Corona-Maßnahmen Vorgezogene Winterferien – ein Problem für die Wirtschaft

In vielen Unternehmen ist das Problem sicherlich bekannt: Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit kleineren Schulkindern sind zurzeit nur bedingt einsetzbar, denn die Schulen haben dicht. Und irgendwer muss ja zu Hause auf die Tochter oder den Sohn aufpassen. Nun werden in Sachsen und Thüringen auch noch die Winterferien verschoben. Sachsen verkürzt sie sogar um eine Woche. Das könnte für viele Unternehmen zum Problem werden.

Leerer Klassenraum mit hochgestellten Stühlen
Die Kinder freuen sich wahrscheinlich, dass sie früher in die Ferien können. Für Unternehmen jedoch könnten die vorgezogenen Winterferien zu einem echten Problem werden. Bildrechte: MDR/PantherMedia/Martin Benik

Andrea Glaatz-Steller raucht zurzeit immer öfter der Kopf. Sie ist für die Dienstpläne in der Leipziger Reinigungsfirma Blitzblank GmbH verantwortlich. Jedoch müssen sich viele Mitarbeiter zu Hause um Schulkinder kümmern. Ständig werden Dienstpläne umgekrempelt und Aufträge verschoben.

Wir sind da in täglichem Kontakt vor jedem Einsatz, vor jeder Planung. Also das ist zeitlich ein riesen Mehraufwand.

Andrea Glaatz-Steller, Reinigungsfirma Blitzblank GmbH

Chaos wegen vorgezogenen Winterferien befürchtet

Blitzblank hat eine zweistellige Mitarbeiterzahl. Die Hälfte davon habe Kinder im Schulalter, erzählt Andrea Glaatz-Steller. Sie rechnet damit, dass das Chaos in den nächsten Wochen noch größer wird, weil in Sachsen die Winterferien vorgezogen werden. "Das heißt natürlich jetzt, dass alles auch wieder umstrukturiert werden muss. Die Urlaubstage sind ja beantragt und genehmigt und jetzt sind die quasi sinnlos, weil die Kinder gar nicht Ferien haben."

Statt zwei Wochen Mitte Februar haben die Schülerinnen und Schüler in Sachsen in diesem Jahr nur eine Woche frei, und zwar Anfang Februar. Die zweite Ferienwoche wird vor Ostern nachgeholt. Und auch Thüringen hat an den Winterferien geschraubt. Das Land zieht die Ferien auf die letzte Januarwoche vor.

Was tun, wenn der Urlaub schon beantragt ist?

Unternehmen vieler Branchen stehen damit vor einer Herausforderung, erklärt Kathleen Spranger von der Industrie- und Handelskammer Chemnitz. Denn in vielen Unternehmen seien die Urlaubstage längst vergeben.

Spranger rechnet damit, dass nun viele betroffene Mitarbeiter um eine Urlaubsverlegung bitten und mit ihrem Arbeitgeber eine Einigung finden müssen. "Und dann ist die Frage, wie man das lösen kann. Wenn ich eine feststehende Betriebsvereinbarung habe, dann müssen beide Seiten an einen Tisch kommen und sich einigen." Und da sei es wie bei allen Sachen: "Es gibt Personen, die einigen sich schnell und gut, und es gibt welche, da ist es schwierig."

Besonders hart treffe es Unternehmen, die die Winterferien eigentlich für eine Betriebsschließung nutzen wollten oder die in den Ferien mit abgespeckter Belegschaft arbeiten wollten, so Kathleen Spranger von der IHK. All diese Planungen sind nun über den Haufen geworfen. Das sieht auch Markus Schlimbach, Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes in Sachsen. "Da appelliere ich ausdrücklich an die Arbeitgeber: Es ist notwendig, dass die Urlaubsplanung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Unternehmen unkompliziert angepasst werden kann."

Arbeitgeber befürchten Krankmeldungen

MDR AKTUELL hat mit zehn Unternehmen in Sachsen gesprochen – die Hälfte rechnet damit, in den nächsten Wochen Schichten und Dienstpläne umstellen zu müssen. Und die Arbeitgeber haben noch eine weitere Befürchtung: Nämlich, dass betroffene Eltern in den vorgezogenen Ferien einfach krank machen, wenn es keinen Urlaub gibt.

Die Bundesregierung hat dafür ganz offiziell den Weg frei gemacht: mit einer neuen Krankentage-Regelung. Demnach können sich Eltern in diesem Jahr doppelt so lange für Kinder krankschreiben lassen wie üblich und in dieser Zeit das sogenannte Kinderkrankengeld erhalten. Das, so sagte ein Unternehmer hinter vorgehaltener Hand, sei geradezu eine Aufforderung, Anfang Februar blauzumachen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 07. Januar 2021 | 07:18 Uhr

19 Kommentare

Agnostiker vor 17 Wochen

@Sandra001 Mensch, beim durchlesen der Kommentare hatte ich mich schon gewundert, sachliche Kommentare und kein dümmliches Lehrerbashing. Naja einfach bischen runterscrollen und dann kam Ihr Kommentar. Es gibt eben Dinge die sind so sicher wie der nächste Sonnenaufgang.

Normalbuerger vor 17 Wochen

@wer auch immer , also die Sommerferien stehen so wie Sie jetzt geplant sind und da ist es völlig egal was die Politiker im Vorfeld der Ferien noch beschließen! Die Pandemie kann nicht auf dem Rücken der Familien und Kinder ausgetragen werden. Wenn man bundesweit der Meinung ist , die Schulen schließen zu müssen , dann ist es so . Da kann man nicht im Nachhinein anfangen und irgendwelche Ferienverschiebereien anbringen um den Schulstoff dann am besten bei 40 Grad im Sommer reinzuprügeln !

m.anett vor 17 Wochen

Hä ???? Meiner ist 15 und hat Pflegestufe 3. Den kann ich gar nicht mehrere Stunden allein lassen. Jedes Kind ist anders, dass kann man doch nicht vom Alter abhängig machen. Ich fände es sehr traurig, wenn Kinder so zeitig gar nichts mehr mit Ihrer Familie unternehmen wollen.
Schlimm, wer sein Kind dann als "Plage" ansieht.
Wir gehen jedenfalls wieder am Wochenende wandern, mit Kind, als Familie (ohne weitere Kontakte!) !!!

Mehr aus Wirtschaft

Mehr aus Deutschland

MDR-Meteorologe Jörg Heidermann 1 min
MDR-Meteorologe Jörg Heidermann Bildrechte: mdr

Bevor es am Sonntag und Montag Badewetter gibt, wird es heute noch einmal wechselhaft und kühl und in den Bergen da schneit es noch mal ein bisschen. MDR-Meteorologe Jörg Heidermann blickt auf das Wetter.

07.05.2021 | 09:30 Uhr

Fr 07.05.2021 09:14Uhr 00:44 min

https://www.mdr.de/nachrichten/deutschland/panorama/video-516196.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video