"Jasmin-Prozess" Angeklagte enttäuscht über Prozessende

Die Angeklagte im Zwangsprostituierten-Prozess, Mandy Kopp, hat sich enttäuscht über das vorläufige Ende des Verfahrens geäußert. Kopp sagte MDR exakt, sie müsse das Ende des Prozesses akzeptieren, obwohl sie es nicht gut finde.

Nicht nur, dass meine ehemaligen Peiniger einfach so davongekommen sind, sondern eben auch der Freispruch, der uns zusteht. Der ist jetzt weit, weit weggerückt.

Mandy Kopp zur Aussetzung des Verfahrens

Der Grünen-Politiker Johannes Lichdi warf Sachsen im Umgang mit den zwei Frauen Versagen vor. Lichdi sagte MDR exakt, erst habe man sich fast 15 Jahre nicht für die Frauen interessiert. Dann seien sie als Lügnerinnen abgestempelt und selbst mit einem Strafverfahren überzogen worden. Hier habe der Staat in seiner Schutzfunktion gerade für die Schwachen, für die Misshandelten "total versagt" und genau das Gegenteil bewirkt.

Bis auf Weiteres eingestellt

Das Amtsgericht hatte das Verfahren am 2. September unter Berufung auf den Paragraphen 205 der Strafprozessordnung eingestellt. Begründet wurde das vorläufige Ende mit der psychischen Verfassung der beiden Angeklagten. Mandy Kopp und Beatrix E. waren vor dem Amtsgericht Dresden wegen Verleumdung angeklagt worden. Beiden wird vorgeworfen, fälschlich Angehörige der sächsischen Justiz als frühere Freier des Kinderbordells "Jasmin" identifiziert zu haben. Nach Angaben einer Gerichtssprecherin behält sich das Gericht vor, von Zeit zu Zeit zu prüfen, ob das Verfahren weitergehen könne.

Wer hatte Interesse am Prozess?

Während die Strafverfahren gegen die beschuldigten Juristen bereits 2008 eingestellt worden waren, wurden nun die jungen Frauen in Dresden angeklagt. Die Prozesseröffnung zog sich hin bis März 2012. Vor dem ersten Verhandlungstag hatte die Staatsanwaltschaft nach Angaben Kopps einen Deal vorgeschlagen. Ihnen drohe eine nur geringe Strafe, wenn sie nicht bei ihren Aussagen blieben. Die angeklagten Frauen lehnten ab. Nun musste das Gericht den Prozess größer aufrollen, um die Schuldfrage tatsächlich zu klären. Mehrere Verhandlungstage wurden angesetzt. Mehrere Zeugen, darunter auch der ehemalige Bordellbetreiber, sollten befragt werden. Im November wurde der Prozess fortgesetzt. Am vierten Verhandlungstag, dem 15. November, erlitten die beiden Frauen einen Nervenzusammenbruch. Nach 18 Jahren waren sie erstmals wieder dem ehemaligen Bordellbetreiber begegnet, der als Zeuge geladen war. Der Prozess wurde daraufhin auf unbestimmte Zeit vertagt.

Verbindung zum "Sachsensumpf"

Die Aussagen der beiden Zwangsprostituierten stützen die sogenannten "Sachsensumpf"-Vorwürfe aus dem Jahr 2007, die Verstrickungen zwischen Justiz und Rotlichtmilieu nahe legen. Im Zusammenhang mit den dazu geführten Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Dresden wurden im April 2008 acht ehemalige Zwangsprostituierte aus dem "Jasmin" befragt. Mandy Kopp und Beatrix E. wiederholten auch zu diesem Zeitpunkt ihre frühere Aussage, das sie frühere Freier auf den ihnen mehrmals vorgelegten Fotos erkannten. Die Staatsanwaltschaft erklärte erhobene Korruptions- und Rotlichtvorwürfe für haltlos. Ein Untersuchungsausschuss im sächsischen Landtag verfolgt die Problematik noch immer weiter.

Die beiden damals 16-jährigen Mädchen waren im Leipziger Bordell "Jasmin" zur Prostitution gezwungen worden. Ende Januar 1993 wurde das "Jasmin" ausgehoben und der Betreiber verhaftet. Ein Jahr später wurde er zu vier Jahren Haft verurteilt.

Paragraph 205 Strafprozessordnung "Steht der Hauptverhandlung für längere Zeit die Abwesenheit des Angeschuldigten oder ein anderes in seiner Person liegendes Hindernis entgegen, so kann das Gericht das Verfahren durch Beschluss vorläufig einstellen. Der Vorsitzende sichert, soweit nötig, die Beweise."

Zuletzt aktualisiert: 23. Oktober 2013, 22:11 Uhr

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3 Kommentare

25.10.2013 10:45 Waldheim 3

"Ein Untersuchungsausschuss im sächsischen Landtag verfolgt die Problematik noch immer weiter." - Genau, noch immer und er wird sie solange weiter"verfolgen", bis sie sich in Luft aufgelöst haben. Die ganze Angelegenheit stinkt wie ein offenes Fass Jauche nach Korruption, Vertuschen und Vernebeln. Und für die vorläufige Aussetzung des Prozesses ist die Verfassung der Beklagten schuld; wer das glaubt, glaubt auch an den Storch. Der von der StA vorgeschlagene Deal spricht ja für sich. BTW: In den Artikel gehören die Namen derjenigen, die angeblich verleumdet worden sind - die der angeblichen Verleumderinnen stehen ja auch darin.

24.10.2013 23:35 Nur mal so 2

Heute erschien in einer Dresdner Tageszeitung ein Artikel "Sachsensumpfermittler wehrt sich erfolgreich vor Gericht". Derselbe Artikel, der als online-Artikel der Zeitung noch 23.30 Uhr ergoogelt werden konnte, ist im Netz nicht mehr verfügbar, die Online-Seite sagt, dass es einen solchen Artikel nicht gebe. Nilpferd ick hör dir trapsen. Da gewinnt der Spruch, dass Papier geduldig sei, eine völlig neue Bedeutung.

24.10.2013 22:58 Der 5te Reiter 1

Es liefen auch (Dienst)Verfahren gegen Ermittler im Sachsensumpfprozess, die mal genauer hingeschaut haben. Diese Dienstverfahren sind vom VG auch in diesen Tagen hinterfragt worden. Anscheinend tut sich da ganz viel, viele der oberen Behörden scheinen sich nicht mehr ganz so einfach den "sächsischen Weg" gefallen zu lassen. Gefällt mir. Sollte der MDR auch wohlwollend begleiten und sich nicht länger als Staatsmedium gerieren. Mich würden schon mal die Namen der Peiniger von Frau Kopp interessieren, noch mehr aber ihr Amt und ihr einfluss heute...