Chronik Das war der April 2020

Das alles bestimmende Ereignis im Monat April ist die Corona-Pandemie. Weltweit steigen die Fallzahlen und Regierungen greifen zu drastischen Maßnahmen zum Gesundheitsschutz. Mit der Trockenheit ist auch die Klima-Krise wieder präsent.

Frau mit Mundschutz geht an geschlossenem Kaufhaus vorbei
Das öffentliche Leben in Deutschland kommt wegen der Corona-Pandemie weitgehend zum Erliegen. Doch die Maßnahmen scheinen zu wirken. Horrorszenarien wie in Italien oder Spanien bleiben den Deutschen erspart. Bildrechte: imago images / Ralph Peters

Ereignisse in Mitteldeutschland

  • Gleich zu Beginn des Monats, am 1. April, werden die Ende März beschlossenen Ausgangsbeschränkungen verlängert. Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Länderchefs haben dabei vor allem die Osterfeiertage im Blick. "Das Virus kennt keine Feiertage", appelliert die Kanzlerin an die Deutschen und fordert sie auf, zu Hause zu bleiben. Die Menschen in Mitteldeutschland halten sich überwiegend an die Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen – auch über die sonnigen Osterfeiertage. Unterstützend wirken dabei wohl auch die drastischen Bußgeldkataloge, die Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen gleich zu Beginn des Monats eingeführt haben.
  • Für viele Menschen steht der April im Zeichen des Arbeitens von zu Hause. Vor allem für Eltern und Alleinerziehende bringen Homeoffice und geschlossene Kitas und Schulen viele Probleme mit sich. Nach Ostern wird die Lage neu bewertet und es gibt die ersten Lockerungen. So dürfen ab dem 20. April in Sachsen und Thüringen wieder Gottesdienste, Hochzeiten und Beerdigungen mit bis zu 15 Menschen stattfinden. Außerdem können Geschäfte mit bis zu 800 qm Ladenfläche unter Auflagen wieder öffnen. Dazu gehört die Mundschutzpflicht, die in allen drei mitteldeutschen Ländern in der vorletzten Aprilwoche eingeführt wird.
  • Auch in die Schulen kommt zum Ende des Monats wieder etwas Leben: In Sachsen und Thüringen treffen sich die Abiturjahrgänge wieder vor Ort mit den Lehrkräften und bereiten sich auf die Prüfungen vor. Zum Ende des Monats gibt es in Mitteldeutschland mehr als 8.200 bekannte Corona-Fälle. Etwa 270 Menschen sind im Zusammenhang mit dem Virus gestorben.

  • Der April 2020 ist laut Deutschem Wetterdienst der trockenste April seit Beginn der Aufzeichnungen 1881. Die Landwirte richten sich auf ein weiteres Dürrejahr ein. In Sachen Bodenfeuchte sieht es in Mitteldeutschland besonders schlecht aus, wie Untersuchungen des Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig zeigen.

  • Den Sicherheitsbehörden in Thüringen gelingt am 28. April ein Schlag gegen die gewaltbereite Hooligan-Szene. Die Polizei durchsucht mehrere Objekte der Gruppierung "Jungsturm", unter anderem in Saalfeld-Rudolstadt, Erfurt, im Ilmkreis sowie in Halle in Sachsen-Anhalt. Drei Mitglieder werden festgenommen. Laut Polizei sollen sie an verschiedenen Gewaltstraftaten beteiligt gewesen sein. Die Gruppierung wird der Hooligan-Szene des FC Rot-Weiß Erfurt zugeordnet. Die Mitglieder gelten laut Polizei als "Problemfans", sie seien zum Teil aktive Kampfsportler.

