Wasser sprudelt aus einem Wasserhahn in ein Glas
Wasser aus der Leitung ist nicht nur umweltfreundlicher als das aus Flaschen, sondern meist auch qualitativ sehr gut. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Faktencheck Faktencheck: Wasser aus der Leitung oder der Flasche?

Bundesumweltministerin Svenja Schulze hat Anfang der Woche ihren Fünf-Punkte-Plan vorgestellt. Neben vermeidbarem Verpackungsmüll geht es vor allem auch um das Thema Wasser. Nach Meinung von Ministerin Schulze ist es in Deutschland in der Regel unnötig, Wasserflaschen für den heimischen Verzehr zu kaufen. Doch ist das wirklich so? Fehlt es dann nicht an Mineralien - und was ist mit der Hygiene?

von Alexandra Prinz-Klause, MDR AKTUELL

Wasser sprudelt aus einem Wasserhahn in ein Glas
Wasser aus der Leitung ist nicht nur umweltfreundlicher als das aus Flaschen, sondern meist auch qualitativ sehr gut. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Heiko Schulze ist Bereichsleiter Betriebslabor bei den Leipziger Wasserwerken. Er verweist darauf, dass die Verantwortung des Trinkwasserversorgers praktisch beim Wasserzähler des Kunden endet. Der sei in der Regel im Keller des Gebäudes angebracht beziehungsweise in einem davor gelagerten Trinkwasserschacht, wo praktisch die Übergabe des Trinkwassers stattfinde.

Die richtige Flasche ist wichtig

Damit die gute Qualität des Trinkwassers auch einwandfrei und keimfrei in der Flasche oder Karaffe ankommt, müssen nach Ansicht von Heiko Schulze ein paar Punkte beachtet werden, denn die Entfernung von Wasserzähler zu Wasserhahn kann sehr unterschiedlich sein.

Am besten ist, dass man das Wasser vor dem Abfüllen noch ein bisschen laufen lässt, bis es kühl ist. Letzten Endes ist es auch wichtig, dass die Flasche oder Karaffe geeignet ist.

Heiko Schulze, Bereichsleiter Betriebslabor Leipziger Wasserwerke

Soll heißen, die Flasche sollte eine glatte Oberfläche haben, ohne Unebenheiten oder Dichtungen und sich gut reinigen lassen. Wenn Wasserablauf und Reinigung beachtet würden, habe er keine Bedenken wegen der Hygiene, sagt der Laborexperte.

Viel Kalzium im Leitungswasser

Etwa 8.000 Proben werden jährlich von den Leipziger Wasserwerken kontrolliert – auch mit Blick auf den Mineraliengehalt. So sind im Leipziger Wasser zum Beispiel 40 bis 100 Milligramm Kalzium pro Liter enthalten, und das ist mehr als auf mancher Getränkeflasche zu lesen ist. So steht auf dem Etikett der Literflasche Volvic: zwölf Milligramm Kalzium pro Liter. Das bestätigt auch Dietrich Borchardt, der Forschungsleiter für Wasserressourcen beim Helmholtzzentrum für Umweltforschung in Magdeburg.

Borchardt erklärt, das Trinkwasser komme aus den Urgestein, aus tiefsten Schichten, die mineralarm sind. Aber gerade Kalzium sei in Leipzig natürlicherweise im Wasser, ergänzt Borchardt, da das Leipziger Wasser aus eher kalkhaltigen Böden komme.

Trinkwasser statt Wasserflaschen

Die Vielfalt der Mineraliengehalte in Deutschland sei sehr hoch, berichtet Borchardt. Es gebe Wasser aus Sandgebieten, aus Vulkangestein oder auch eben aus vielen kalkhaltigen Böden. Mineralien im Trinkwasser seien also ausreichend vorhanden. Wasserflaschen für den täglichen Gebrauch zu kaufen, hält Borchardt ebenso wie Umweltministerin Schulze für absolut nicht notwendig.

Der Verband Deutscher Mineralbrunnen wollte sich auf Anfrage von MDR AKTUELL nicht äußern.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 30. November 2018 | 05:26 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 30. November 2018, 05:00 Uhr

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15 Kommentare

02.12.2018 18:17 Karen 15

Trinkt nur euer Leitungswasser, ich nehme das aus den "Quellen" der Trinkwasserunternehmen. Im Vergleich zu dem Leitungswasser, würde ich sogar ehr die sogenannten "Mikropartikel" in Wasserflaschen bevorzugen. Warum? Ganz einfach. Vorab ich arbeite in einem hiesigen Wasserwerk, in welchem wir, Tag für Tag, versuchen den Mist aus dem Wasser zu bekommen. Das gelingt jedoch nicht bei z.B. Medikamenten, um nur eine Gruppe zu nennen, durch die, wenn danach das Leitungswasser untersucht werden würde, nicht mehr als Trinkwasser durchgehen würde. Die Mengen, der Anteil der Medikamente, z.B. die Wirkstoffe aus der Antibabypille, verschiedensten Krebsmitteln, um nur 2 zu nennen, an. Diese Mittelchen gehen einfach nicht raus, übrigens auch nicht durch abkochen. Daher verwenden wir für Kaffee und die Zubereitung von Speisen, Wasser aus Trinkwasserflaschen. Also, Prost.

