Hörer machen Programm Darum ist Diesel derzeit teurer als Benzin

Die Kraftstoff-Preise gehen gerade durch die Decke. Besonders der Diesel ist zurzeit auf einem Rekordhoch und sogar teurer als Benzin – und das, obwohl er in der Herstellung billiger ist und weniger Steuern darauf entfallen. Das wundert unsere Hörerin Sabine Suhl. Sie will wissen, warum das so ist.

Ein Taxifahrer tankt an einer Tankstelle sein Fahrzeug mit Benzin.
Der Russland-Ukraine-Krieg treibt die Kraftstoffpreise aktuell auf immer neue Rekordhöhen. Bildrechte: dpa

Diese Woche Mittwoch an der Aral-Tankstelle Leipzig: Der Liter Super E10 kostet knapp 2,20 Euro der Liter Diesel knapp 2,32 Euro. Normalerweise liegt der Diesel wegen seiner geringeren Besteuerung unter dem Benzinpreis. Generell treibe der Krieg in der Ukraine die Sprit-Preise nach oben, sagt Alexander von Gersdorff vom deutschen Mineralölwirtschaftsverband, der sich jetzt EN2X nennt. "Insbesondere sind die Dieselimporte aus Russland stark zurückgegangen. Dies ist eine direkte Folge des Angriffskriegs und eine Art Käuferstreik im Westen gegen russisches Öl und russischen Diesel. Dafür gibt es jetzt nicht so schnell Ersatz. Und im Ergebnis sind alle Produkte weiter verfügbar, aber sie sind eben knapper und teurer geworden. Insbesondere Diesel und Heizöl."

Hohe Heizölnachfrage treibt Dieselpreis nach oben

Florian Heuzeroth vom ADAC sieht noch einen anderen Grund für den hohen Dieselpreis: "Wir haben aktuell das Problem, dass gerade noch eine sehr große Heizölnachfrage vorherrscht. Viele Menschen möchten jetzt eben noch mit steigenden Preisen ihre Keller wieder füllen – aus Angst, dass der Preis noch weiter steigen wird. Heizöl und Diesel sind in der Machart vergleichbar. Und daher haben wir diesen extremen Dieselpreis."

Diesel und Heizöl werden im fast gleichen technologischen Verfahren hergestellt. Steigt die Nachfrage nach Heizöl, wird mehr Heizöl hergestellt und weniger Diesel. Damit steigt der Dieselpreis automatisch. Diese Situation haben wir jetzt. Die wachsende Nachfrage führt dazu, dass die Mineralölkonzerne sogenannte Knappheitspreise aufrufen können. Den Konzernen gehören in der Regel die Raffinerien, in denen Rohöl zu Diesel, Benzin und Heizöl veredelt wird.

Diesel auch in Zukunft teurer als Benzin?

Reinhard Houben, wirtschaftspolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, glaubt allerdings, dass die Sprit-Preise mittelfristig wieder sinken werden, doch er gibt zu bedenken: "Wir sollten uns auch über eins im Klaren sein: Dieser Krieg in der Ukraine wird langfristig die Energieversorgung in Deutschland teurer machen. Und am Ende geht es eben auch darum, wie man vielleicht weniger Verbrauch realisieren kann."

Ob aber der Dieselpreis langfristig wieder unter den Benzinpreis fallen wird, ist fraglich. Denn die Ampel-Koalition möchte die geringere Besteuerung von Dieselkraftstoff, das sogenannte Dieselprivileg, abschaffen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 17. März 2022 | 06:00 Uhr

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