Tankrabatt verpufft Bundeskartellamt kann die Preise an Tankstellen nicht senken

Der Tankrabatt ist bisher eine Fehlzündung. Die Preise an den Zapfsäulen sind nicht so stark gesunken wie erhofft. Die Mineralöl-Branche erklärt, es liege an weiter gestiegenen Einkaufspreisen für Kraftstoffe. Es wird jedoch auch vermutet, dass es ihr an Wettbewerb fehle. Das Bundeskartellamt kann an der aktuellen Lage trotzdem kaum etwas ändern.

Abzocke bei den Spritpreisen, Spritpreisanzeige
Etwa 30 Cent hätte der Liter Normalbenzin ohne Mineralölsteuer billiger werden können. Doch die Steuer ist nur ein Teil des Preisproblems. Bildrechte: IMAGO/IlluPics

Das Bundeswirtschaftsministerium hat eingeräumt, dass das Bundeskartellamt an den trotz Tankrabatt weiter hohen Kraftstoff-Preisen wenig ändern kann. In einem Drei-Fragen-Beitrag für MDR AKTUELL sagte der parlamentarische Staatssekretär des Ministeriums, Michael Kellner (Grüne), der Behörde fehlten die nötigen Befugnisse: "Deswegen wollen wir das Kartellrecht stärken und auch das Bundeskartellamt."

Zu der von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) kürzlich angekündigten Reform des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen sagte Kellner: "Wir versuchen da Versäumnisse aus der Vergangenheit zu reparieren." Es habe schon früher Versuche gegeben, die aber gescheitert seien. Dass dies an der aktuellen Situation an den Tankstellen wenig ändern könne, sei jetzt kein Grund, das weiter aufzuschieben.

Oligopol könnte Wettbewerb behindern

Das Problem im Mineralöl-Bereich ist Kellner zufolge, "dass wir nur sehr wenige Anbieter haben", ein Oligopol, wie Ökonomen es nennen. "Die müssen gar nicht in einem finsteren Raum sitzen und sich absprechen, aber der Wettbewerb funktioniert eben nicht gut. Und ein Wettbewerb der nicht gut funktioniert, führt eben zu höheren Preisen. Wir wollen mehr Wettbewerb, um darüber niedrigere Preise für die Menschen zu ermöglichen."

Den seit 1. Juni geltenden Tankrabatt hatte die Ampel-Koalition durch eine zeitweise Aussetzung der Mineralölsteuer auf den Weg gebracht und die FDP dann auf Wirtschaftsministerium und Kartellamt verwiesen, die dafür sorgen sollten, dass die Entlastung bei den Menschen auch ankommt. Nach anfangs spürbaren Senkungen waren die Kraftstoffpreise inzwischen aber in etwa wieder auf dem vorherigen Niveau, was Vertreter der Mineralölwirtschaft vor allem mit höheren Einkaufspreisen begründeten.

Kemfert für Ende des Tankrabatts

Die Klima-Ökonomin Claudia Kemfert hat sich dafür ausgesprochen, den Tankrabatt sofort zu stoppen. Im MDR-AKTUELL-Klima-Podcast sprach sie von einem falschen Anreiz. Man wolle weg von fossiler Energie und vom Öl aus Russland, wähle aber ein Instrument, das die Nachfrage ankurbele.

Auch der Wirtschaftsforscher Clemens Fuest, Chef des ifo-Instituts, hält den Tankrabatt für "nicht zielführend" – also für ungeeignet, die Tankstellen-Preise für die Menschen herunterzubringen, die davon aktuell besonders belastet sind. Mehr dazu hier im Beitrag des MDR AKTUELL Fernsehens:

Quelle: MDR AKTUELL

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 15. Juni 2022 | 06:48 Uhr

51 Kommentare

Anni22 vor 23 Wochen

@ El Weil andere Länder (USA) jetzt die Zinsen deutlich anheben können, aber die EZB kann das nicht im erforderlichem Maße, weil "wir" dann alle Pleite sind und die Schuldentilgung nicht mehr bedienen könen. Selbstgemachtes ELEND!
Das Problem der "Negativzinsen" auf Geldeinlagen war schon ein sehr deutliches Zeichen, dass zu viel Geld "gedruckt" wurde und das schon lange vor dem Ukrainekrieg ! Aber alle Warnungen wurden ignoriert, jetzt kommt die Quittung!

ElBuffo vor 23 Wochen

So ist es. Auch dort wurden immer größere Autos, die noch mehr Masse noch schneller beschleunigen, gewählt. Kreuzfahrten und Flugreisen mussten ebenso her wie immer mehr zu beheizender Wohnraum pro Nase. Gleichzeitig noch riesige Müllberge und tonnenweise weggeworfene Lebensmittel. Welcher Anbieter sollte da nun aus freien Stücken die Preise reduzieren, wenn die Nachfrage da ist? So funktioniert der Markt nunmal nicht.
Der Staat könnte auch erstmal Dieselsubvention und Dienstwagenprivileg abschaffen, um zunächst die dadurch künstlich geförderte Nachfrage zu reduzieren, anstatt zu versuchen die Folgen dieser Markteingriffe durch einen weiteren Markteingriff zu beheben.

Anni22 vor 23 Wochen

"Deutsche Neuwagen leisten immer mehr, wie das CAR-Institut der Uni Duisburg-Essen festgestellt hat. Der PS-Durchschnitt 2020 betrug der Auswertung zufolge 165 PS. Das waren sieben PS mehr als noch 2019, eine überdurchschnittliche Steigerung um vier Prozent. Als aktuellen Hauptgrund für den PS-Zugewinn sieht Studienleiter Ferdinand Dudenhöffer den von Subventionen getriebenen Markttrend zu Elektroautos und Hybridmodellen. Letztere haben zusätzlich zum Verbrenner noch einen Elektromotor an Bord, was die Gesamtleistung im Schnitt auf 190 PS steigert. " Ja kaum zu glauben, dieser Wahnsinn Baschti ;-)!

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