01.12.2018 20:52 Stealer 14

Grundsätzlich kann man Leitungswasser zumeist ohne Probleme trinken, das ist schon richtig. Allerdings ist der Verweis auf die Hygiene und die Leitungen schon wichtig. Die Zusammensetzung ist regional zudem auch sehr unterschiedlich und es finden sich in landwirtschaftlich genutzten Gebieten durchaus auch Rückstände von unerwünschten Stoffen. Insbesondere bei Kleinkindern würde ich mich vorher informieren.

Ich kaufe durchaus Wasserflaschen (Glas) für den heimischen Gebrauch, allerdings nur Heilwasser mit einer für mich günstigen Zusammensetzung, die es so im hiesigen Leitungswasser nicht gibt.

01.12.2018 18:44 Sabrina 13

Habe ich mal zwei Wochen nicht sauber gemacht, dann ist es dort, wo das Wasser hin tropft, rötlich von dem Kupfer aus der Armatur.

Wo ermittelt man doch gleich die Qualität des Trinkwassers? - Offensichtlich nicht in den Wohnungen, wo man es der Leitung entnimmt.

Leitungswasser sollte man eine Weile laufen lassen, bevor man trinkt.

01.12.2018 14:08 Armin Westenhöfer 12

In Zeiten wo noch nicht einmal mehr der Regierungsflieger funktioniert ,sol ich auf eine 100%ige Trinkwasseraufbereitung bauen? Die Filteranlagen sind derart aufwendig und teuer ,daß nur die nötigsten Parameter herausgefiltert werden um des akuten Schaden von der Bevölkerung abzuwenden.Auf Dauer trinkbar ist das nicht.

01.12.2018 11:17 part 11

Manches Mineralwasser wartet mit erhöhten Uran- Werten auf den Verbaucher, besonders aus Vulkangestein. Manchen Wasser aus Oberflächengewässern ist indess nicht besser aufgestellt, dazu gibt es die entsprechenden Untersuchungen, über die sich jeder selbst ein Bild machen kann. Die größte Menge das Leitungswassers stammt jedoch aus Oberflächengewässern, das so manche Keimbelastung erfährt oder als Hundebadewanne genutzt wird beim Waldspaziergang. Ich trinke mein Wasser daher lieber aus ausgewählten Mineralquellen, auch wenn es etwas mehr kostet. Unabgekocht oder unvergoren würde ich Leitungswasser niemals trinken.

30.11.2018 22:40 Wassertrinker 10

Ich trinke seit vielen Jahren täglich Leitungswasser. Ich bin gesund und mir geht es gut und ich habe sicher schon eine Menge Geld gespart. Ich wohne aber im Raum Saalfeld und nicht in Niedersachsen. Leitungswasser ist sicher nicht überall in Deutschland unbedenklich.

30.11.2018 14:04 Ureinwohner 9

Nach Meinung von Ministerin Schulze ist es in Deutschland in der Regel unnötig, Wasserflaschen für den heimischen Verzehr zu kaufen. Eine gewiss nicht unwichtige Feststellung und die Claqueure klatschen dazu.

30.11.2018 13:38 reiner202 8

Die Frau Svenja Schulze soll mal nach Haar in Bayern fahren und Wasser aus der Leitung trinken. Da kann sie gleich den Notarzt mitnehmen ,denn die Adern die das Blut durchlassen sind verkalkt.

30.11.2018 12:01 mattotaupa 7

@#4: "natürliches Mineralwasser ist per Definition ein reines Naturprodukt!" solange sie es in der erde lassen. sobald es leitungen/pumpen/abfüllanlagen/filter passiert hat, ist es auch nicht mehr rein natürlich. "Mikroplastik im Leitungswasser wird zunehmen" sie meinen die anteile von plastik, lösungsmitteln, weichmachern, reinigungsmitteln in plastikflaschen (oder glasflaschen mit plastikdeckeln) ist konstant und somit besser? also kirche im dorf lassen und nicht so offensichtlich die werbetrommel der wasserflaschenverkäufer rühren. es kann wohl kaum "gesund" sein, französisches wasser durch die halbe welt zu karren und allgemein die weltweite senkung des grundwasserspiegels um von konzernen ausgepumpten quellen herum zu unterstützen.

30.11.2018 11:10 Wassermann 6

Ich sehe es genauso wie Wassernixe @4. Im Einzelfall kommt es noch sehr darauf an, welche Installationen im Haus selbst verbaut sind. Bleileitungen dürften dabei sicher nur noch vereinzelt ein Problem darstellen. In unserem Haus sind bspw. vorrangig Zinkrohre verbaut In vielen neuen Häusern und bei Sanierungen setzt man heute auf Mehrschichtverbundrohre, die aus ALUMINIUM und KUNSTSTOFF bestehen - gibt es hier eigentlich schon Langzeitstudien oder holt man sich eventuell langfristig Gesundprobleme ins Haus (siehe Asbest: erst hui - später pfui)??? PS: Schon im Mittelalter wusste man dass ein Glas Bier sauberer und gesünder als ein Glas Wasser ist. In dem Sinne: Prost ;-)