Erhöhung der Tabaksteuer Was eine Nichtraucher-Gesellschaft für den Staat bedeuten würde

MDR-Volontär Julian Theilen
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Rauchen wird in diesem Jahr noch teurer: Zum 1. Januar 2022 steigt die Tabaksteuer, dann kostet jede Packung Zigaretten zehn Cent mehr. 2023 kommen nochmal zehn Cent dazu, 2025 sogar 15 Cent. Ein Ziel ist sicherlich, mehr Menschen zum Aufhören zu bewegen. Andererseits ist die Tabaksteuer eine große Einnahmequelle für den Fiskus. Vergangenes Jahr kamen knapp 15 Milliarden Euro zusammen. Hat der Staat also überhaupt ein Interesse daran, dass alle mit dem Rauchen aufhören?

Tabak in Geldschein eingerollt
Raucher müssen in den kommenden Jahren immer tiefer in die Tasche greifen, denn die Tabaksteuer wird nach und nach erhöht. Bildrechte: imago images/Steinach

Ein Gedankenexperiment: Mal angenommen, morgen hören alle 15 Millionen regelmäßigen Raucher in Deutschland auf zu qualmen. Ist Deutschland dann aufgeschmissen? Die Frage geht an den FDP-Tabaksteuerexperten Till Mannsmann: "Die Staatsfinanzierung darf hier nicht so einen Vorrang haben, dass wir langfristig versuchen, Steuereinnahmen zu erzielen. Damit müssten wir ja Raucher erhalten. Das wollen wir nicht. Wenn wir könnten, dass alle Raucher auf gesündere Produkte umsteigen, dann würden wir das machen, auch wenn das fiskalisch gravierende Folgen hätte."

Tabaksteuer ist zweitgrößte Verbrauchsteuer in Deutschland

Der Umgang mit der Tabaksteuer ist also ein Spagat, der auch mal auf einer Seite weh tun kann. Mannsmanns FDP stellt jetzt selbst den Finanzminister, wird also im kommenden Jahr durch die Tabaksteuer knapp 15 Milliarden Euro einnehmen. Das sei schon ein Batzen, sagt Steuerexperte Stefan Bach vom Deutschen Wirtschaftsinstitut (DIW) Berlin: "Das ist die zweitgrößte Verbrauchsteuer nach der Energiesteuer. Das sind immerhin bezogen auf das Sozialprodukt 0,4 Prozent. Das heißt, wenn wir diese Einnahmen nicht hätten, dann wäre das Defizit entsprechend höher und 0,4 Prozent sind ja direkt schon relevant für die schwarze Null und für die Schuldenbremse."

In den vergangenen fünf Jahren hat die Tabaksteuer immer zwischen 14 und 15 Milliarden Euro eingebracht. Der Absatz von Zigaretten hat leicht abgenommen, dafür hat der Absatz von Shisha-Tabak 2020 stark zugenommen. Im langfristigen Trend aber, also auf die vergangenen Jahrzehnte betrachtet, habe die Tabaksteuer an Bedeutung verloren, sagt Bach vom DIW.

Also in Relation, weil die gesamten Steuereinnahmen gewachsen seien, auch das Bruttoinlandsprodukt, aber die Einnahmen aus der Tabaksteuer weitgehend gleich geblieben seien. "Wenn die Einnahmen dann relativ stark zurückgehen, dann ist das auch ein fiskalisches Problem. Dann muss man gegebenenfalls schauen, dass man auf andere sogenannte Sündensteuern übergeht. Also die Sucht ist ja da und die Gesundheitsgefahren auch. Zum Beispiel Zuckerkonsum wird häufig diskutiert, also so eine Zuckersteuer oder Limonadensteuer haben viele Länder."

Kompensierung durch mögliche Cannabis-Steuer denkbar

Eine andere Option wäre eine Cannabis-Steuer, denn die Ampel-Regierung will ja nun Cannabis legalisieren. Und das wird wohl 1,8 Milliarden Euro Steuereinnahmen bringen, hat die Universität Düsseldorf berechnet. So könnte es der Staat nach und nach kompensieren, wenn immer mehr Menschen das Rauchen sein lassen. Das ist auch das offizielle Ziel: Menschen zum Aufhören bewegen oder dazu, gar nicht erst anzufangen.

