Erdgaskrise Gaskrise bei Uniper: Regionale Energieversorger unter Druck?

05. Juli 2022, 05:00 Uhr

Das Gas auf dem Markt wird knapp und Energieunternehmen, wie etwa der Konzern Uniper, bekommen das zu spüren. Uniper importiert ungefähr ein Drittel des Gases, das in Deutschland in einem Jahr verbraucht wird und spielt daher eine zentrale Rolle bei der Gasversorgung. Weil Russland nun weniger Gas liefert, ist das Unternehmen in Schieflage geraten. Was bedeutet das für die kommunalen Energieversorger, wenn ein so wichtiger Lieferant wie Uniper finanzielle Probleme hat?

Die Turbulenzen beim Energiekonzern Uniper kämen in Leipzig nicht direkt an, sagt Peter Krutsch von den Stadtwerken. Der Grund: "Die Leipziger Stadtwerke beschaffen ihre Energiemengen am Großhandelsmarkt und an den Energiebörsen. Da sind ja viele verschiedene Player am Start. Und eine Abhängigkeit zu Uniper besteht bei uns nicht."

Die Stadtwerke bekommen von anderen Anbietern ihr Gas. Trotzdem verfolgt man in Leipzig die Lage am Gasmarkt genau, so Krutsch. "Natürlich schaut unsere Taskforce, die wir eingerichtet haben, sich das jeden Tag an. Momentan können wir aber sagen, wir haben keine unmittelbaren Probleme. Für die Stadtwerke und die Versorgungssicherheit besteht erstmal keine Gefahr."

Angst vor höheren Preisen für Verbraucherinnen und Verbraucher

Bei anderen sind die Sorgen größer. Ingbert Liebing, Hauptgeschäftsführer des Verbands kommunaler Unternehmen, warnt davor, die gestiegenen Preise direkt an die Verbraucherinnen und Verbraucher weiterzugeben. Denn das kann die Bundesregierung beschließen, wenn noch weniger Gas importiert werden kann.

Doch viele Kundinnen und Kunden könnten die höheren Preise nicht zahlen und das könnte dann eigentlich gesunde Stadtwerke an den Rand der Insolvenz bringen, sagte Liebing der Rheinischen Post. "Wenn dann eine kritische Masse an Stadtwerken kippen würde, könnte das eine Kettenreaktion auslösen. Das könnte zu chaotischen Zuständen am Energiemarkt führen, die definitiv die gesamte Energiewirtschaft in die Bredouille bringen und die Versorgungssicherheit quasi von Grund auf gefährden würde."

Sachsen-Anhalts Energieminister erwartet Hilfen vom Bund

Deshalb sei es richtig, dass die Bundesregierung bei Uniper handlungsbereit sei. Kanzler Scholz hatte zuletzt gesagt, dass man mit dem Unternehmen wegen staatlichen Hilfen im Gespräch sei. Dafür bekommt er auch Unterstützung aus den Ländern.

Sachsen-Anhalts Energieminister Armin Willingmann teilt MDR AKTUELL auf Anfrage mit: "In der aktuellen Situation, in der sich in Folge des Angriffskriegs Russland auf die Ukraine die Gaspreise in einem Jahr versechsfacht haben, erwarten wir vom Bund unkomplizierte und schnelle Liquiditätshilfen in Form von Krediten, etwa über die KfW, um die Energieversorger zu stützen und dadurch Endverbraucher und Kommunen zu schützen."

In Sachsen-Anhalt hätten die Gasversorger noch keine Notlage signalisiert. Grundsätzlich sei die Situation aber kritisch, so der SPD-Politiker, da Uniper der größte Gashändler Deutschlands sei.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 05. Juli 2022 | 06:00 Uhr

9 Kommentare

ElBuffo am 06.07.2022

Dafür kann man sich ja notfalls hinterher noch informieren. Der Krieg geht tatsächlich schon seit ein paar Jahren. Die gezielte Nichtbefüllung der Gasspeicher ließ sich auch beobachten. Genauso die Truppenkonzentrationen in Vorbereitung des Angriffskrieges und die Rhetorik Putins. Dass die Gaslieferungen bzw. eben deren Reduktion bis Kompletteinstellung bei ausreichender Abhängigkeit als Druckmittel eingesetzt werden, ist ebensowenig neu und ist auch recht präzise exakt so vorhergesagt worden. Einige haben sich drauf vorbereitet, anderen war das dickere Auto und unbegrenztes Rasen auf der Autobahn wichtiger.

ElBuffo am 06.07.2022

Sie meinen, die Leute werden auf die Straße gehen, um endlich Verhältnisse wie in Russland zu haben? Wenn sollen wir dann überfallen, um von unseren Problemen abzulenken?

Britta.Weber am 05.07.2022

Die Hauptursache für die Probleme bei der Gasversorgung liegt dartin, dass Deutschland sich weigert, die fertige Pipeline Nordstream 2 aus politischen Gründen in Betrieb zu nehmen. In der Pipieline sind derzeit 339 Millionen Kubikmetert Gas- allein das würde einiges beheben.
Dieser schwere Fehler wird von Herrn Willingmann nicht genannt. Wie oft im Leben und der Politik zieht ein schwerer Fehler viele andere Schwierigkeiten nach sich.

Mehr aus Wirtschaft

Leunawerke in der Dämmerung mit Video
Die IG Bergbau, Chemie, Energie fordert für die Beschäftigten in der Chemieindustrie, wie hier in den Leuna-Werken, unter anderem sieben Prozent mehr Lohn. Bildrechte: imago images/Sylvio Dittrich

Mehr aus Deutschland