Diesel-Skandal Winterkorn zahlt Rekord-Schadenersatz an VW

Der frühere VW-Konzernchef Martin Winterkorn und drei weitere ehemalige Topmanager zahlen wegen des Dieselskandals eine Rekord-Entschädigung an Volkswagen. Die vereinbarte Summe liegt bei 288 Millionen Euro. Den Großteil der Summe tragen die Versicherungen der Manager.

Diesel vor VW-Konzernzentrale in Wolfsburg
Im Diesel-Skandal geht es um gefälschte Abgaswerte an Dieselmotoren. Bildrechte: imago images / Jan Huebner

Es sei mit Abstand die höchste Summe, die ein solches Konsortium jemals auf den Tisch gelegt habe, heißt es aus den Kreisen der Unterhändler. Die Grundsatzentscheidung, den ehemaligen VW-Chef Martin Winterkorn und drei weitere ehemals hochrangige Manager nach dem Diesel-Skandal finanziell zur Mitverantwortung zu ziehen, war bereits Ende März gefallen. Am Mittwoch kam es zu einer Einigung: 288 Millionen Euro Schadenersatz.

Winterkorn muss davon aus seinem privaten Vermögen 11,2 Millionen Euro zahlen. Der frühere Audi- und VW-Chef Rupert Stadler soll 4,1 Millionen Euro überweisen. Bei Stadler und Winterkorn geht es um die Verletzung aktienrechtlicher Sorgfaltspflichten. Der frühere Porsche-Vorstand Wolfgang Hatz soll 1,5 Millionen Euro zahlen, der ehemalige Audi-Manager Stefan Knirsch eine Million Euro.

Versicherungen tragen den Löwenanteil

Den Hauptteil tragen allerdings darauf spezialisierte Haftpflichtversicherungen der Manager. Dieser Hauptteil summiert sich nach Angaben von VW auf insgesamt 270 Millionen Euro. An den Verhandlungen waren neben den Anwälten der einstigen Manager mehr als 30 Versicherer beteiligt. VW hatte auch von Ex-Entwicklungschef Ulrich Hackenberg Schadenersatz verlangt. Dieser sei aber "nicht zu einer Einigung bereit", weshalb nun "gerichtliche Schritte" gegen ihn vorbereitet werden sollen, hieß es.

Nach dem Auffliegen der Stickoxid-Manipulationen an Dieselmotoren in den USA im Herbst 2015 kam es weltweit zu Verfahren. Auch Strafjustiz und Verbraucherschützer befassten sich mit dem Ursprung des Skandals, der den VW-Konzern bisher weit über 30 Milliarden Euro kostete.

Trotzdem Anklage gegen Winterkorn

Unabhängig von der Einigung hat die Berliner Staatsanwaltschaft Anklage gegen Winterkorn erhoben. Wie die Behörde bestätigte, soll ihm der Prozess wegen uneidlicher Falschaussage gemacht werden. Es handle sich um den Auftritt des Managers vor dem Abgas-Untersuchungsausschuss des Bundestages im Januar 2017. Damals hatte Winterkorn bestritten, vor Bekanntwerden des Dieselskandals im September 2015 von den Manipulationen gewusst zu haben. Der "Bild"-Zeitung zufolge hat die Staatsanwaltschaft jedoch Beweise, wonach Winterkorn schon im Mai 2015 von den illegalen Abschalteinrichtungen erfahren haben soll.

Quelle: dpa/Reuters

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 09. Juni 2021 | 13:30 Uhr

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