Chronik Das war der Oktober 2021

Kanzlerin Merkel ist nur noch geschäftsführend im Amt; SPD, Grüne und FDP verhandeln eine Ampelkoalition. Die Corona-Zahlen steigen wieder, allen voran in Thüringen und Sachsen. Eine Diskussion um Fußballer Kimmich bringt Totimpfstoffe ins Gespräch. In Eisenach stoppt Opel seine Produktion.

Ingeborg Schäuble, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die ehemalige Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth (CDU) verfolgen die konstituierende Sitzung des neuen Bundestags von der Ehrentribübne aus.
Kanzlerin Merkel nimmt an ihrer letzten Bundestagssitzung auf der Ehrentribüne Platz. Bildrechte: dpa

Ereignisse in Mitteldeutschland

  • In Sachsen-Anhalt wird erstmals eine Infektion mit dem Bornavirus bei einem Menschen nachgewiesen. Nach Angaben des Landesamts für Verbraucherschutz leidet eine 58-jährige Frau bereits seit Ende 2020 unter Symptomen. Eine solche Viruserkrankung ist dem Robert Koch-Institut zufolge selten, aber zumeist tödlich. Als Überträger wird die Feldspitzmaus vermutet. Experten schließen einen epidemischen Ausbruch beim Bornavirus aus.

Ereignisse in Deutschland und der Welt

  • Die Spitzen von FDP und Grünen einigen sich nach der Bundestagswahl zügig auf Sondierungen mit der SPD statt mit der Union. 22 Arbeitsgruppen diskutieren Streitpunkte der möglichen Ampel-Koalition. Erste konkrete Vorhaben: ein gesetzlicher Mindestlohn von zwölf Euro pro Stunde, die Einkommens- oder Mehrwertsteuer soll nicht erhöht werden, zudem streben die drei Parteien einen beschleunigten Ausstieg aus der Kohleverstromung an – zum Unmut der beiden CDU-Ministerpräsidenten in den Kohleregionen Sachsen-Anhalt und Sachsen, Reiner Haseloff und Michael Kretschmer.

  • Der neu gewählte Bundestag kommt am 26. Oktober zu seiner ersten Sitzung zusammen, für Kanzlerin Angela Merkel ist es die letzte nach 31 Jahren Abgeordneten-Dasein und 16 Jahre Kanzlerin. Merkel verfolgt die Sitzung von der Ehrentribüne aus. Wenig später erhält sie samt Kabinett formal die Entlassungsurkunde von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der erklärt, ihre Kanzlerschaft sei "zu den großen in der Geschichte dieser Republik" zu rechnen. Merkel und ihe Minister sind weiter geschäftsführend im Amt, bis ihre Nachfolge bestimmt ist. An der Spitze des Bundestags steht seit 20 Jahren erstmals wieder eine Frau: Die SPD-Abgeordnete Bärbel Bas löst Wolfgang Schäuble ab, der zuletzt anmahnt, dass der Bundestag schlanker werden müsse. Mit 739 Abgeordneten ist es inzwischen das größte Parlament in der Geschichte der Bundesrepublik.

  • Der Festakt zur Tag der Deutschen Einheit wird an diesem 3. Oktober in Halle ausgetragen. Auch 31 Jahre nach der Wiedervereinigung fühlt sich ein Teil der Ostdeutschen für ihre Leistung nicht wertgeschätzt.

  • Facebook kommt auch im Oktober nicht aus den Schlagzeilen. Zu Monatsbeginn sagt die Whistleblowerin und ehemalige Facebook-Mitarbeiterin Frances Haugen vor dem US-Senat aus. Sie wirft dem Konzern vor, zu lax gegen Hassrede vorzugehen. Zu Monatsende verkündet Facebook-Gründer Mark Zuckerberg, seinem Konzern die Dachmarke "Meta" zu geben. Kritiker sehen darin den Versuch Zuckerbergs, von den Negativschlagzeilen abzulenken.

  • Der Chef der Deutschen Bundesbank, Jens Weidmann, kündigt an, "aus persönlichen Gründen" zu Jahresende vorzeitig sein Amt aufzugeben. Er ist der bekannteste Kritiker der lockeren Geldpolitik der Europäischen Zentralbank, die seit zehn Jahren versucht, Krisen mit Niedrigzins und milliardenschweren Anleihekäufen zu bekämpfen.

  • Der frühere US-Außenminister Colin Powell stirbt im Alter von 84 Jahren an Covid-19. Er hatte mit dem einstigen US-Präsidenten George W. Bush die USA 2003 unter Vortäuschung falscher Tatsachen in den Irak-Krieg geführt. Jahre später gestand er die Täuschung ein.

Weitere viel gelesene Nachrichten

  • Der Verfassungsschutz von Sachsen-Anhalt hat das in Schnellroda ansässige "Institut für Staatspolitik" in seinem Jahresbericht als gesichert rechtsextremistisch eingestuft und nennt das Institut "das Think Tank der Neuen Rechten". Immer wieder zu Gast: prominente AfD-Politiker.

  • Das Kinderlied "Kleine weiße Friedenstaube" wird immer weniger im Fernsehen und Radio gespielt. Die inzwischen 95-jährige Lied-Autorin kommt aus dem Harz. Das Lied ist mit der Wiedervereinigung aus den Schulbüchern verschwunden.

  • Auch über einen Monat nach dem Ausbruch des Vulkans auf La Palma kommt die Kanaren-Insel nicht zu Ruhe. Der Vulkan spukt weiter Lava, Rauch und Asche. Wann der Ausbruch beendet sein wird, können Forscher bislang nicht sagen.

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