Kaum Niederschlag im März Wie Landwirtschaft und Kleingärten mit trockenen Böden umgehen

Carolin Voigt, Autorin, Redakteurin und Sprecherin
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Im März hat es im langjährigen Vergleich weniger Niederschlag gegeben. Dadurch und durch die Trockenheit der vergangenen Jahre sind die Wasservorräte im Boden sehr gering. Was das für die kommende Ernte bedeutet, kann momentan noch nicht gesagt werden. Allerdings besteht schon jetzt in Sachsen und Sachsen-Anhalt erhebliche Waldbrandgefahr.

vertrocknetes Gras auf einer Wiese
Auch die Niederschläge im Winter konnten die Wasserstände nicht wieder auffüllen. Bildrechte: dpa

Im Frühjahr beginnt für die Bauern die Feldarbeit. Bodenpflege, Düngen und zum Teil auch schon Aussaat. Der Betrieb von Sven Borchert in Groß Germersleben in Sachsen-Anhalt hat auch eine Boden-Feuchtigkeitsanalyse gemacht. Mit ernüchterndem Ergebnis: "Wir stellen fest, dass so ab 70 Zentimetern bis einen Meter Tiefe nur noch 50 Prozent des Wasservorrats im Boden sind, der eigentlich drin sein müsste. Das ist der Trockenheit der letzten drei Jahre, in manchen Regionen auch vier Jahre geschuldet", erklärt Borchert.

Die Winterniederschläge haben die Wasserstände nach seinen Worten nicht wieder auffüllen können: "Wir hatten bei uns im Betrieb im Januar lediglich 33 und im Februar 22 Millimeter Regen. Wir hätten sicherlich mindestens 100 Millimeter oder mehr gebraucht, um das aufzufüllen. Schätzungsweise fehlen bei uns also derzeit mindestens 100 bis 150 Liter Wasser im Boden."

Hoffnung auf Regen

Was also tun mit so trockenen Böden? Eine Möglichkeit ist künstliche Wasserzufuhr. Das kann über Beregnungsmaschinen oder alternativ und etwas kostengünstiger über mobile Düsenwagen passieren. Trotzdem keine Option für alle Betriebe, sagt Sven Borchert, der auch Vize-Präsident des Landesbauernverbands Sachsen-Anhalt ist: "Die Möglichkeiten, die Böden zu beregnen, haben nur wenige Betriebe. Im Grunde können wir da nur mit Möglichkeiten der Bodenbearbeitung versuchen, bodenschonend zu sein und Kapillaren zu brechen, um die Verdunstung einzuschränken. Dann können wir eigentlich nur hoffen, dass es demnächst mal regnet."

Über die Ernteprognose könne man aber noch nichts sagen, meint der Landwirt. Monate wie April oder Mai könnten noch viel Niederschlag bringen.

Trockenheit seit gut vier Jahren

Derzeit noch keine Probleme für die Landwirtschaft sieht auch Andreas Marx vom Dürremonitor des Umweltforschungszentrums Leipzig: "Wenn man landwirtschaftliche Kulturen, die jetzt ausgesät werden, betrachtet, kann man eigentlich nicht davon ausgehen, dass es größere Probleme mit Trockenheit oder Dürre geben wird."

So habe sich etwa im vergangenen Jahr gezeigt, dass sich die Böden über den Sommerregen zumindest an der Oberfläche wieder gut erholen können. Für einjährige Kulturen, die jetzt ausgebracht würden, reiche das aus, da die Wurzeln nah an der Oberfläche seien, erklärt Marx. Aber: "Wenn man tiefer in die Böden reingeht – also alles, was tiefer als einen halben oder einen Meter ist – da haben wir die Situation, dass sich in großen Teilen Sachsen-Anhalts, aber auch im Norden Sachsens und Thüringens das Wasserdefizit, das sich seit 2018 aufgebaut hat, überhaupt nicht aufgelöst hat."

Die Trockenheit, die seit 2018 andauert, habe ein Ausmaß, das es im letzten viertel Jahrtausend nicht gegeben habe. Marx bestätigt damit die Messungen von Landwirt Borchert.

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Trockenheit belastet auch Kleingärtner

Über die lang anhaltende Trockenheit klagen auch Kleingärtner. Detlef John ist Fachberater im Stadtverband der Kleingärtner in Erfurt. Seit Jahren sei es viel zu trocken, sagt er: "Wir hatten vor Kurzem ein paar Niederschläge bei uns hier im Raum, aber jetzt ist es auch schon wieder zu trocken. Der Boden ist wirklich sehr sandig und rieselig dadurch. Er hat keine Bindung durch die Trockenheit. Das bedeutet, dass man oftmals etwas für die Bodenverbesserung tun muss. Auf dem trockenen Boden wächst nicht besonders viel. Er muss ständig bewässert werden."

Dabei werden John zufolge allerdings Feinteile nach unten gespült, wodurch der Boden oben sehr fest werde. Deswegen müsse er immer wieder Kompost beziehungsweise frische Erde aufbringen.

Das Ausweichen auf Pflanzen, die weniger Wasser bräuchten, sei hier schwierig, sagt John. Gemüsepflanzen, die in Kleingärten traditionell angepflanzt würden – wie Gurken und Tomaten – bräuchten viel Wasser. John empfiehlt Kleingärtnern und Kleingärtnerinnen abgedeckte Frühbeete, bei denen sich Kondenswasser sammelt.

Waldbrandgefahr bereits im März

Viel kritischer als auf den Feldern und in den Gärten sieht die Lage aktuell in den mitteldeutschen Wäldern aus. So wurde im Jerichower Land bereits Mitte März die zweithöchste Waldbrandgefahrenstufe 4 ausgerufen. Die gilt derzeit auch in vier weiteren Kreisen Sachsen-Anhalts. Ähnlich sieht es in weiten Teilen Sachsens aus. In den Landkreisen Nordsachsen, Görlitz, Bautzen und Dresden herrscht ebenfalls Warnstufe 4.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 24. März 2022 | 06:00 Uhr

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