Doch klappt das tatsächlich über einen höheren Preis? Ja, sagt der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte. Gerade bei den Jüngeren zeige das Wirkung. Bei den Alkopops habe man gesehen, dass eine Steuererhöhung Teenager vom Konsum dieser Produkte abhalten könne, heißt es vom Verbandpräsidenten Thomas Fischbach.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 01. Januar 2022 | 11:08 Uhr

47 Kommentare

Dave M. vor 2 Wochen

#Hansi63,
auch das ist noch sehr blauäugig gerechnet. Die Fakten:
am Ende der Besteuerung kommen 0,32€ auf jeden Milliliter verdampfte Flüssigkeit. Bei einem Liter Base macht das 320€ (0,32*1000) alleine an Tabaksteuer. Dazu kommt dann noch der Verkaufspreis von, sagen wir mal optimistisch, 10€. Sind schon 330€. Darauf kommen dann noch die 19% an Steuern die der Verbraucher eh schon zahlt, dann wären wir schon bei 392,70€. Außerdem werden die Produktionskosten steigen. 3x dürfen Sie raten auf wen die Hersteller das umlegen würden. Sie können also getrost von 400€ ausgehen. Für einen Liter nikotin- und aromafreie Base. Das selbe Produkt was Sie weiterhin in der Drogerie, der Apotheke, im Tierbedarf und, ironischer Weise, im Shisha-Laden für um die 10€ bekommen. Welches Sie von dort aber nicht nutzen dürfen weil Sie sich dann der Steuerhinterziehung strafbar machen, so sagt es der Zoll. Wer nicht vom Nikotin los kommt muss reich sein oder macht sich ggf. strafbar. Oder raucht weiter.

Dave M. vor 2 Wochen

"Wenn wir könnten, dass alle Raucher auf gesündere Produkte umsteigen, dann würden wir das machen, auch wenn das fiskalisch gravierende Folgen hätte." Heuchlerisch. Die E-Zigarette ist erwiesener Maßen mind. 95% weniger schädlich. Dennoch erhöhen sich die Preise dank der Steuern ab Juli 22 extrem. 1L Base, nikotin- und aromafrei und elementar fürs dampfen wird am Ende der Steuereinführung statt der bisher üblichen 10€ min. 350€ kosten. 10ml Aroma kosten dann 10€ statt bisher 5€, Nikotinshots (so man sie denn braucht) kosten dann satt bisher 1€ knapp 5€. Bei meinem Verbrauch wären das runtergerechnet etwa 250€ im Monat (alleine brauche ich keinen ganzen Liter Base). Rauchen kostet mich derzeit etwa 25€ die Woche, wenn ich drehe, bzw. etwa 30€ wenn ich stopfe. Also maximal 120€ im Monat. Finanziell jedenfalls die klügere Entscheidung. Für meine gesundheitlichen Probleme aufgrund der Tabaksucht von welcher ich nicht los komme kommt ja der Staat auf. So macht man Gesundheitspolitik. #läuft

Dave M. vor 2 Wochen

Sehr geehrtes MDR-Team: es zeugt nicht grade von journalistischer Qualität als Argumentation den eigenen fehlerhaften Artikel anzubringen. Bereits beim kurzen überfliegen sind mir gravierende Fehler aufgefallen. Beispielsweise ist es längst erwiesen, dass die besagten Patienten in den USA gepanschtes Schwarzmarktliquid konsumiert haben in welchem Substanzen enthalten waren welche die Lunge nachhaltig schädigen und welche sich in den Liquids auf dem europäischen Markt ebenso wenig befinden wie in den Liquids des regulären amerikanischen Marktes. Acetaldehyd und Formaldehyd entstehen vornehmlich dann in nennenswerter Konsistenz wenn man eine E-Zigarette nicht sachgemäß nutzt, also bei zu hohen Temperaturen oder trocken dampft. Sachgerecht geführte Studien die den Nutzen von E-Zigaretten belegen sind bald vierstellig während seriöse Studien die das Gegenteil belegen vergebens zu suchen sind. PH-England hat es gezeigt: min. 95% weniger Krebsrisiko, min 99% weniger Gesundheitsschäden.

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