf passender Herdplattengröße.  Rund 46 Euro sparen, wenn bei fünf Kochvorgängen pro Woche der Topfdeckel benutzt und auf passender Herdplattengröße gekocht wird.
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Wasserkocher statt Herdplatte für Tee oder Pasta. Geht schneller und verbraucht weniger Energie. Rund 40 € pro Jahr sparen, wenn jeden Tag ein Liter Wasser mit dem Wasserkocher gekocht wird, statt auf dem Herd.
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Statt die Fenster stundenlang zu kippen, sollte alle zwei bis drei Stunden stoßgelüftet werden. auszutauschen. Bis zu 180 Euro pro Jahr sparen, wenn bei kalten Außentemperaturen alle zwei bis drei Stunden stoßgelüftet wird, statt das Fenster zu kippen.
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Rund 135 Euro pro Jahr sparen, wenn die Temperatur in den Wohnräumen um ein Grad gesenkt wird.
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Ergebnis insgesamt: rund 575 Euro pro Jahr
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Dieses Thema im Programm
FAKT ist! am 11. Oktober 2021 | 22:10 Uhr
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Also sagen Sie: Generell Vorsicht bei der Beratung? Gerade bei den Sparkassen haben viele ja noch Vertrauen.

Nein, man kann nicht einfach so trauen. Beratung ist okay und berechtigt. Und man soll sich durchaus auch beraten lassen. Aber man muss immer verstehen: Die Leute bei Sparkassen und Banken leben nicht davon, dass sie beraten. Wir zahlen ihnen ja nicht 150 Euro dafür, dass sie uns beraten. Das machen Sie aber, wenn Sie zum Steuerberater gehen oder zum Rechtsanwalt.

Die Leute bei Sparkassen und Banken leben nicht davon, dass sie beraten.

Hermann-Josef Tenhagen Finanztip

Bei der Bank muss das Einkommen woanders herkommen. Die haben das Geld verdient, indem sie zum Beispiel Provisionen beim Verkauf von Versicherungen oder Wertpapieren eingestrichen haben. Das ist auch nicht per sé unfair, aber das müssen sie den Leuten, ihren Kunden, erklären: So verdienen wir unsere Brötchen. Und sie sollten natürlich mit diesen Dingen sehr transparent umgehen. Und wenn einem der Bundesgerichtshof sagt, Ihr habt das nicht korrekt gemacht, dann muss man den Kunden sagen, wir müssen uns hier korrigieren. 

Sie müssen sich das mal vorstellen, wenn das irgendeine andere Branche täte. Seit 2004 regelmäßig vom höchsten deutschen Gericht, dem BGH, für den Umgang mit den eigenen Sparern abgewatscht zu werden. Und dann macht man unbeeindruckt weiter.

Wo kann man sich denn unabhängig beraten lassen?

Natürlich in unserem kostenlosen Finanztip-Online-Newsletter oder im Netz auf der Seite von Finanztip. Man kann sich bei der Verbraucherzentrale beraten lassen, die geben natürlich keine Produkt-Empfehlungen ab im Aktienbereich, aber die können sagen, das ist die richtige oder die falsche Strategie. Wenn es ein bisschen mehr Geld ist, ergibt womöglich auch eine Honorar-Beraterbank Sinn. Die leben rein von der Beratung, mit ordentlichen Stundensätzen, nicht von Provisionen.

Im Grunde brauchen Sie das aber nicht, wenn Sie sagen: Ich habe mein Girokonto, das ist preiswert oder kostenfrei. Ich habe dieses Tagesgeldkonto, das ist kostenfrei, da bekomme ich 0,1 Prozent Zinsen. Das habe ich auch nur, damit ich nie wieder einen Dispo brauche. Dann habe ich vielleicht ein Festgeldkonto, um für ein Auto oder eine Küche zu sparen. Und ich habe zwei oder drei Indexfonds. Und da stecke ich über die nächsten zehn,15 Jahre Geld rein. Das bekommt man auch allein hin, wenn man ein bisschen lesen mag.

Die Fragen stellte Uta Kroemer.

MDR/Uta Kroemer, Luca Deutschländer

Dieses Thema im Programm: FAKT IST! aus Magdeburg | 25. Oktober 2021 | 22:05 Uhr

7 Kommentare

Klarheit vor 5 Wochen

100 000 ....

natürlich sind von der Bundesregierung hofierte DAX Unternehmen eine bessere Möglichkeit --- Wirecard ....
oder eine aktienfinanzierte Altersvorsorge wie evtl. jetzt von SPD/Grün/FDP ins Spiel gebracht .... sehr spekulativ ...

...da Bitcoin die Zukunft ist wird er natürlich gefürchtet , vor allen vom Bankensektor und bekämpft (China) von allen die den Bürgern eine finanzielle Freiheit aberkennen !

Quercus vor 5 Wochen

Herr Tenhagens Tipps sind berechtigt und objektiv. Vielleicht noch ein paar Ergänzungen aus Sicht eines langjährig erfolgreichen Aktionärs/Anlegers: Koppeln Sie Ihre Anlagen weitestgehend an die Weltwirtschaft an, das geht z. B. über einen ETF MSCI World (23 Industrieländer) und als Beimischung mit einem ETF Emerging Markets (Schwellenländer) oder einen ETF All world Country (alle Staaten mit Börsen).
Wenn Sie etwas mehr übrig haben sind Einzelaktien als kleinere Beimischung nicht schädlich. Die Konzentration sollte hierbei auf Bluechips (grössere Unternehmen) mit möglichst weniger konjukturanfälligen, zeitlosen Geschäftsmodell liegen. Streuen Sie, desto mehr verschiedene Aktien desto besser (Steuern international beachten). Stellen Sie sich nicht gegen den Markt, die Marktkräfte an sich sorgen für eine langfristige Aufwärtsbewegung. Rational statt emotional handeln. Der Erfolg stellt sich mit der Zeit bzw. den Jahren ein. Auch kleinere Beträge bringen dann kräftigen Zuwachs.

Peter vor 5 Wochen

Bitcoin? Ein Hoch auf hochspekulative Geldanlagen. Aber bitte nicht jammern, wenn die Spekulation in die Hose geht. Im April stand der bei über 50.000 Euro, im Juli dann bei der Hälfte, heute wieder bei über 50.000 Euro. Im Januar?

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