Kontogebühren Strafzinsen auf Firmenkonten treffen mittelständische Unternehmen

Immer mehr Banken verlangen Geld für die Aufbewahrung des Geldes ihrer Kundinnen und Kunden – sogenannte Strafzinsen. Das betrifft inzwischen auch Firmenkonten. Vor allem kleine und mittelständische Unternehmen stellt das vor Herausforderungen.

Stempel mit Aufschrift NEGATIVZINSEN
Durch Negativzinsen wird das Sparen für Privatkunden teurer – aber auch Unternehmen stehen vor neuen Schwierigkeiten. Bildrechte: imago images/Michael Weber

Weit über 500 deutsche Banken und Sparkassen verlangen mittlerweile sogenannte Strafzinsen – häufig sind es 0,5 Prozent im Jahr. Für ein mittelständiges Unternehmen, das zum Beispiel etwa 400.000 Euro auf dem Konto hat, bedeutet das 2.000 Euro Strafzinsen.

Die Banken machten Druck, sagt Kristina Borrmann vom Bundesverband mittelständische Wirtschaft, die als Unternehmensberaterin vor allem Unternehmen in Ostdeutschland berät. "Erfahrungsgemäß ist da in den letzten Monaten eine gewisse Dynamik entstanden und alle Banken haben die Daumenschrauben angezogen. Es sind auch kleine und mittelständische Unternehmen betroffen. Die Großen genauso. Aber den Kleinen und Mittelständischen tut es natürlich finanziell mehr weh", sagt Borrmann.

Banken verwahren immer mehr Geld

Stefan Marotzke vom Deutschen Sparkassen- und Giroverband verteidigt das Vorgehen der Banken: "Wenn das in diesem Jahr und in der Tat auch im vergangenen Jahr häufiger vorkommt beziehungsweise auch einige Institute die Grenzen nochmal nach unten setzen, dann hängt das wahrscheinlich damit zusammen, dass eben ganz besonders viel Liquidität bei den Banken landet." Laut Marotzke kostet auch die Verwahrung von Geld einiges und in einer Welt in der es keine Zinsen mehr gibt, aber immer mehr Einlagen bei den Banken landen, könnten diese Kosten auf Dauer nicht kompensiert werden.

Dass Banken Strafzinsen verlangen, ärgert die Unternehmen, so Kristina Borrmann vom Bundesverband mittelständischer Wirtschaft: "Klar sagt der ein oder andere: Die Bank arbeitet mit meinem Geld und dafür muss ich auch noch Zinsen bezahlen." Rational als Kaufleute jedoch würden sie die Lage der Banken verstehen. Die Banken müssen nämlich selbst Verwahrentgelt an die Europäische Zentralbank bezahlen, wenn sie dort Geld einlagern und das holen sie sich bei den Bankkunden wieder rein.

Negativzinsen bei Unternehmen kaum vermeidbar

Während Privatkunden Strafzinsen umgehen können, indem sie zum Beispiel zu einer Bank wechseln, die mit 100.000 Euro einen großzügigeren Freibetrag hat, reiche dieser Betrag für Unternehmen kaum aus, sagt Kristina Borrmann. Denn Unternehmen hätten ganz andere Zahlungsströme, die sie steuern müssen als Privatpersonen: "Nehmen wir mal an, ein Unternehmen muss am 23. des Monats 85.000 Euro an Lohn und Gehaltskosten überweisen und ungefähr zeitgleich in Höhe von 200.000 Euro Lieferanten bezahlen – dann muss dieser Betrag auf dem Konto verfügbar sein. Dann fällt es natürlich ungleich schwerer, die Zahlungsströme so zu steuern, dass keine Negativzinsen anfallen, aber der Betrag, der verfügbar sein muss, wirklich parat steht."

Eine Möglichkeit für Unternehmen unter dem festgesetzten Freibetrag zu bleiben, sei es, so Borrmann, mehrere Bankverbindungen zu haben und das Guthaben zu verteilen. Das sei allerdings mit hohem Aufwand und gegebenenfalls mit zusätzlichen Bankgebühren verbunden. Alternativ könnte es eine Lösung sein, einfach individuell mit den Banken über die Konditionen zu verhandeln – auch das sei möglich.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 27. Oktober 2021 | 08:18 Uhr

23 Kommentare

Oxofrymbel vor 5 Wochen

Es trifft nicht nur Mittelstand, sondern alle fleissigen Deutschen, die sich etwas auf die hohe Kante geschafft haben. Das können Menschen, die immer nur vom Staat, von Alimentation leben natürlich nicht begreifen. Der fleissige Deutsche muss faktisch enteignet werden, damit die Südländer weiter ihre Schuldenpolitik betreiben können. Sieh aktuell Griechenland. Einnahmen ca. 170 Milliarden - Ausgaben 400 Milliarden. Wer kommt dafür wohl auf ?

ElBuffo vor 5 Wochen

Komischerweise war diese "Währung" zu keinem Zeitpunkt konvertibel. Da muss also nochwas anders gewesen sein. Die Wertlosigkeit der Aluchips war nicht der Grund des Untergangs der DDR, sondern ein sehr zeitiges Symptom, dass das so nichts werden konnte.

ElBuffo vor 5 Wochen

Das ändert nichts daran, dass dieses Geld irgendwo auf Konten rumliegt und die deutsche Rentenversicherung schon zig Millionen Euro Strafzinsen dafür gezahlt hat.

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