Glasscherben einer grünen Flasche auf einem Zierrasen
Können Glasscherben wirklich als Brennglas dienen? Bildrechte: imago/blickwinkel

Faktencheck Können Glasscherben Waldbrände auslösen?

Wenig Regen, hohe Temperaturen: Die Waldbrandgefahr ist aktuell sehr hoch. Neben Brandstiftung werden oft brennende Zigarettenstummel oder Funkenschlag als Ursache für solche Brände genannt. Aber auch Glasscherben, so heißt es, können zu Waldbränden führen. Doch stimmt das überhaupt?

von Carolin Fröhlich, MDR AKTUELL

Glasscherben einer grünen Flasche auf einem Zierrasen
Können Glasscherben wirklich als Brennglas dienen? Bildrechte: imago/blickwinkel

Dass herumliegende Glasscherben zu Waldbränden führen können, lernt man schon im Kindesalter. Oft geht die Erkenntnis mit einem Experiment einher: Man nehme eine Lupe und ein Stück trockenes Holz, lasse die Sonne direkt durch die Lupe auf das Holz scheinen und nach kurzer Zeit fängt das Holz an zu qualmen.

Der Brennglaseffekt

Das sei der sogenannte Brennglaseffekt, sagt Marius Grundmann, Professor für Halbleiterphysik an der Uni Leipzig. Sonnenstrahlen kämen parallel an, und in dem Glas würden sie dann von links und rechts in den Brennpunkt zusammengeleitet.

Zwei Feuerwehrleute stehen vor einer Flammenwand in einem Waldstück bei Schönbrunn nahe Bischofswerda.
Hier brennt ein Waldstück bei Schönbrunn. Bildrechte: MDR/Rocci Klein

"Dann kommt es drauf an, wie gut diese Optik ist, ob dieser Brennpunkt ein sehr kleiner Punkt ist, das bedeutet, dass sehr viel Energie auf dieser kleinen Fläche ist. Und diese Konzentration des Sonnenlichts reicht dann grundsätzlich aus, um den Flammpunkt zu erreichen und um trockenes Material zu entzünden", erklärt Grundmann.

Glasscherben als Brennglas? Nicht bewiesen

Dass Glasscherben wie eine Art Lupe funktionieren können, erscheint also recht logisch. Bewiesen ist das Phänomen allerdings nicht. Manche Wissenschaftler sprechen gar von einem Irrglauben, denn es gibt nur wenige Studien zum Thema. Und die Untersuchungen, die es gibt, sprechen eher dagegen.

So wurde 2006 in Braunschweig eine Versuchsreihe unter optimalen Bedingungen durchgeführt: bei Mittagshitze im Juni, dem idealen Abstand, in dem das Licht fokussiert ist, und sehr trockenem Streumaterial. Und dennoch kam es bei mehr als 100 Versuchen nicht zu einer Entzündung.

Theoretisch könnte es aber dazu kommen, sagt Physiker Grundmann. Durch Konzentration des Sonnenlichts könnte ein Brand grundsätzlich entstehen. "Ob das unter realistischen Bedingungen mit irgendwelchen Scherben passiert, ist eher unwahrscheinlich, aber es ist einfach nicht auszuschließen."

Gefüllte Wasserflaschen gefährlicher als Scherben

Die wenigen Studien zeigen: Etwas größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass anstelle von Scherben ganze Flaschen zu einer Brandentstehung beitragen können, vor allem, wenn sie mit Wasser gefüllt sind.

Marcel Bolz, Feuerwehrmann bei der Ortsfeuerwehr Rußdorf in Limbach-Oberfrohna, hatte im vergangenen Jahr ein Experiment mit einer Plastikflasche dazu unternommen.

Sommer im Siegerland, eine Frau steht im Schatten eines Baumes und trinkt Wasser aus einer Flasche, die Sonne scheint vom blauem Himmel durch den Baum.
Scheint das Licht im richtigen Winkel, kann eine gefüllte PET-Flasche einen Waldbrand auslösen. Bildrechte: imago images / Rene Traut

Im Urlaub habe er mit seinem Sohn einen Waldbrand beobachtet. Anschließend habe der Sohn gefragt, wie so ein Brand entstehen könne? Dabei seien sie auf eine PET-Flasche gekommen, die sie mit Wasser gefüllt und auf den Boden gelegt hätten. Etwa acht Minuten später seien die Sonnenstrahlen so gebündelt gewesen, dass sich trockenes Gras in der Nähe entzündet habe.

"Als dann noch ein bisschen Wind dazu kam, wurde daraus ein kleiner Brand, den wir natürlich gleich wieder gelöscht haben," erklärt Feuerwehrmann Bolz. Aber es könne schnell gehen, warnt er. Sein Beweisfoto wurde auf Facebook fast vier Millionen Mal angesehen und zeigt, dass es immerhin möglich ist, dass so ein Brand entsteht.

Brille und Blechbüchse gefährlicher als Glas

Viel gefährlicher sind laut Meinung des Feuerwehrmanns aber andere Gegenstände, die sich auf dem Boden befinden:

rostige Blechdose in den Duenen, Niederlande
Dies Blechbüchse reflektiert kein Sonnenlicht mehr. Bildrechte: imago/blickwinkel

Blechbüchsen reflektieren sehr stark. Noch ein Beispiel wäre die normale Lesebrille: Wenn die Sonne in der richtigen Einstellung darauf scheint, wenn das Licht gebündelt wird und der Wind anfeuert, dann kann schnell ein Schwelbrand daraus werden, wenn man es nicht zeitig genug bemerkt.

Marcel Bolz Feuerwehrmann

Auch hier gilt: Genau wie Glasscherben sind diese Gegenstände im Wald meist zu dreckig, um das Licht ausreichend zu bündeln. Sie sind oft auch nicht permanent der Sonne ausgesetzt und im optimalen Abstand, um als Brennglas zu funktionieren. Ausschließen kann man das jedoch nicht.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 12. Juli 2019 | 06:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Juli 2019, 05:00 Uhr