Migration Studie unterstreicht Bedeutung von Zuwanderern für die Wirtschaft

Der deutsche Arbeitsmarkt kommt nicht ohne Zuwanderer aus. Detlef Scheele, der Chef der Bundesarbeitsagentur, sagt mit Blick auf den hiesigen Fachkräftebedarf und den demografischen Wandel, dass pro Jahr 400.000 Menschen ins Land kommen müssten. Wenig überraschend kommt eine Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung also zu dem Ergebnis: Ohne Migranten geht nichts mehr. In welchen Branchen arbeiten Menschen, die keinen deutschen Pass haben? Und wie sieht das bei uns in Mitteldeutschland aus?

Ein Schweißer arbeitet an einem Stahlsegment für einen Windradturm.
In vielen Branchen machen ausländische Fachkräfte einen hohen Anteil aus. Eine Studie zeigt nun: Ohne sie geht es auch nicht mehr. Bildrechte: dpa

Es gehe nicht bloß darum, dass ausländische Arbeitskräfte wichtig sind für die Betriebe und die heimische Wirtschaft, sagt Herbert Brücker. Brücker ist Direktor des Berliner Instituts für empirische Integrations- und Migrationsforschung an der Humboldt-Universität. Es gehe darum, die Beschäftigtenzahlen stabil zu halten. Denn ansonsten könnten wir in Deutschland unsere Sozialversicherungssysteme, vor allem die Renten- und Krankenversicherung, nicht mehr finanzieren. Schon allein deshalb gehe nichts mehr ohne Migranten.

Aber auch in bestimmten Branchen seien sie inzwischen unverzichtbar, so Brücker: "Sowas wie Gastronomie, natürlich das Gesundheitswesen aber auch der Transportsektor, Logistik, die ganzen Lieferdienste sind auf Migrantinnen und Migranten angewiesen und das, was wir in der Statistik wirtschaftsnahe Dienstleistungen nennen. Das reicht von Security über Reinigungskräfte bis zu sehr, sehr anspruchsvollen Tätigkeiten in den Büros, in der Verwaltung."

Berufskraftfahrer und Gastronomieservicekräfte

In einigen Fachkraftberufen haben Menschen ohne deutschen Pass in den vergangenen Jahren kräftig an Bedeutung gewonnen. Das zeigt eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft für die Friedrich-Ebert-Stiftung. Zwei Berufe stächen deutlich heraus, so Mitautorin Sarah Pierenkemper: "Absolut gesehen ist der Beruf des Berufskraftfahrers der Beruf, in dem köpfemäßig die meisten Personen mit nichtdeutscher Staatsangehörigkeit beschäftigt sind." Nämlich knapp 134.000. Damit habe jeder vierte Beschäftige in der Branche keinen deutschen Pass, so Pierenkemper.

Tobias Heidland - Institut für Weltwirtschaft 5 min
Bildrechte: ifw-kiel / Michael Stefan / MDR

Auf Platz zwei folge Fachkraft im Gastronomieservice mit 91.000 Beschäftigten: "Auch hier sehen wir, dass dieser Beruf sehr beliebt bei Migranten ist. Ein Drittel aller beschäftigten Fachkräfte im Gastronomieservice verfügen über eine nichtdeutsche Staatsbürgerschaft."

In Mitteldeutschland keine Abhängigkeit von Zuwanderern

Laut der Studie sind das auch in Mitteldeutschland die beliebtesten Fachkräfteberufe unter Ausländern und Ausländerinnen – wenn auch nicht ganz so deutlich. Stark vertreten sind nichtdeutsche Arbeitskräfte demnach besonders in der Fleischverarbeitung in den Schlachthöfen in Sachsen-Anhalt. Hier hat knapp jeder dritte Beschäftigte keinen deutschen Pass. Ansonsten übersteigt in Mitteldeutschland kein weiterer Fachkraftberuf einen Ausländeranteil von zehn Prozent.

Einen Gesamtüberblick liefert der Sprecher der sächsischen Arbeitsagentur, Frank Vollgold. Aktuelle Zahlen für Mitteldeutschland zeigten, dass die ausländischen Staatsbürger vor allem im verarbeitenden Gewerbe, in der Zeitarbeit und auch im Gesundheits- und Sozialwesen arbeiten. "Darüber hinaus haben wir noch knapp 10.000 ausländische Staatsbürger in Sachsen beispielsweise, die im Baubereich arbeiten. Und auch der Logistikbereich, das Thema Kurierfahrer, auch das hat in den vergangenen zwölf Monaten noch mal richtig an Fahrt aufgenommen. Da konnten viele einen Arbeitsvertrag unterschreiben."

Den einen Beruf oder die eine Branche, von der man sagen könne, dass tatsächlich nichts mehr geht ohne ausländische Arbeitskräfte, den gebe es in Mitteldeutschland aber nicht, sagt Vollgold. Dafür sei der Ausländeranteil in der Region schlicht zu gering.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 14. Januar 2022 | 06:00 Uhr

27 Kommentare

MDR-Team vor 1 Wochen

Lieber Jochen, ihr Kommentar ist hier nicht sehr zielführend und fördert aus unserer Sicht nur Vorurteile. Menschen, die aus anderen Ländern aus nach Deutschland kommen, haben es aus verschiedenen Gründen schwer, hier beruflich Fuß zu fassen. (Ein Beispiel zum Beispiel hier: https://www.deutschlandfunkkultur.de/migranten-als-pflegekraefte-viele-huerden-fuer-gefluechtete-100.html) Wichtig ist es, die die wirklich eine Ausbildung machen wollen, so gut wie möglich zu unterstützen. (Weiterführende Infos finden Sie auch bei Welt.de in dem Onlinebeitrag: "Warum junge Migranten so schwer einen Ausbildungsplatz finden"). Und wir würden uns freuen, wenn Sie bei Kommentaren auch immer eine Quelle für die Zahlen beifügen. Danke und liebe Grüße aus der MDR.de-Redaktion

jochen1 vor 1 Wochen

Es gab im Stuttgarter Raum eine 4 jährige Schulung von Asylanten für den Beruf eines Altenpflegers.
Kosten ca. 1,3 Millionen Euro

Die Erfolgsquote bei der Abschlussprüfung - Nur 20 % haben bestanden
Wie immer typisch deutsches Wunschdenken

Max0815FrauSauerStrolch1 vor 1 Wochen

Thommi Tulpe

Danke für ihre Antwort zu den Thema, Hamburger verpacken und 26jägriger Hartz IV Empfänger.
Zu ihrem völlig neuem Thema mein Bezug dazu:
Es steht jedem Staat frei, eine Altersversorgung durch ein Rentensystem aufzubauen. Die Altersvorsorge durch viele Kinder zu sehen, halte ich persönlich für den falschen Weg und mit Blick auf steigende Bevölkerungszahlen sogar für gefährlich.

Mehr aus Wirtschaft

MDR um 11 2 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Mehr aus Deutschland