GmbH mit gutem Gewissen Unternehmer fordern neue Rechtsform für Firmen

MDR-Wirtschaftsjournalist Ralf Geißler
Bildrechte: Ralf Geißler

Wer in Deutschland eine Firma gründet, wählt dafür meistens den Klassiker: die GmbH – eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Die meisten Mittelständler haben diese Rechtsform. Doch nun ist unter Wirtschaftsvertretern eine hitzige Debatte entbrannt. Eine Initiative mit dem Namen "Stiftung Verantwortungseigentum" fordert eine neue Rechtsform für Unternehmen. Braucht es die wirklich? Und was soll anders sein als bei einer klassischen Firma?

Hände von zwei Büroangestellten bei der Zusammenarbeit an einem Schreibtisch
Gesellschaft mit beschränkter Haftung oder doch besser mit gebundenem Vermögen? Bildrechte: imago images / Panthermedia

Das Unternehmen von Lisa Händel und ihren Mitstreiterinnen will die Welt ein bisschen besser machen. Ihre Firma heißt Räubersachen, sitzt in Halle, hat 20 Angestellte. Sie vermieten und reparieren ökologische Baby- und Kinderkleidung. Räubersachen ist eine GmbH, doch eigentlich wäre Händel eine andere Rechtsform lieber.

Sie hätte gern eine Gesellschaft mit gebundenem Vermögen, weil aus ihrer Sicht Unternehmen nicht mehr einfach nur Profite generieren und irgendwann teuer verkauft werden sollten. "Sondern weil es darum gehen sollte, dass Unternehmen einen Mehrwert bilden für die Gesellschaft und dass die Menschen, die im Unternehmen arbeiten, auch wirklich für diese Idee arbeiten und nicht für das Privatvermögen eines Einzelnen."

Birgit Apfelbach beim Schrauben sortieren. 89 min
Birgit Apfelbach beim Schrauben sortieren. Bildrechte: phoenix/rbb/DOKfilm

Eine Mischung aus Stiftung und GmbH

Die Gesellschaft mit gebundenem Vermögen ist bislang nur eine Idee, doch diverse Unternehmen setzen sich für diese neue Rechtsform ein. Der Grundgedanke: Das Unternehmen gehört dann nicht mehr Einzelnen, sondern quasi sich selbst. Es gibt zwar Gründer und es darf wachsen, Gewinne müssen aber im Unternehmen verbleiben. Die Gründer sind mit ihrem eingezahlten Anteil nur gestaltende Treuhänder. Sie können sich Chefgehälter zahlen, ihr Unternehmen aber nicht meistbietend verkaufen, sondern nur ihr einst eingezahltes Geld zurückerhalten.

Es ist gewissermaßen eine Mischung aus Stiftung und GmbH. Die Idee kommt von der "Stiftung Verantwortungseigentum". Vorstand Till Wagner wirbt dafür, die Rechtsform in Deutschland zu etablieren. Den Aufruf hätten momentan rund 1.200 Unternehmer unterschrieben. Dazu kämen Anwälte, Investoren und Wirtschaftsexperten. "Wir haben vor zwei Wochen eine von uns initiierte Allensbach-Studie vorgestellt, wo 72 Prozent der befragten Familienunternehmer sich für die Einführung einer solchen Rechtsform aussprechen."

Lauteste Kritik aus den eigenen Reihen

Wagner sieht in der Gesellschaft mit gebundenem Vermögen viele Vorteile. Die Mitarbeiter seien motivierter, wenn die Firmenidee vor dem Profit stünde. Es ließen sich auch leichter Nachfolger finden, wenn ein Gründer nicht erst einen Käufer mit viel Geld suchen müsse. Und doch kommt die lauteste Kritik an der Idee aus dem Kreis der Familienunternehmen. Ulrich Herfurth vom Verband "Die Familienunternehmer" findet es kurios, dass die Initiatoren von Verantwortungseigentum sprechen.

Tatsächlich trage aber niemand richtig Verantwortung, wenn das Vermögen einer Firma niemandem richtig gehöre. "Was wir grundsätzlich problematisch finden: Es wird der Eindruck erzeugt, dass Unternehmen, die nicht eigentümergeführt sind, die besseren Unternehmen sind. Und das ist einfach nicht so." Am Ende müssten immer Menschen darüber entscheiden und zwar Menschen mit dem Risiko des eigenen Vermögens.

Laut Herfurth gibt es in Deutschland ausreichend Rechtsformen, um gemeinwohlorientiert unternehmerisch tätig zu werden: Genossenschaften, Stiftungen, die gemeinnützige GmbH. Die Stiftung Verantwortungseigentum treibt ihre Idee trotzdem voran. Die Grünen haben sich die Einführung der neuen Rechtsform bereits ins Wahlprogramm geschrieben. Auch die SPD steht der Idee offen gegenüber.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 01. Juni 2021 | 06:25 Uhr

6 Kommentare

Eulenspiegel vor 15 Wochen

„Wer haftet bei Insolvenz?“
Eine GmbH, ausgeschrieben, Gesellschaft mit beschränkter Haftung.
Die haftet ausschließlich mit dem Einlagervermögen. Und das ist nicht viel.

Bernd1951 vor 15 Wochen

Ja warum denn nicht einmal so etwas ausprobieren ?
Es gibt nur erste Überlegungen dazu und schon fühlt sich der Verband "Die Familienunternehmer" in seiner Existent bedroht. Wobei der Name "Die Familienunternehmer" irgendwie an den kleinen Laden um die Ecke erinnert und nicht an eine große Lobbyorganisation. Dabei "verstecken" sich unter dieser Bezeichnung solche Unternehmen wie Die Volkswagen AG, Die Schwarz Gruppe (Lidl u. a.), Die BMW Group, ALDI Discounter, Robert Bosch GmbH, Continental AG, Metro AG, Fresenius Gruppe. (Quelle: Webseite des Staufenbiel Instituts in Köln) also alles Unternehmen wie der kleine Laden um die Ecke, der täglich ums Überleben kämpfen muss.

Eulenspiegel vor 15 Wochen

Also zu dieser neuen Rechtsform kann ich eigentlich nichts sagen.Aber das die Familienunternehmen die Einführung dieser Rechtsform kritisieren ist klar. Schließlich sind sie ja die Basis des Kapitalismus. Man denke nur an Aldi und Co.
Ich persönlich würde die Genossenschaft vorziehen. Denn gerade die Genossenschaft würde viele Vorteile für alle bedeuten und nicht nur für einige, wenige Absahner.

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