Türkei-Offensive gegen Kurden Offenbar Hunderte IS-Angehörige in Nordsyrien geflohen

Die Kurden hatten gewarnt: Wenn die türkische Armee in Syrien vordringt, könnten zahlreiche in kurdischen Gefängnissen sitzende IS-Terroristen freikommen. Nun sind offenbar Hunderte Angehörige der Dschihadisten geflohen.

Flüchtlingslager Ain Issa in Syrien.
Flüchtlingslager Ain Issa in Syrien (Archivbild) Bildrechte: dpa

Fast 800 Angehörige von Mitgliedern der Terrormiliz IS sollen aus einem Lager in Nordsyrien geflohen sein. Kurdische Behörden erklärten, 785 Frauen und Kinder seien nach Luftangriffen der türkischen Armee aus der Einrichtung in Ain Issa geflüchtet. Ähnliche Angaben machte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte, die ihren Sitz in London hat. 

Tausende IS-Dschihadisten in kurdischen Gefängnissen

Frauen sprechen mit Wachen vor dem Tor, das den Abschnitt für ausländische Familien abschließt, die im sogenannten "Kalifat" des IS lebten, im Lager al-Hul.
In kurdischen Lagern sitzen Tausende Angehörige von IS-Kämpfern Bildrechte: dpa

In den von Kurden kontrollierten Lagern in Nordsyrien sind Tausende ausländische Angehörige von IS-Mitgliedern untergebracht. Mit denen aus Syrien sollen es bis zu 70.000 Frauen und Kinder sein.

Hinzu kommen Tausende IS-Angehörige, die in den kurdischen Gefängnissen in Nordsyrien inhaftiert sind. Darunter sind bis zu 3.000 ausländische Dschihadisten aus insgesamt 54 Ländern.

Die Kurden hatten gewarnt, dass die Offensive der Türkei den Kampf der kurdischen YPG-Miliz gegen den IS schwäche und tausenden Dschihadisten in kurdischer Haft eine Chance zur Flucht geben könnte.

Türkische Armee setzt Angriffe fort

in Soldat des türkischen Militärs lotst einen Soldaten in einem Panzer an der Grenze zu Syrien
Seit Mittwoch geht die türkische Armee gegen Kurden in Syrien vor Bildrechte: dpa

Unterdessen hat die türkische Armee ihre Angriffe im Nordosten Syriens auch am Sonntag fortgesetzt. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete über erbitterte Gefechte in Suluk nahe der syrischen Grenzstadt Tal Abjad.

Ein Sprecher der Syrischen Demokratischen Kräfte, zu denen die YPG gehört, bestätigte die Angaben über die Kämpfe in Suluk. "Die Türken versuchen, die Kontrolle zu übernehmen", sagte er. Kurdische Kämpfer leisteten aber weiterhin Widerstand. Auch in der nordsyrischen Grenzstadt Ras al-Ain dauerten die Kämpfe am Sonntag an.

UNO: 130.000 Menschen auf der Flucht

Nach UN-Angaben flohen bereits mehr als 130.000 Menschen vor den Kämpfen. Das UN-Büro zur Koordinierung humanitärer Angelegenheiten warnte am Sonntag davor, dass bis zu 400.000 Menschen durch die Kämpfe vertrieben werden könnten.

Türkei geht gegen Kurden vor - internationaler Protest

Die Türkei war am Mittwoch in Nordsyrien einmarschiert. Die Offensive richtet sich gegen die kurdische YPG-Miliz, die auf syrischer Seite der Grenze ein großes Gebiet kontrolliert. Die Türkei sieht in ihr einen Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und damit eine Terrororganisation. Die Offensive stößt international auf scharfe Kritik. Am Samstag waren in Deutschland Tausende auf die Straße gegangen, um gegen den Angriff der türkischen Armee zu protestieren.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 13. Oktober 2019 | 13:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. Oktober 2019, 17:28 Uhr