Industrie erholt sich Deutlich weniger Kurzarbeit im zweiten Lockdown

MDR-Wirtschaftsjournalist Ralf Geißler
Bildrechte: Ralf Geißler

Hunderttausende Menschen sind in der Corona-Krise arbeitslos geworden. Trotzdem gingen weit weniger Jobs verloren als befürchtet. Das liegt maßgeblich an der Kurzarbeit. Unternehmer können diese für ihre Beschäftigten bei der Arbeitsagentur beantragen. Dann übernimmt der Staat einen Teil der Lohnkosten, bis die Auftragslage wieder besser ist. Doch wie viel pandemiebedingte Kurzarbeit gibt es noch?

Fahnen der Agentur für Arbeit
Die Arbeitsagenturen melden deutlich weniger Anträge auf Kurzarbeit als im ersten Lockdown. Bildrechte: dpa

Bei Volkswagen in Zwickau läuft die Produktion auf Hochtouren. Regelmäßig verschickt VW Erfolgsmeldungen aus dem sächsischen Werk: Umbau der zweiten Montagehalle, Drei-Schicht-Betrieb, neue Modelle. Die Corona-Pandemie wirkt da fast wie eine vergessene Episode.

Und tatsächlich gebe es in der gesamten Autobranche nur noch wenig Kurzarbeit, sagt Jens Katzek vom Automotive Cluster Ostdeutschland: "Bei der ersten Corona-Welle hatten wir ein völliges Schließen der Werke, weil Teile aus China nicht kamen." Deshalb habe die Produktion vollkommen stillgestanden. Doch das sei heute anders: Es werde produziert und die Wertschöpfungskette stehe. "Und das bedeutet eben tatsächlich weniger Kurzarbeiter."

Karteireiter mit der Aufschrift Kurzarbeitergeld. 1 min
Bildrechte: imago images / Jens Schicke

Durch den Lockdown ist die Wirtschaft zweigeteilt

Auch in der Gesamtwirtschaft spielt Kurzarbeit derzeit eine viel geringere Rolle als im ersten Lockdown. Das zeigen Zahlen der Arbeitsagenturen in Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt. Auf dem Höhepunkt des ersten Lockdowns im vergangenen April wurde bei ihnen für rund 600.000 Beschäftigte Kurzarbeit beantragt. Im zweiten Lockdown gab es in Dezember und Januar zusammen nicht einmal 200.000 Anträge.

Markus Behrens, Geschäftsführer der Arbeitsagentur für Sachsen-Anhalt und Thüringen, sieht dafür als Hauptgrund, dass im ersten Lockdown im Frühjahr 2020 noch sehr viele Branchen von den Auswirkungen der Pandemie betroffen gewesen seien. "Während wir jetzt aktuell insbesondere durch die Schließung des Handels, der körpernahen Dienstleistungen und des Hotel- und Gaststättengewerbes eine gewisse Begrenzung auf ausgewählte Branchen haben, die die Kurzarbeit in Anspruch nehmen."

Während die einen mit ihren Hotels und Restaurants fast gar nichts mehr verdienen, geht es den anderen zunehmend besser. Oliver Holtemöller vom Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle spricht von einer zweigeteilten Wirtschaft. Die Industrie habe immer weniger Grund zur Klage: "Im verarbeitenden Gewerbe, also der Industrie, ist die Situation eigentlich recht gut." Das hänge auch damit zusammen, dass die internationale Konjunktur sich sehr positiv entwickle. "Der Außenhandel mit China läuft gut. Die Konjunktur mit den USA läuft auch vernünftig. Das hilft allen Unternehmen, die international aufgestellt sind."

Hälfte der Unternehmen setzt immer noch Kurzarbeit ein

Der ostdeutsche Maschinenbau, der Firmen im In- und Ausland ausrüstet, sieht sich irgendwo zwischen Katastrophe und Aufbruch. Tatsächlich habe sich die Auftragslage zuletzt gebessert, sagt Verbandspräsident Oliver Köhn – und schickt ein Aber hinterher: "Wir sind im Moment immer noch ein ganzes Stück davon entfernt, wieder unter Volllast zu laufen. Wir haben nach wir vor eine ganze Reihe an Unternehmen, die Kurzarbeit einsetzen." In der letzten Konjunkturumfrage seien das immer noch 51 Prozent der Unternehmen gewesen.

Die Tendenz sei allerdings rückläufig: "Im dritten Quartal 2020 waren es noch 61 Prozent der Unternehmen." Und so resümiert auch Köhn, es gebe Grund zur Hoffnung. Insolvenzen habe es in seiner Branche jedenfalls bislang kaum gegeben. Die meisten Firmen hätten ihre Beschäftigten dank Kurzarbeit und nun verbesserter Auftragslage irgendwie gehalten.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 02. März 2021 | 06:09 Uhr

12 Kommentare

ElBuffo vor 5 Wochen

Oder (vorzeitig) in Rente oder in einer schicken Umschulung. So ganz wird der Fokus auf die eine oder andere Zahl nicht Licht ins Dunkle bringen können.

faultier vor 5 Wochen

Weil es anscheinend ja keine Probleme auf dem Arbeitsmarkt und bei den insolvenzen gibt es doch wirklich ein leichtes nochmal vier Wochen Lockdown dranzuhängen ,ein Makel hat die Sache aber Leider die Zustimmungswerte für diesen Lockdown und die Zufriedenheit mit Merkels Coronapolitik rauschen gerade in den Keller ,aber was solls bis zu den Wahlen haben das alle vergessen .

Peter vor 5 Wochen

Sonnenseite: Sie haben eine Frage gestellt. Ich habe eine Antwort, besser gesagt, einer der omnipräsenten User hat sie vorgestern gegeben: Bei den sogenannten Corona-Demos von Quedenken, AfD & Co. sind keine Arbeitslosen auf der Straße.
Die Demonstranten haben auch herzlich wenig mit den Arbeitslosen am Hut.
Besagter User hat eine eindeutige Antwort auf die Frage gegeben: Was bezwecken die Demonstranten? Sie wollen lediglich die "Staatsmacht vorführen".

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