Ereignisse in Deutschland und der Welt

  • Die Corona-Pandemie bestimmt das Geschehen in Deutschland und im Rest der Welt. Mit Beginn der Krise haben mehr als eine halbe Million Betriebe in Deutschland ihre Mitarbeitenden in Kurzarbeit geschickt. Der Bundesagentur für Arbeit zufolge sind zum Ende des Monats mehr als zehn Millionen Beschäftigte in Kurzarbeit. Um die Erwerbsausfälle der Beschäftigten annähernd auszugleichen, bringt die Bundesregierung am 29. April eine Erhöhung des Kurzarbeitergelds auf den Weg.
  • Aus epidemiologischer Sicht scheinen die Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen in Deutschland zu wirken. Der Anstieg der Fallzahlen verlangsamt sich, stagniert jedoch auf einem relativ hohen Niveau. Mit knapp 162.000 Corona-Fällen am 30. April liegt Deutschland im Ranking der Johns-Hopkins-Universität auf Platz sechs hinter Großbritannien und Frankreich. Knapp 6.500 Menschen sind bis Ende April in Deutschland im Zusammenhang mit Covid-19 gestorben. Die Pharmaunternehmen Biontech und Pfizer beginnen in Deutschland mit ersten Tests eines Impfstoffs an Menschen. Am 30. April beschließen Bund und Länder weitere Lockerungen. So sollen bundesweit wieder Spielplätze, Museen und Zoos öffnen dürfen. Außerdem soll es wieder Gottesdienste geben.
  • Um die wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie abzufedern, einigt sich die EU am 23. April auf Kredithilfen von bis zu 540 Milliarden Euro. Vor allem südeuropäische Länder lehnen Kredite jedoch ab und sprechen sich für eine Vergemeinschaftung von Corona-Schulden aus. Deutschland will die sogenannten Corona-Bonds nicht.
  • In Europa löst Spanien im Laufe des April Italien als das am stärksten von Corona betroffene Land ab. Zum Monatsende sind es in Spanien fast 240.000 Corona-Infizierte, in Italien knapp über 200.000. International am dramatischsten ist jedoch die Entwicklung in den Vereinigten Staaten. Ende April steigt die Zahl der Infizierten in den USA auf über eine Million. Besonders hart trifft es den Bundesstaat New York und die gleichnamige Millionenmetropole. Hier sind es Ende April rund 18.000 Corona-Todesfälle, fast 13.000 davon in New York City. Insgesamt haben die USA Ende April mehr als 60.000 Corona-Tote zu beklagen. Im Ausgangsland der Pandemie, China, normalisiert sich die Situation im Laufe des Monats nach Angaben der Behörden wieder.

  • Der Tod des langjährigen Bundesarbeitsministers Norbert Blüm (CDU) am 23. April sorgt über die Parteigrenzen hinweg für Betroffenheit. Als einziger Minister der Kohl-Ära begleitet Blüm den Kanzler durch seine 16 Jahre währende Regierungszeit. Blüms Spruch "Die Rente ist sicher" wird zum Topos im kollektiven Gedächtnis Deutschlands.

  • Am 28. April tritt ein deutlich verschärfter Bußgeld-Katalog für den Straßenverkehr in Kraft. Raser müssen bei Verstößen jetzt mehr zahlen und werden ihren Führerschein schneller los als bisher. Empfindliche Strafen drohen auch, wenn man eine Rettungsgasse falsch benutzt oder mit dem Auto auf einem Fahrradweg parkt.

  • Die Bundesanwaltschaft veröffentlicht Ende April die Klageschrift für den Prozess zum Attentat von Halle. Das Verfahren gegen den Tatverdächtigen Stephan B. soll im Frühsommer beginnen. Am 29. April klagt der Generalbundesanwalt zudem den mutmaßlichen Mörder des Kassler Regierungspräsidenten Walter Lübcke, Stephan E. und seinen mutmaßlichen Unterstützer Markus H., an. Das Verfahren zu dem mutmaßlich rechtsextremistischen Attentat vom 2. Juni 2019 soll am Oberlandesgericht Frankfurt am Main stattfinden.

  • Bundesinnenminister Horst Seehofer spricht ein Betätigungsverbot für die Hisbollah in Deutschland aus. Die schiitische Islamisten-Vereinigung muss ihre Aktivitäten damit hierzulande nun einstellen. In mehreren deutschen Städten gibt es Razzien in Moscheen und Vereinshäusern.

  • Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un gilt seit dem 11. April als verschwunden. Auch an den Feierlichkeiten zu Ehren seines Großvaters und Staatsgründers Nordkoreas, Kim Il Sung, nahm der 36-Jährige nicht teil. Die wildesten Gerüchte entstehen: Er sei an Covid-19 erkrankt, habe eine OP gehabt oder sei gar gestorben. Ende April äußern sich sowohl die südkoreanischen Sicherheitsbehörden als auch US-Präsident Donald Trump zu den Gerüchten. Beide geben an, Kim Jong Un gehe es gut. Den Südkoreanern zufolge hält sich Kim Jong Un im Badeort Wonsan im Osten Nordkoreas auf. Dort wurde laut einem US-Medienbericht auch sein Privatzug gesichtet. Am 2. Mai zeigt sich Un dann wieder öffentlich.

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