Tarifstreit Erster Warnstreik im Einzelhandel in Thüringen

Nachdem die erste Runde der Tarifverhandlungen für den mitteldeutschen Versand- und Einzelhandel ohne Ergebnis endete, hat es in Thüringen am Donnerstag einen ersten Warnstreik im Einzelhandel gegeben. Am Freitag sollen laut der Gewerkschaft Verdi weitere Warnstreiks in Thüringen und Sachsen-Anhalt folgen.

Regenschirme mit der Aufschrift „Handel ver.di“ und dem Bild einer erhobenen Faust liegen bei einem Warnstreik vor einem Lager des Discounters Lidl auf dem Asphalt.
Die Zeichen stehen auf Streik: Gewerkschaften und Arbeitgeber im Einzel- und Versandhandel konnten sich noch nicht auf einen Tarifabschluss einigen. Bildrechte: dpa

Nach der ergebnislosen ersten Tarifrunde im Einzel- und Versandhandel in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen hat die Gewerkschaft Verdi am Donnerstag zu einem ersten Warnstreik aufgerufen. In einem Kaufhaus in Gera seien rund 30 Verkäuferinnen dem Aufruf gefolgt, sagte Verdi-Verhandlungsführer Jörg Lauenroth-Mago auf Anfrage. "Es wird Schritt für Schritt der Druck erhöht. Am Freitag folgen weitere Warnstreiks in Thüringen und Sachsen-Anhalt". Wann es auch in Sachsen zu ersten Arbeitsniederlegungen kommt, ließ er offen.

Erste Tarifrunde ohne Ergebnis

Hintergrund sind die aktuellen Tarifverhandlungen. Am Dienstag hatten sich die Tarifpartner der rund 280.000 Beschäftigten im Einzel- und Versandhandel in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen erstmals zu Gesprächen zusammengesetzt. Eine Einigung erzielten sie nicht.

"Die Arbeitgeber haben ein völlig unzureichendes Angebot unterbreitet, deutlich unter der Inflationsrate", sagte Lauenroth-Mago. Sie planten eine Spaltung der Beschäftigten in solche, die in von der Pandemie betroffenen Betrieben arbeiteten, und in solche, die nicht betroffen seien. "Das werden wir nicht zulassen", sagte Lauenroth-Mago.

Gewerkschaft fordert Angleichung an Westen

Zugleich forderte er eine Synchronisierung der Abschlüsse in Ost und West. Im Osten lägen die Zeitpunkte der Lohnerhöhung immer zwei Monate nach der Erhöhung im Westen. Diese Benachteiligung des Ostens müsse beseitigt werden. Verdi fordert 4,5 Prozent mehr Lohn und einen Zuschlag von 45 Euro im Monat, ein Mindestentgelt von 12,50 Euro pro Stunde und eine verkürzte Laufzeit des Tarifwerkes, um eine Angleichung an die anderen Bundesländer zu vollziehen.

Diese Forderungen seien, argumentieren die Arbeitgeber, zu hoch und auch ohne Krise kaum zu erwirtschaften. Der Verhandlungsführer der Arbeitgeber, Thomas Jäkel, warf der Gewerkschaft vor, sich bei ihren Zielen vor allem auf die Unternehmen zu konzentrieren, die vergleichsweise gut durch die Pandemie gekommen seien – das sei unverantwortlich.

Arbeitgeber wollen Corona-Folgen berücksichtigen

Die Arbeitgeber sind mit einem Angebot für einen Tarifvertrag über 36 Monate in die Runde gegangen, der Tariferhöhungen an die Pandemie-Betroffenheit der Unternehmen koppelt. Unternehmen, die 2020 gut durch die Corona-Krise gekommen sind, sollen ab August 2021 die Entgelte ihrer Mitarbeiter um 2,4 Prozent erhöhen, 1,4 Prozent davon als Einmalzahlungen. Die anderen Betriebe sollen erst im kommenden April die Tarifentgelte um ein Prozent anheben.

Die nächste Gesprächsrunde ist für den 24. Juni in Leipzig angesetzt.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 04. Juni 2021 | 14:30 Uhr

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