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Eine Frau betankt einen PKW Bildrechte: imago images/Manngold

MDRfragtHilfen der Bundesregierung: Großteil spürt keine finanzielle Entlastung

von MDRfragt-Redaktionsteam

Stand: 22. Juni 2022, 05:00 Uhr

Schnelle und spürbare Entlastung: Das verspricht das Bundesfinanzministerium seinen Bürgern mithilfe der sogenannten Entlastungspakete. Zwei der Maßnahmen – der Tankrabatt und das 9-Euro-Ticket – wurden bereits auf den Weg gebracht. Beim Großteil der MDRfragt-Mitglieder macht sich das jedoch nicht finanziell bemerkbar. Das ist das Ergebnis der Befragung mit knapp 30.000 Teilnehmenden aus ganz Mitteldeutschland.

Lediglich sechs Prozent der MDRfragt-Teilnehmenden spüren eine finanzielle Entlastung durch den Tankrabatt, bei 90 Prozent ist das nicht der Fall. Beim 9-Euro-Ticket macht sich der finanzielle Nutzen stärker bemerkbar. Ein gutes Viertel hat angegeben, dass es sich dadurch entlastet fühlt, bei 59 Prozent ist dem nicht so.

Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Warum sie von den bislang umgesetzten Maßnahmen nichts spüren bzw. was sie daran kritisieren, schreiben die Teilnehmenden in den Kommentaren:

Der Tankrabatt kommt hier gar nicht an. Die Preise für Kraftstoffe bleiben extrem hoch. 9-Euro-Ticket? Das bringt mir nichts, weil der ÖPNV hier auf dem Land völlig unflexibel darauf reagiert und mich immer weniger zu meinen Schichten bzw. von meinen Schichten nach Hause bringt.

Tobias U., 45 Jahre, Erzgebirgskreis

Der berühmte Tropfen auf dem heißen Stein. Wenn, dann wirkt es nur sehr punktuell. Da es ja alles keine Dauerlösungen sind, trifft es dann in zwei Monaten jeden wieder mit voller Wucht.

Stephan H., 36 Jahre, Leipzig

Das Ticket nutze ich nicht, da es einen sehr hohen Mehraufwand für mich bedeutet und ich viel Zeit mit meiner Familie verliere. Ich bin Berufspendler und fahre täglich zwei Stunden mit dem Auto, um auf Arbeit und wieder nach Hause zu kommen. Nutze ich den Zug, bin ich mindestens fünf Stunden unterwegs und muss hoffen, dass die Anschlusszüge warten, da die Umsteigezeiten eng getaktet sind.

Stefan D., 38 Jahre, Sömmerda

Es gibt aber auch Befürworter der Maßnahmen, vor allem das 9-Euro-Ticket wird von Vielen positiv bewertet:

Das 9-Euro-Ticket ist eine sehr gute Sache, das beste "Geschenk" einer Regierung, das ich bisher bekommen habe. Ich benutze es allerdings nur für meine Freizeit.

Stephan B., 35 Jahre, Dresden

Das Ticket zeigt, wie wichtig die Förderung der Nutzung des ÖPNV für Einsparungen auf dem Gebiet der Kraftstoffverbräuche ist und wie man einen messbaren Einfluss auf die Einsparung klimaschädlicher Gase erzielen kann.

Jürgen H., 71 Jahre, Magdeburg

Einige Teilnehmende machen Vorschläge, wie das Entlastungspaket in ihren Augen besser hätte gestaltet werden können:

Das Entlastungspaket ist aus meiner Perspektive zu wenig nach vorn gedacht. Mir fehlen klare Vorteile für Menschen, die sich (umwelt-)bewusster mit ihrem Leben auseinandersetzen, wenn wir vom 9-Euro-Ticket mal absehen. Beispielsweise hätten Steuern auf gesunde Lebensmittel wie Obst und Gemüse gesenkt werden können oder auf Lebensmittel, die in Deutschland produziert werden. Damit entlaste ich nicht nur die Haushalte, sondern fördere einen gesunden Lebensstil.

Angus Y., 27 Jahre, Nordsachsen

Natürlich entlasten die direkt überwiesenen Summen. Aber eben nur kurzfristig. Auch da wäre besser in eine Zukunft investiert, in der z.B. jedes Haus Strom vom eigenen Dach beziehen kann...

Tina H., 30 Jahre, Weimarer Land

Neun von zehn gehen insgesamt nicht von großer spürbarer Entlastung aus

Zum Entlastungspaket zählen noch weitere Maßnahmen, wie der Wegfall der EEG-Umlage, ein Heizkostenzuschuss, der Kinderbonus und eine Energiepreispauschale. 92 Prozent der MDRfragt-Teilnehmenden glauben nicht, dass ihr Haushalt dadurch tatsächlich spürbar entlastet werden wird. Sechs Prozent gehen davon aus.

Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Fast alle haben ihr Verhalten wegen gestiegener Preise geändert

Angesichts der hohen Inflation steigen die Preise derzeit nahezu überall. Vor allem in den Bereichen Lebensmittel, Kraftstoffe sowie Strom und Heizen spüren das die MDRfragt-Teilnehmenden stark.

Bei fast allen Teilnehmenden - genau genommen 93 Prozent - wirkt sich das auf ihr Verhalten aus. Vor einem Monat hatten wir die MDRfragt-Mitglieder bereits dazu befragt. Damals waren es 86 Prozent, die ihr Verhalten wegen der gestiegenen Preise geändert hatten, also etwas weniger als zum jetzigen Zeitpunkt.

  • Zwei Drittel haben angegeben, dass sie nun versuchen, Strom zu sparen bzw. weniger oder günstigere Lebensmittel kaufen.
  • Knapp die Hälfte schränkt sich auch in ihren Freizeitaktivitäten ein.
  • 40 Prozent fahren weniger Auto.

Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk

Deutliche Mehrheit fordert mehr Einsatz der Politik

Alles in allem würden sich die Teilnehmenden mehr Unterstützung seitens der Politik wünschen: Die bisherigen Anstrengungen der Bundesregierung gehen 70 Prozent der MDRfragt-Teilnehmenden nicht weit genug. 13 Prozent bewerten sie als angemessen, fünf Prozent gehen sie zu weit.

Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Mehr als die Hälfte kritisiert Finanzierung des Entlastungspakets

Doch obwohl sich viele MDRfragt-Teilnehmende eine stärkere Unterstützung seitens der Regierung wünschen - die Neuverschuldung, die mit den Entlastungspaketen einhergeht, sieht ein Großteil kritisch. 56 Prozent der Teilnehmenden lehnen die zusätzlichen Schulden in Höhe von 39,2 Milliarden Euro ab. Ein gutes Drittel befürwortet sie.

Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Große Zustimmung zur Übergewinnsteuer

Eine weitere Maßnahme gegen die anhaltenden Preissteigerungen könnte die sogenannte Übergewinnsteuer sein. Mit ihr würden die Gewinne von Unternehmen höher besteuert werden, welche von Krisen profitieren (z.B. Mineralölkonzerne). 79 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer sprechen sich dafür aus. 14 Prozent lehnen eine Übergewinnsteuer ab.

Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Mehrwertsteuerreform bei Lebensmitteln lehnen 60 Prozent ab

In Anbetracht der steigenden Lebensmittelpreise hat das Umweltbundesamt zuletzt gefordert, Obst, Gemüse und Getreide von der Mehrwertsteuer zu befreien. Stattdessen soll die Mehrwertsteuer für Milch und Fleisch von sieben auf 19 Prozent angehoben werden. 60 Prozent lehnen diesen Vorschlag ab, ein gutes Drittel spricht sich dafür aus.

Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Drei Viertel wünschen sich Senkung von Verbrauchersteuern

Danach befragt, welche weiteren finanziellen Entlastungen sie sich wünschen würden, geben die meisten die Senkung von Verbrauchersteuern an. Weit oben auf der Wunschliste sind auch Preisdeckelungen. Weitere Einmalzahlungen und höhere Sozialleistungen sind den Teilnehmenden weniger wichtig.

Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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Über diese BefragungDie Befragung vom 17.06.-20.06.2022 stand unter der Überschrift:
Entlastungspaket: Was kommt bei Ihnen an?

Insgesamt sind bei MDRfragt 61.323 Menschen aus Mitteldeutschland angemeldet (Stand 20.06., 13.00 Uhr).

29.772 Menschen aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen haben online an dieser Befragung teilgenommen.

Verteilung nach Altersgruppen:
16 bis 29 Jahre: 419 Teilnehmende
30 bis 49 Jahre: 4.909 Teilnehmende
50 bis 64 Jahre: 12.569 Teilnehmende
65+: 11.875 Teilnehmende

Verteilung nach Bundesländern:
Sachsen: 15.331 (51 Prozent)
Sachsen-Anhalt: 7.265 (24 Prozent)
Thüringen: 7.176 (24 Prozent)

Verteilung nach Geschlecht:
Weiblich: 13.666 (46 Prozent)
Männlich: 16.045 (54 Prozent)
Divers: 61 (0,2 Prozent)

Die Ergebnisse der Befragung sind nicht repräsentativ. Wir haben sie allerdings in Zusammenarbeit mit dem wissenschaftlichen Beirat nach den statistischen Merkmalen Bildung, Geschlecht und Alter gewichtet. Das heißt, dass wir die Daten der an der Befragung beteiligten MDRfragt-Mitglieder mit den Daten der mitteldeutschen Bevölkerung abgeglichen haben.

Aufgrund von Rundungen kann es vorkommen, dass die Prozentwerte bei einzelnen Fragen zusammengerechnet nicht exakt 100 ergeben.

Dieses Thema im Programm:MDR FERNSEHEN | MDR Aktuell | 22. Juni 2022 | 21:45 Uhr