Waldgipfel in Wörlitz Klöckner will Waldbesitzer für Klimaschutz belohnen

Deutschlands Wälder spielen als CO2-Speicher beim Klimaschutz eine wichtige Rolle. Landwirtschaftsministerin Klöckner kündigte deshalb bei einem Besuch in Sachsen-Anhalt ein Förderprogramm an. In Wörlitz findet am Mittwoch der Waldgipfel statt.

Abgeholzte Bäume liegen in einem Wald im Landkreis Celle.
Viele Wälder haben unter den vergangenen Dürren gelitten. Nun soll der Wald als CO2-Speicher gestärkt werden. Bildrechte: dpa

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner will Waldbesitzer künftig mit einem Förderprogramm dazu motivieren, ihre Wälder besonders klimafreundlich zu bewirtschaften. "Der Wald ist unser bester Mitkämpfer gegen den Klimawandel", sagte die CDU-Politikerin am Mittwoch beim zweiten Nationalen Waldgipfel in Wörlitz in Sachsen-Anhalt. Zuvor hatte sie dort ein Wiederaufforstungsgebiet besucht.

Besonders klimafreundliche Wälder sollen belohnt werden

"Wenn wir CO2-Emissionen einen Preis geben, dann müssen wir umgekehrt auch diejenigen unterstützen, die unseren Wald als maßgeblichen Klimaschützer erhalten, pflegen und bewirtschaften." Klöckner hat in ihrem Ministerium dafür die Bundesinitiative "Klimaschützer Wald" erarbeitet. Das Programm sieht eine zweistufige Förderung vor: Zunächst sollen alle Waldbesitzer, die besonders klimafreundliche Wälder bewirtschaften, einen Sockelbetrag bekommen. Voraussetzung soll ein Nachhaltigkeitszertifikat sein. Die Höhe der Förderung soll sich nach Art und Zustand des Waldes richten.

In einer zweiten Stufe sollen Waldbesitzer, die die CO2-Speicherleistung ihrer Forste weiter ausbauen oder sicherstellen, dass geerntetes Holz in langlebigen Holzprodukten verwendet wird, zusätzlich gefördert werden. Auch diese zusätzliche CO2-Bindung müssen sich die Besitzer zertifizieren lassen. Mit dem Programm solle einerseits die kurzfristige Bindung von C02 und andererseits mittelfristig der Umbau der Wälder gefördert werden, sagte Klöckner. Die Ministerin will ihren Entwurf in Kürze dem Bundeskabinett vorlegen. Ihr Ministerium kläre derzeit unter anderem mit der Europäischen Kommission noch förderrechtliche Fragen.

Waldgipfel: WWF fordert Neuanfang

Auf dem Waldgipfel in Wörlitz wollen Vertreter aus Politik, Forstbranche und Wissenschaft über die Erfahrungen bei der Umsetzung der großen Hilfspakete für Waldbesitzer der vergangenen Jahre beraten. Angesichts massiver Waldschäden durch anhaltende Dürren und Folgeprobleme wie Schädlingsbefall stellten Bund und Länder seit 2019 anderthalb Milliarden Euro zur Verfügung. Diese sind unter anderem für Wiederaufforstungen zerstörter Flächen und Maßnahmen zur Anpassung der Wälder an den Klimawandel vorgesehen.

Bereits im Vorfeld des Waldgipfels forderte die Umweltschutzorganisation WWF einen kompletten Neuansatz in der Forstförderpolitik. Deren Dreh- und Angelpunkt solle nicht länger eine Definition des Walds als "Holzlieferant" sein, erklärte der WWF. Stattdessen solle dessen Funktion als "Kohlenstoffspeicher und Lebensraum" ins Zentrum rücken. Die staatlichen Hilfsprogramme der vergangenen Jahre seien mit Blick auf den Waldumbau "nur bedingt" wirkungsvoll.

Blick auf ein Stück Wald, in dem die meisten Bäume abgestorben sind.
Dürren haben in den vergangenen Jahren für riesige Flächen mit abgestorbenen Bäumen geführt. Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Riesige Flächen müssen neu aufgeforstet werden

Nach Angaben des Bundesagrar- und Forstministeriums müssen in Deutschland 277.000 Hektar aufgeforstet werden, was etwas mehr als der Fläche des gesamten Saarlands entspricht. Der Zustand der deutschen Wälder habe sich in den vergangenen Jahren stark verschlechtert und sei weiterhin "bedrohlich", sagte Klöckner bei der Eröffnung der Nachfolgekonferenz für den ersten nationalen Waldgipfel, den sie im September 2019 initiiert hatte.

Quellen: dpa, AFP

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 02. Juni 2021 | 06:15 Uhr

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