Corona Weihnachtsmärkte: Bei Absagen drohen Millionen-Einbußen

Glühwein, Lebkuchen und gebrannte Mandeln sollen dieses Jahr wieder zahlreiche Besucher auf die mitteldeutschen Weihnachtsmärkte locken. Trotz Coronapandemie dürfen Weihnachtsmärkte bisher (Stand: 16.11.), wenn teilweise auch unter strengen Auflagen, stattfinden. Drohen allerdings flächendeckend Absagen, könnten die wirtschaftlichen Schäden in die Millionen gehen.

Ein Weihnachtsmann mit Mundschutz hängt als Christbaumkugel an einem Weihnachtsbaum vor dem Brandenburger Tor.
Auch die Weihnachtssaison 2021 steht im Zeichen der Coronapandemie. Bildrechte: dpa

Bisher sah es so aus, als könnten die mitteldeutschen Weihnachtsmärkte dieses Jahr stattfinden. Doch angesichts steigender Infektionszahlen wächst die Sorge. Als erster sprach sich der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer für eine allgemeine Absage der Weihnachtsmärkte aus.

Dennoch pochen viele Organisatoren, häufig Städte und Gemeinden, auf die Einhaltung der Zusagen ihrer Landesregierungen. So äußerten der Dresdner Oberbürgermeister Dirk Hilbert und sein Chemnitzer Amtskollege Sven Schulze in einem gemeinsamen Statement: "Die Marktveranstalter, egal ob kommunal oder privat, haben enorme Anstrengungen unternommen, um Weihnachtsmärkte unter Corona-Bedingungen zu planen und zu organisieren. […] Fakt ist, dass die Corona-Schutzverordnung eine Absage derzeit nicht rechtfertigt."

Weihnachtsmärkte als Besuchermagneten

Nicht zuletzt bei den Ausrichtern der großen und überregional bekannten Märkte liegen seit Tagen die Nerven blank. Denn Weihnachtsmärkte sind ein bedeutsamer Wirtschaftsfaktor. Die Märkte ziehen jedes Jahr viele Millionen Besucher an. Laut einer Studie im Auftrag des Deutschen Schaustellerbundes von 2018 besuchen rund 80 Prozent aller Deutschen zwischen 14 und 70 Jahren einmal im Jahr einen der geschätzt 3.000 Weihnachtsmärkte. Durchschnittlich kommt jeder Deutsche auf rund drei Marktbesuche pro Saison. Insgesamt sind das rund 160 Millionen Besuche jährlich.*

Wirtschaftsfaktor Weihnachtsmarkt

In der Vorweihnachtszeit werden von Schaustellern und Markthändlern wie etwa Kunsthandwerkern auf deutschen Weihnachtsmärkten rund drei Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftet. Diese Schätzung resultiert aus dem Ergebnis einer Online-Panel-Befragung innerhalb der Studie im Auftrag des Deutschen Schaustellerbundes.* Dieser zufolge gaben Besucherinnen und Besucher pro Weihnachtsmarktbesuch durchschnittlich 18 Euro aus.

Umsätze auf großen mitteldeutschen Märkten

Ausgehend von der Durchschnittssumme von 18 Euro, die Besucher und Besucherinnen pro Besuch ausgeben, und den Besucheraufkommen in 2019 schätzt die MDR-Wirtschafstredaktion die Umsatzzahlen auf den größten mitteldeutschen Märkten wie folgt: Demnach wurden auf dem Leipziger Weihnachtsmarkt mit über 2,5 Millionen Besuchern rund 45 Millionen Euro ausgegeben. Auf dem Erfurter Markt waren es bei 2,2 Millionen Besuchern rund 39 Millionen Euro. Zum Striezelmarkt in Dresden und dem Magdeburger Weihnachtsmarkt kamen jeweils über zwei Millionen Weihnachtsfans. Das spülte je Markt rund 36 Millionen Euro in die Kassen von Händlern und Schaustellern.

Öffnungen mit Einschränkungen

Auch aufgrund der wirtschaftlichen Bedeutung der Märkte im Freistaat hatte die Landesregierung in Sachsen schon weit im Voraus detaillierte Festlegungen für solche Großveranstaltungen getroffen. Trotz verschiedener Einschränkungen soll auf allen  Corona-Eskalationsstufen die Durchführung von Märkten möglich sein. In Sachsen-Anhalt sieht die aktuell gültige Corona-Verordnung sogar vor, Weihnachtsmärkte für den Publikumsverkehr bis auf eine Maskenpflicht in bestimmten Bereichen ohne Auflagen zu öffnen. In Thüringen wird nach aktueller Auskunft des Thüringer Gesundheitsministeriums nach einem entsprechenden Kabinettsbeschluss für Weihnachtsmärkte die 2G-Reglung gelten. Dann wären die Märkte mit bestimmten Ausnahmen nur für Geimpfte und Genesene zugänglich.**

Einzelne Märkte bereits abgesagt

Bereits jetzt haben aufgrund des Risikos und des Aufwands für eine sichere Organisation vereinzelt Veranstalter kleiner und mittelgroßer Märkte die Reißleine gezogen. Zuletzt wurden die Weihnachtsmärkte auf der Wartburg und in Jena abgesagt. Vertreter der Schaustellerbranche warnen vor den Folgen erneut abgesagter Weihnachtsmärkte. "Es ist unerträglich, im zweiten Winter in Folge den Kopf für Versäumnisse des Sommers hinzuhalten. Die Schaustellerinnen und Schausteller, aber auch die von der Verödung bedrohten Innenstädte brauchen die Weihnachtsmärkte zum Überleben", sagt Albert Ritter, Präsident des Deutschen Schaustellerbundes. Aufgrund der Vielzahl bereits erfolgter Absagen müssten die wirtschaftlichen Hilfen für die besonders hart von der Pandemie betroffene Schaustellerbranche bis in das Jahr 2022 hinein verlängert werden.

Änderungen der Corona-Schutzverordnungen möglich

Ab dem 26. November könnte sich die Verordnungslage erneut ändern. Denn nach Absprache der möglichen Ampel-Koalition soll zum 25. November die "epidemische Notlage von nationaler Tragweite" auslaufen. Diese gilt nach einem Beschluss des Bundestages zum Zwecke der Bekämpfung der Corona-Pandemie und bildet die Rechtsgrundlage für viele Corona-Beschränkungen. Die Kommunen könnten dann theoretisch auch für die Durchführung von Weihnachtsmärkten mehr Spielraum fordern. In Anbetracht der aktuellen Infektionszahlen und Bettenauslastung in den Krankenhäusern bleibt das allerdings fraglich.

Anmerkungen

*Die Studie wurde 2018 von der IFT Freizeit- und Tourismusberatung GmbH im Auftrag des Deutschen Schaustellerbundes durchgeführt. Die IFT Freizeit- und Tourismusberatung GmbH ist als Beratungsunternehmen im Bereich der Tourismuswirtschaft für öffentliche und private Auftraggeber tätig.
**Kinder und Jugendliche sind teilweise von der 2G-Regel ausgenommen.

Quelle: MDR Wirtschaftsredaktion/dv

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Umschau | 16. November 2021 | 20:15 Uhr

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