Corona-Krise Leipziger Kosmetikerin erneut im Lockdown - wie läuft's?

MDR-Wirtschaftsjournalist Ralf Geißler
Bildrechte: Ralf Geißler

Die Politik hat Tausende Unternehmer erneut in die Zwangspause geschickt. Seit Montag sind wegen Corona Restaurants, Kultur- und Freizeiteinrichtungen geschlossen. Wie kommen die Betroffenen nun klar? Beate Hertes leitet einen Kosmetik-Salon in Leipzig. Schon im ersten Lockdown hat MDR AKTUELL sie regelmäßig besucht. Auch jetzt wieder, um zu fragen: Kleine Unternehmerin, was nun?

Im Kosmetik-Salon von Beate Hertes sieht es nicht nach Lockdown aus. Kunden sind zwar keine da. Dafür wuseln Mitarbeiter durch die Räume. Die Waschmaschine rumpelt.

Nach der Devise "Handeln statt jammern"

Die Chefin verteilt Aufgaben: "Mein Plan ist, niemanden von meinen Kollegen in Kurzarbeit schicken zu müssen, sondern die Zeit jetzt wirklich zu nutzen. Wir werden also täglich von 9 bis 17 Uhr hier vor Ort sein und verschiedene Arbeiten erledigen: Schönheitsreparaturen. Zum Beispiel ist die Idee, Videos zu drehen für unsere Kunden mit Pflegeempfehlungen. Wie kommt man durch den Winter?"

Hertes' Devise lautet noch immer: Handeln statt Jammern. Trotzdem ist die 58-Jährige von der sächsischen Politik enttäuscht. Es sei zunächst ein Schock gewesen, dass sie ihren Salon erneut schließen musste. Tochter Henrike pflichtet ihr bei: "Ich finde das schon sehr unverständlich. Weil es einfach so ist, dass in anderen Bundesländern Kosmetiksalons aufmachen dürfen und wir nicht. Friseure dürfen aufmachen. Begreift man halt einfach nicht."

Bestellservice soll Umsatz retten

Die Tochter ist zugleich Angestellte bei ihrer Mutter. Irgendwann soll sie den Salon übernehmen. Sie holt Cremes, Shampoos und Peelings aus den Regalen, packt sie in Tüten und läuft vor die Tür. Dort wartet ihr Moped: "Naja, geplant ist, dass ich, wenn die Kunden Warenbestellungen oder Produktbestellungen aufgeben, dann halt mit dem Moped vor Ort hinfahre, klingele und das dann kontaktlos dem Kunden übergebe."

Der Bestellservice ist neu und soll ein bisschen Umsatz retten. Die Einbußen durch die Schließung kann er aber nicht ausgleichen. Mutter Beate Hertes hofft auf ein Versprechen der Politik. Die Bundesregierung will allen Betroffenen bis zu 75 Prozent des November-Umsatzes erstatten. Für die Unternehmerin bleiben aber Fragezeichen: "Ich finde es wirklich nicht gut, dass man erst einmal in die Menschen hineingetragen hat, es wird Hilfe geben zu 75 Prozent. Und dann Kunden mich sofort gefragt haben: Wie sieht denn das aus, ihr kriegt ja 75 Prozent. Und ich dann gesagt habe: Ja, aber es weiß noch keiner, wie das dann sein wird, wer das beantragen kann. Es ist einfach nur mal gesagt worden."

Hoffen auf Laden-Öffnung im Dezember

In den vergangenen Monaten hat Hertes mit ihrem Team Überstunden gemacht. So konnten sie die Einbußen des ersten Lockdowns großteils ausgleichen. Den November überstehe sie schon, sagt Hertes.

Im Dezember wäre es aber wichtig, wieder zu öffnen: "Wenn uns das Weihnachtsgeschäft verloren geht... Der Dezember ist bei uns allen ein Umsatzmonat, wo wir doppelt so viel arbeiten, aber auch doppelt so viel Umsatz haben. Und wenn der Monat verloren geht, dann weiß selbst ich nicht - als jetzt derzeit wirklich gesundes Unternehmen - ob wir das schaffen werden."

Hertes sitzt auf einem schwarzen Ledersessel im Behandlungsraum. Normalerweise würde hier jetzt eine Kundin entspannen. Die Leute kämen ja nicht nur für die Hautpflege, sagt Hertes. Sie kämen auch, um sich etwas Gutes zu tun, die Seele zu streicheln. Gerade in den dunklen Monaten sei das doch wichtig.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 05. November 2020 | 07:17 Uhr

2 Kommentare

Hoyamambayawacka am 05.11.2020

In Halle verwöhnen Kosmetiker zahlende Kundschaft. Tochter könnte schnell mal von Muldestadt zur Saalestadt einen leer stehenden Laden als zusätzliches oder eigenständiges "Standbein" nutzen statt hier zu jammern.

winfried am 05.11.2020

Der Artikel beschreibt mMn eine "Hoffnungsblase".

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