Neun Jahre nach Fukushima Debatte um Ausstieg aus dem Atomausstieg

Vor neun Jahren ereignete sich die Nuklearkatastrophe von Fukushima. Nach einem Erdbeben wurden große Mengen radioaktiven Materials freigesetzt. In Deutschland beschloss die damalige schwarz-gelbe Koalition unter diesem Eindruck den Atomausstieg. Bis Ende 2022 sollen alle verbliebenen deutschen Kernkraftwerke vom Netz gehen. Doch immer wieder gibt es Stimmen, die Laufzeiten der AKW zu verlängern.

Arbeiter in Schutzkleidung beginnen am 25.12.2017 in Futaba, Präfektur Fukushima (Japan) mit den Dekontaminationsarbeiten auf dem radioaktiv belasteten Gelände.
Nach der Nuklearkatastrophe in Fukushima wurde in Deutschland der Atomausstieg beschlossen. Bildrechte: dpa

Kernenergie ist in der Politik eigentlich kein Thema mehr. Der 2011 beschlossene Atomausstieg wird umgesetzt. Die Vorbereitungen für die Abschaltung der letzten Kernkraftwerke laufen. Eine der im Bundestag vertretenen Parteien sieht das kritisch: Die AfD betrachtet die Atomkraft als elementaren Baustein der Energieversorgung.

Ihr umweltpolitischer Sprecher Karsten Hilse hofft auf den Ausstieg aus dem Ausstieg: "Wir müssen zurückkehren zur Kernenergie, am besten zu Reaktoren der Generation 4. Die sind inhärent sicher, wir brauchen kein Endlager mehr, und wir könnten mit den jetzt schon lagernden atomaren Reststoffen aus unseren Kraftwerken 250 Jahre Deutschland mit Strom versorgen – sicher."

Ausstieg wie geplant

Mit dieser Haltung steht die AfD allerdings ziemlich allein da. Die Große Koalition wolle am Atomkonsens nicht rütteln, antwortet Regierungssprecher Steffen Seibert regelmäßig auf entsprechende Fragen:

Die Haltung der Bundesregierung zum Atomkonsens, zur Atomkraft, gilt unverändert: Der Ausstieg wird wie geplant vollzogen.

Steffen Seibert, Regierungssprecher

So sehen das auch die Sozialdemokraten: Der Atomausstieg sei richtig, sagt Carsten Träger, umweltpolitischer Sprecher der SPD im Bundestag. Gerade zum Jahrestag von Fukushima verbiete sich diese Debatte. Alle Parteien hätten sich 2011 darauf verständigt, dass Deutschland aus der Atomkraft aussteigen werde. Deswegen sei die große Debatte, die man führen müsse, wie die Erneuerbaren Energien vorangebracht werden könnten. Eine Diskussion über den Dinosaurier Atomkraft stehe aus seiner Sicht nicht an, erklärt Träger.

Gibt es eine Zukunft für die Kernenergie?

Auch die Union steht zum beschlossenen Atomausstieg. Allerdings hört man aus der Fraktion auch immer wieder kritische Stimmen. Der CDU-Wirtschaftspolitiker Andreas Lämmel glaubt zwar nicht, dass sich der Atomausstieg in Deutschland rückgängig machen lassen könnte. Dennoch prophezeit er der Kernenergie eine Zukunft:

Wenn man sich die internationalen Entwicklungen so anschaut, wird ja an völlig neuen Technologien geforscht und gearbeitet. Und deswegen bin ich überzeugt davon, dass die Atomtechnologie weltweit weitergetrieben wird.

Andreas Lämmel, CDU-Wirtschaftspolitiker

Der FDP-Energieexperte Martin Neumann sorgt sich um das deutsche Expertenwissen. Er hofft deshalb, dass die Kerntechnologieforschung in Deutschland erhalten bleibt: "Das deutsche Knowhow auf diesem Gebiet ist groß. Und ich bin der festen Überzeugung, dass wir dieses Knowhow auch international einbringen müssen." Auch um sicherzustellen, dass dort wo Kernkraftwerke gebaut würden, die auch mit Sicherheit stattfänden.

AKW-Betreiber auf Ausstieg eingestellt

Unabhängig davon, was in der Politik diskutiert wird - die deutschen AKW-Betreiber haben sich längst auf den Atomausstieg eingestellt.

Das bestätigt die Pressestelle von RWE. Das Unternehmen betreibt die Kernkraftwerke Gundremmingen C und Emsland, die 2021 bzw. 2022 vom Netz gehen sollen.

Die Frage einer Laufzeitverlängerung stellt sich für uns nicht. Das Kapitel ist abgeschlossen!

RWE

Es gebe in Deutschland einen breiten gesellschaftlichen und politischen Konsens zum Ausstieg aus der Kernenergie, an dem der Betreiber nach eigener Aussage nicht rütteln solle, heißt es im RWE-Statement weiter. Jede Technologie habe ihre Zeit. Die der Kernenergie in Deutschland sei vorbei. Einen Neubau von Kernkraftwerken sowohl in Deutschland als auch im Ausland schließt der Energiekonzern definitiv aus.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 11. März 2020 | 09:22 Uhr

27 Kommentare

CrizzleMyNizzle vor 12 Wochen

Ja ne is klar, jemand anders wird natürlich meinen Strom bekommen (im Norden durch Wind zum Bsp.).
Es geht mir auch darum ein Zeichen zu setzen und durch mich wird der Stromanteil EE erhöht.
Auf der anderen Seite habe ich auch kein Problem den zu bestellen. War nie teurer als meine Stadtwerke und auch so ist es recht günstig.
Nach der letzten Rechnung hatte ich keinen konventionellen Anbieter gefunden der sonderlich günstiger war als meiner (Energie Gut GmbH).

Klaus vor 12 Wochen

Nein, weil die meisten Kraftwerke Anfang 2011 noch gelaufen sind und schon 2009 klar war, dass der Ausstieg aus dem Ausstieg kommen wird.
Jetzt sind die meisten Kernkraftwerke schon seit Jahren außer Betrieb und teilweise sehr weitgehend zurückgebaut.
Außerdem sind viele Wissensträger im Ruhestand oder sind unmittelbar davor.
Der Knowhow-Wiederaufbau kostet erst mal viel Geld. Dieses Geld wird erst investiert, wenn eine langfristige Perspektive sichtbar wird. Diese Perspektive kann ich aber beim besten Willen nicht erkennen.
Und wenn die Bevölkerung nicht dahinter steht, macht das ja erst recht keinen Sinn. Man sieht ja was los ist, wenn eine neue Stromtrasse geplant werden soll. Und allein die Planungs- und Genehmigungsphase für ein Kernkraftwerk dauert schon einige Jahre.
Nein, der Zug ist schon seit Jahren abgefahren, da gibt es kein zurück.

Der Erfurter Bub vor 12 Wochen

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