Coronavirus Diskussion über Impfbereitschaft bei Ärzten und Pflegekräften

Während in Deutschland die ersten Impfungen gegen das Coronavirus verabreicht werden, diskutieren viele über die Impfbereitschaft. Umfragen zeigen, dass diese in der Bevölkerung nicht so hoch ist. Besonders auffällig: Auch einige Ärzte, Pflegekräfte und anderes medizinischen Personal wollen sich nicht impfen lassen. Pflegeverbände und Ärztekammern appellieren an die Vorbildfunktion ihrer Mitglieder.

Eine Person erhält eine Impfspritze.
Medizinisches Personal steht der Corona-Impfung teilweise zurückhaltend gegenüber. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Rund die Hälfte der Pflegekräfte und ein Viertel der Ärztinnen und Ärzte, wollen sich momentan nicht impfen lassen – das ist das Ergebnis einer Umfrage der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin. Deren Präsident Uwe Janssens sagt, vor allem die Sorge vor Langzeitfolgen stehe dabei im Zentrum.

Wir haben einen Impfstoff, der rasend schnell entwickelt worden ist, wir haben einen Impfstoff, der so noch nie verimpft worden ist.

Uwe Janssens, Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin

Die Technik mit der Messenger-RNA sei tatsächlich neu, sagt Janssen, sie sei aus seiner Sicht sensationell, aber wecke natürlich Ängste, die es jetzt aufzulösen gelte. Begründet seien diese Ängste nämlich nicht. Viele hätten ihm auch gar nicht genau sagen können, was der Grund für ihre Skepsis sei.

Appell an Vorbildfunktion

Die Kampagnen von Impfgegnern wirkten eben teilweise auch bei medizinischem Personal, sagt Erik Bodendieck, der Präsident der sächsischen Ärztekammer. Neue Dinge führten immer zu Skepsis, das sei völlig normal und es sei auch völlig berechtigt, entsprechende Fragen zu stellen: Funktioniert das denn? Die hier vorgebrachten Argumente ließen sich in vielerlei Hinsicht doch deutlich entkräften, wenn man sich etwas näher mit dem Thema der zur Verfügung stehenden Impfungen beschäftige. Genau das erwartet Bodendiek aber von seinen Kollegen und appelliert an die Vorbildfunktion.

Ich kann den Kollegen nicht verbieten, ihre Meinung zu sagen, aber ich erwarte von den Kolleginnen und Kollegen, dass sie sich eben mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen auseinandersetzen.

Erik Bodendieck, Präsident Sächsische Ärztekammer
Mitarbeiterinnen der Pflege in Schutzausrüstung betreut einen Corona-Patienten.
Mitarbeiterinnen der Pflege in Schutzausrüstung betreuen einen Corona-Patienten. Bildrechte: dpa

Laut Bodendieck sagen die wissenschaftlichen Erkenntnisse im Moment, dass es keinen Grund gibt, sich nicht impfen zu lassen. Bei einigen Ärzten gebe es außerdem das Gefühl, dass ihnen schon nichts passiere, weil sie durch ihr Fachwissen und entsprechende Schutzausrüstung vor Infektionen gefeit seien. So würden manche auch die Grippeschutzimpfung nicht wahrnehmen, sagt Bodendieck. Er glaube aber, dass die Bereitschaft noch steigen werde, wenn immer mehr Menschen erfolgreich gegen Covid geimpft worden seien.

Vorsichtiges Abwarten

Auch bei ihren Pflegekräften seien noch einige zurückhaltend, sagt Margit Benkenstein, Vorsitzende der Thüringer Landesgruppe im Bundesverband Privater Anbieter sozialer Dienste. Das sei aber keine generelle Impfskepsis, sondern eher ein vorsichtiges Abwarten: "Wir motivieren natürlich unsere Mitarbeiter, dass sie sich impfen lassen möchten, und jeder geimpfte Mitarbeiter senkt das Risiko in den Einrichtungen", sagt Benkenstein. Es sei aber ein freiwilliges Angebot und sie könne da nur an die Vernunft eines jeden appellieren.

Erfahrung mit Covid-Patienten erhöht Impfbereitschaft

Das tut auch Michael Junge vom sächsischen Pflegerat. Er hat den Eindruck: Wer direkt mit Covid-Patienten zu tun hat, ist auch eher bereit, sich impfen zu lassen. Junge zufolge sind Kolleginnen und Kollegen, die sehr direkt Erfahrungen mit der Erkrankung gemacht haben, auch mit den dramatischen Verläufen, sehr wohl und sehr schnell bereit, sich impfen zu lassen.

Ein Mann liegt an einem Beatmungsgerät von Dräger.
Wer direkt mit Covid-Patienten zu tun hat, ist auch eher bereit, sich impfen zu lassen. Bildrechte: dpa

Man habe eine Verantwortung gegenüber den Pflegebedürftigen – und auch die Arbeitsfähigkeit der Einrichtungen müsse gewahrt bleiben, sagt Junge. Das sei wichtig und eines der wichtigsten Werkzeuge, um jetzt auch schneller aus der Pandemiesituation herauszukommen und wieder in sicheres Fahrwasser in den Einrichtungen zurückkehren zu können. Deshalb, so Junge, appelliere er eindringlich an seine Kollegen, mit gutem Beispiel voranzugehen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 04. Januar 2021 | 06:05 Uhr

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