NSU-Untersuchungsausschuss Obmann Schuster stellt NSU-Trio infrage

Zum Start des zweiten NSU-Untersuchungsausschusses des Bundestages hat Obmann Armin Schuster erneut Zweifel an der Größe der Terrorgruppe angemeldet. Der CDU-Innenpolitiker sagte MDR INFO, er sei noch nicht davon überzeugt, dass es nur ein Trio gewesen sei und man den Kopf der Gruppe schon kenne. Er machte deutlich, dass es noch viele offene Fragen gebe. Zweifel am bisherigen Ermittlungsstand seien daher angebracht.

Auch Selbstmordthese fraglich

Schuster betonte, es müsse geklärt werden, ob das Unterstützernetzwerk tatsächlich so klein gewesen sei. Die perfide Genialität der Verbrechensserie hätte eine Menge Grips benötigt. Diese würde er bei keinem der Drei erkennen. Fraglich sei zudem, ob Mundlos und Böhnhardt wirklich Selbstmord begangen hätten. Auch stellte er infrage, ob Zschäpe das Haus in Zwickau wirklich selbst in die Luft gejagt habe.

Der zweite NSU-Untersuchungsausschuss des Bundestages nahm am Mittwoch seine Arbeit auf. Der erste NSU-Untersuchungsausschuss des Bundestags hatte im Sommer 2013 seine Arbeit beendet. Dabei waren nach übereinstimmender Ansicht aller Fraktionen viele Fragen unbeantwortet geblieben. Nun will der Ausschuss auch Informationen nachgehen, die in einigen von den Landesparlamenten eingesetzten Untersuchungsausschüssen aufgetaucht sind.

Dazu zählen Ungereimtheiten bei der Aufklärung der Mordfälle, die dem NSU zur Last gelegt werden. Darüber hinaus seien die Hintergründe des Mordes an der Polizistin Michèle Kiesewetter in Heilbronn weiter offen. Der Ausschuss hofft außerdem auf Erkenntnisse über neue Strukturen, die hinter ausländerfeindlichen Übergriffen auf Asylbewerber stehen könnten.

Zehn Morde zwischen 2000 und 2007

Dem NSU werden zwischen 2000 und 2007 zehn Morde angelastet, an neun Männern aus Zuwandererfamilien und einer deutschen Polizistin. Die Sicherheitsbehörden waren dem Trio aus Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe, welches 2011 aufflog, jahrelang nicht auf die Spur gekommen. Gegen Beate Zschäpe, die einzige Überlebende des Trios, läuft seit 2013 ein Prozess vor dem Oberlandesgericht München.