Grundstückspreise Spekulation mit Bauland nimmt zu

MDR-Wirtschaftsjournalist Ralf Geißler
Bildrechte: Ralf Geißler

Wohnen wird vielerorts immer teurer. Dagegen hilft: Bauen, bauen, bauen. Wenn mehr Wohnungen auf dem Markt sind, dann steigen die Mieten weniger schnell. Doch was ist, wenn auf Baugrundstücken gar nicht gebaut wird? Wenn man mit dem Liegenlassen der Brache mehr Geld verdienen kann als mit einem Bauprojekt? Bodenspekulation ist ein wachsendes Problem, auch in Mitteldeutschland, weil die Grundstückspreise immer weiter steigen.

Demonstranten mit Schild Recht auf Wohnen auf der Demonstration von Mieterorganisationen und politischen Initiativen gegen hohe steigende Mieten
Auch in Berlin mit seinen rasant steigenden Mieten und Grundstückspreisen demonstrieren immer wieder Menschen gegen Bodenspekulation. Bildrechte: imago images/IPON

Bert Näther musste raus. Vor zwei Jahren erhielt er die Kündigung für sein traditionsreiches Farbengeschäft. Es stand am Rand einer großen Brache hinter dem Leipziger Hauptbahnhof. Die CG-Gruppe hatte sie von der Deutschen Bahn gekauft und Näthers Geschäft war weiteren Plänen im Weg. Er sagt: "Also im Laufe der Verhandlungen mit CG ist uns mitgeteilt worden, dass ganz zeitnah der Beginn der Arbeiten, der Erschließungen des neuen Standortes stattfinden soll. Und das letztendlich jede Verzögerung das ganze Projekt gefährden könnte beziehungsweise verzögern würde."

Näther erstritt eine Abfindung und ging. Auch, weil er die Pläne prinzipiell gut fand. Ein ganzes Viertel sollte entstehen: innenstadtnah, mehr als 2.000 Wohnungen, ein Schulcampus, Geschäfte. Genau das, was die wachsende Stadt braucht. Doch gebaut wurde bislang nichts.

Verkauft, verkauft und wieder verkauft

Stattdessen verkaufte die CG-Gruppe die Fläche an die nächste Firma und diese verkaufte dann wieder an die nächste, bedauert Leipzigs Baubürgermeister Thomas Dienberg: "Wir haben, seitdem die Fläche von der Bahn verkauft worden ist, drei Verkäufe gehabt. Wir haben mittlerweile eine Verzehnfachung des ursprünglichen Verkaufspreises, ohne dass irgendetwas passiert ist." Für die Stadt ist das ein Problem. Sie braucht das neue Stadtquartier, günstigen Wohnraum. Doch wie soll der entstehen, wenn der Bodenpreis mit jedem Verkauf steigt?

Dass Baugrundstücke von Hand zu Hand gehen, ohne dass gebaut wird, passiere leider häufiger, sagt Anke Matejka, Geschäftsführerin des Deutschen Mieterbundes in Sachsen: "Tatsache ist, dass die Bodenspekulation mit dem Abnehmen von baureifen Grundstücken immer mehr zunimmt. Und gerade in Städten wie Dresden oder Leipzig werden inzwischen Preise für baureife Grundstücke aufgerufen, die weit über dem eigentlichen Verkehrswert liegen und bei einem Wiederverkauf auch immer wieder teurer verkauft werden."

Kommunen können gegen Spekulationen vorgehen

Nun hat im konkreten Beispiel die CG-Gruppe als Erstkäufer guten Willen gezeigt. Die Firma hat die Fläche geplant, Genehmigungen eingeholt, Bürger wurden beteiligt. Doch der finale Schritt, das Bauen, erschien dann offenbar weniger lukrativ als das Verkaufen der Brache für geschätzt 160 Millionen Euro. Der Kaufpreis hatte bei geschätzt 20 Millionen Euro gelegen.

Die Kommunen seien in solchen Fällen aber nicht machtlos, sagt Andre Adami, Immobilienexperte beim Institut Bulwiengesa. Gerade, wenn es um so große Flächen gehe. Er sagt: "Da gilt es natürlich, harte städtebauliche Verträge zu schließen, die also auch für potenzielle Rechtsnachfolger gelten, wo also diese Wertentwicklung des Grundstückes bei einem eventuellen Verkauf abgeschöpft werden kann."

Mieterbund sieht Handlungsbedarf

Die Stadt Leipzig hat solche Klauseln inzwischen beschlossen. Anke Matejka vom Mieterbund sieht aber weiteren Handlungsbedarf in allen Großstädten. Diese dürften ihr eigenes Bauland nicht länger verkaufen, sollten sogar Grundstücke erwerben, um künftig Sozialwohnungen oder Schulen bauen zu können.

Bert Näther steht nun manchmal mit Bedauern an der Brache, vor der früher sein Laden war: "Mit Bedauern nicht deshalb, weil wir weg mussten, sondern weil wir gedacht hatten, dass die Stadt dadurch gewinnt, dass etwas Neues entsteht." Doch das lässt auf sich warten. Die Brache ist eine teure Brache geworden. Baukräne drehen sich noch immer nicht.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 06. September 2021 | 06:00 Uhr

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